Montag, 7. November 2011

November: Wünsche an das Direktorium

Irgendwie war dieser Text aus dem hiesigen liturgischen Direktorium vielleicht etwas eigenartig formuliert bzw. gab zu merkwürdigen Interpretationen (und damit verbundenen Wadenbeißereien) Anlaß:

BERLiN (nur Kathedralkirche): HOCHFEST DES WEiHETAGES DER KATHEDRALE (1. NOV. 1773) – WEiSS

Dieses Kirchweihfest wird im Bistum wegen des vorrangigen Sonntags im Jahreskreis in diesem Jahr nicht begangen.
in der Kathedralkirche Offizium vom Kirchweihfest.
Te Deum
Kirchweihmesse… (etc.)
Also, ich ersehe aus diesem Text, daß das Kirchweihfest in diesem Jahr im Bistum nicht als Fest gefeiert wird, da der Sonntag den Vorrang hat. In der Kathedrale allerdings wird es gefeiert. Der Weihetag einer Kirche ist in dieser ebenso wie das Patrozinium ein Hochfest. Kirchweih gehört zu den Festen des Herrn und sticht damit den Sonntag im Jahreskreis, frag jede liturgische Rangordnung. (In ein- und derselben Kathedralkirche die Vorabendmesse als Kirchweih in Weiß und den Tag selbst als 32. Sonntag in Grün zu feiern wäre auch einigermaßen sinnbefreit.)

In Bezug auf den Allerseelenablaß kamen mir wiederum die Bedingungen, unter denen man einen solchen gewinnen kann, etwas unvollständig[2] vor. Wer legt diese Bedingungen eigentlich verbindlich fest? Ich meine, wenn ich in bester, durch dieses Direktorium gewonnener Meinung der Ansicht wäre, ich gewänne einen Allerseelenablaß ohne Beichte, hätte ich den dann nicht erworben oder käme die Gnade und eilte mir zur Hülfe und vervollständigte alles? Fragen über Fragen.

Vielleicht sollte man von seiten eines solchen Direktoriums doch nicht allzuviel voraussetzen und dies alles nächstens etwas eindeutiger formulieren. Da ich grade über das Direktorium schreibe: es ist und bleibt mir schleierhaft, wieso unser Bistum nicht schafft, was andere seit Jahren mühelos fertigbringen: aus dem Direktorium ein PDF zu machen und es zum Herunterladen anzubieten. Eigentlich ist sowas ganz einfach.


____
[1]Daß für manchen das liturgische Direktorium leider nicht einmal optionalen Hinweischarakter hat – anders kann ich mir nämlich die Feier einer „grünen“ Messe am Vorabend eines Hochfestes wirklich nicht erklären – ist eine andere Geschichte und soll möglichst
kein andermal erzählt werden, es macht nämlich keinen Spaß. Wenn sich hier bestimmte Konstellationen ergeben, gehe ich einfach ganz ruhig woanders hin. Gottseidank gibt es ein Woanders.

[2] Einen Teil meines Lebensunterhalts verdiene ich mir übrigens mit ketzerischen Fragen dieser Art, da manche Einrichtungen einen Proof Reader beschäftigen, der Text und Zahlen auf Stimmigkeit und Lesbarkeit überprüft, besserwisserische Fragen stellt und fehlende Fakten recherchiert. Das heißt nicht, daß ich selber keine Fehler machte, aber wie wir von Lessing wissen, braucht der Rezensent nicht besser zu machen, was er tadelt.

Bild: passend zu Kirchweih eines meiner liebsten Kathedralbilder: im Schnee

Kommentare:

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Also ich habe gerade mal im Direktorium der Diözese Mainz 2009/2010 geschmökert:

04.07. H im Dom: JAHRESTAG DER WEIHE DES DOMES
ZU MAINZ (1239)
F In der Diözese: JAHRESTAG DER WEIHE DES DOMES
ZU MAINZ

Daher scheint mir das einigermaßen korrekt zu sein, in der Kathedrale das H, daß nicht vom So gestochen wird, im Bistum, daß normalerweise die Weihe der Kathedralkirche mitfeiert, wird das dortige F der Kathedralkirchweihe durch den So gestochen.

Zu Priester und Direktorium bzw GoDiOrdnung kann ich nur etwas aus meiner Erfahrung als Küster zum Besten geben.

Jahrelang hat ein Priester einen Gottesdienst am 25.12. um 18 Uhr, der ausdrücklich vom Pfarrer auf der GoDiOrdnung als Vorabendmesse für den Hl Stephanus 26.12. ausgewiesen war, mit dem Formular Weihnachten - In der Morgenfrühe gefeiert.
(An diesem Tag gab es in der Hauptpfarre schon GoDis um 8:30, 10:00 und 11:15)
Dreimal dürft Ihr raten, werte Leser, wer vom Pfarrer angepflaumt wurde, weil die falsche Farbe und das falsche Formular benutzt wurde! Aber einem Priester Anweisungen zu erteilen, stand mir laut dem gleichen Pfarrer natürlich nicht zu ;-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Oben wollte ich nicht ausdrücken, der zitierte Text stimme nicht. Sein Inhalt – der korrekt ist – ist nur manchem offenbar nicht klar genug geworden.

Beim von dir zitierten hl. Stephanus gehe ich allerdings wiederum davon aus, daß der Weihnachtstag den Stephanus "sticht", die "Morgenfrühe" gibt das Direktorium meines Erachtens aber nicht her, höchstens die "heilige Nacht" – jetzt auch bei Tage. (Der Küster allerdings hat in jedem Falle die …karte gezogen.)

Ludolph hat gesagt…

Also eigentlich ist die Sache doch klar: In der Kathedrale Hochfest und weiß, in allen anderen Kirchen Sonntag und grün. Soviel liturgische Bildung sollte ein Priester doch haben, auch bei unklaren Formulierungen im Direktorium.

Wobei der Weihetag der Lateranbasilka am kommenden Mittwoch sticht den Sonntag (im Jahreskreis) obwohl es nur ein Fest ist. Warum gilt dann gleiches eigentlich nicht für die Weihe der Kathedralkirche in den Kirchen des Bistums?

Ach ja: da Allerseelen auch den Sonntag sticht, hätte man gestern auch Allerseelen in violett oder schwarz nachfeiern können.

Was den Stephanus angeht, so kann dieser nicht das Weihnachstfest ausbremsen. Also am 25.12. geht auch abends nur weiß. Selbst in einer Stephanuskirche, wo er als Patrozinum ein Hochfest ist. Da würde er aber an einem Sonntag das Fest der Hl. Familie rauskegeln, was sonst den Stephanus verdrängt.

Braut des Lammes hat gesagt…

Eigentlich ist die Sache klar, nichtsdestotrotz wollte tatsächlich jemand den Vorabend in Weiß und den Sonntag in Grün. Gabs aber nicht.

Der Weihetag der Lateranbasilika ist ebenfalls ein Herrenfest und sticht den gewöhnlichen Sonntag aus diesem Grund. Allerseelen wiederum schlägt wegen seines hohen Ranges ebenfalls den Sonntag, allerdings trifft das auf beide Feste nur zu, wenn sie tatsächlich auf den Sonntag fallen.

Die Erwägung der Frage nach dem Vorrang des Weihetags der Kathedralkirche finde berechtigt, immerhin ist die Kathedrale "Mutter und Haupt" der Kirchen. Die Antwort ist wahrscheinlich: weil es in der liturgischen Rangordnung so steht.

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