Dienstag, 15. November 2011

It's a wonderful life

Mach das beste draus, dachte ich mir im nachhinein, als ich en passant davon hörte, daß es in diesem Jahr mangels liturgiebegeistertem Rektor keine Mitternachtsmesse der Akademiekirche geben wird, was ich außerordentlich schade finde, ich fand die Stimmung bei unserer nächtlichen Messe mit dem vom Pfarrer gesungenen Martyrologium immer so schön.

Allerdings gibt mir das vielleicht die Möglichkeit, wiedermal etwas zu tun, ohne das Weihnachten früher für mich irgendwie nicht komplett war: mir auf dem Sofa zusammen mit den Katzen James Stewart in It's a wonderful life anzusehen[1].

In It's a wonderful life verzweifelt George Bailey an seinem Leben und erhält durch die Intervention eines Engels – der geschickt wird, weil so viele Menschen Gott und die Jungfrau Maria im Gebet für ihn anrufen – die Möglichkeit, zu sehen, wie die Welt ausgesehen hätte, wenn er nie gelebt hätte.

Zum einen ist der Film einfach schön, irgendwie ist er auch ein wenig katholisch (so begegnen wir Heiligen und Engeln), zum anderen bringt er etwas sehr Schönes zum Ausdruck: Das, was aus einem Leben ein wonderful life, was das Leben des einzelnen kostbar macht, sind nicht große Werke, Geld oder Ruhm, sondern Glauben, Hoffnung und Liebe. Der Held des Films hat wenig Glorioses an sich: statt aufs College zu gehen und dann als Abenteurer in die Welt hinauszuziehen, finanziert er seinem Bruder das Studium. Er selbst muß notgedrungen die Bausparkasse seines Vaters übernehmen – die ständig am Rande des Pleitegehens dahinkrebst, schon weil der raffgierige Henry F. Potter den Baileys das Leben sauer macht – und wohnt mit Frau und vier Kindern in einer immerwährenden Bruchbude. Und doch ist er vollkommen glücklich, was er erst erkennt, als es fast zu spät ist.

George Bailey im Kreise seiner Familie
(die ohne ihn nie existiert hätte)

Engel sehen manchmal aus wie ganz gewöhnliche
Menschen – ohne Flügel. Dieser trägt zudem noch
altertümliche Unterwäsche.
Die Hauptstraße von Bedford Falls – und was ohne
George Bailey daraus geworden wäre: Pottersville[2]

Für den Film ließ der Regisseur eigens eine Stadt bauen, einen der größten jemals gebauten Filmsets, mit 75 Läden, drei Häuserblocks und 20 Eichen an der Hauptstraße (für den künstlichen Schnee hat der Film später noch einen Sonderpreis bekommen). Eigentlich aber hätte diese Stadt jede Kleinstadt in Amerika darstellen können, und tatsächlich fühlte sich James Stewart stark an seine Heimatstadt in Indiana erinnert, als er die Hauptstraße des Sets hinunterging.

Der Film, von dem amerikanischen Katholiken Frank Capra gedreht, kam am 20. Dezember 1946 in die Kinos, wo er zunächst kein Erfolg war. Mittlerweile gilt er als Phänomen, man staunt auch oft, in wievielen anderen Filmen kurz eine Szene aus It's a wonderful life aufblitzt. James Stewart brachte es einmal sehr schön auf den Punkt:
Today I've heard the filmed called 'an American cultural phenomenon.' Well, maybe so, but it seems to me there is nothing phenomenal about the movie itself. It's simply about an ordinary man who discovers that living each ordinary day honorably, with faith in God and selfless concern for others, can make for a truly wonderful life.
_____
[1] Der Film ist auch in diesem Jahr wieder im Spätprogramm des ZDF. Einer der wenigen echten Weihnachtsfilme, obwohl Capra eigentlich gar keinen solchen hatte drehen wollen (vielleicht gerade deshalb).

[2] Mittlerweile sehen viele der Städte, in denen wir leben, Pottersville irgendwie verdächtig ähnlich. Als Capra in den siebziger Jahren ein Seminar abhielt, fragte man ihn, ob heute wohl noch ein Film gedreht werden könnte, der der die Werte und Ideale von It's a wonderful life vermittelt. „Wenn nicht“, erwiderte er, „könnten wir genausogut aufhören“. Ja.

Kommentare:

Josef Bordat hat gesagt…

Es gibt aber noch mehr gute Weihnachtsfilme:
http://jobo72.wordpress.com/2010/12/22/weihnachtsgeschichten/

LG, JoBo

Johannes hat gesagt…

Vielen Dank Euch beiden für die Tipps. Wir werden Weihnachten in Rom sein und ich bin schon ganz gespannt, ob es da auch schöne Weihnachtsgeschichten im italienischen Fernsehen gibt...

Braut des Lammes hat gesagt…

In Italien hab ich mal einen uralten Schwarzweiß-Film über den kleinen Marcellino gesehen, der den Gekreuzigten mit einem Stück Brot ernährt ("Du hast sicher Hunger!"). Nicht eigentlich weihnachtlich, aber unglaublich rührend.

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