Donnerstag, 17. November 2011

In corde Gertrudis invenietis me


Gott, du Sehnsucht deiner Geschöpfe,
es hat dir gefallen,
im Herzen der heiligen Gertrud Wohnung zu nehmen. (Tagesgebet)
Gertrud von Helfta, auch „die Große“ genannt, war neben Mechthild von Magdeburg und Mechthild von Hackeborn eine von drei großen Mystikerinnen, die das Kloster Helfta hervorgebracht hat. Die drei Fenster in der Stirnwand des Chores werden nicht nur als Sinnbild für die Dreifaltigkeit gesehen, sondern erinnern auch an diese Zisterzienserinnen des Mittelalters.

Über Gertruds Herkunft wissen wir nichts, daß in den Aufzeichnungen des Klosters nichts über ihre Familie verzeichnet ist, darf als ungewöhnlich bezeichnet werden. Im Alter von ungefähr fünf Jahren kam sie als Schülerin ins Helftaer Kloster. Obwohl dieses nicht offiziell dem Zisterzienserorden angegliedert war, folgte es dessen Regeln und war stark von der Spiritualität Bernhards von Clairvaux geprägt.

Im entsprechenden Alter – wahrscheinlich mit etwa fünfzehn bis siebzehn Jahren – trat Gertrud als Novizin in Helfta ein. Zunächst beschäftigte sie sich mit dem Studium der philosophischen Disziplin der Rhetorik und des Lateinischen. Im Advent 1281, mit etwa fünfundzwanzig, wandte sie sich nach einer mystischen Erfahrung ausschließlich dem Studium der hl. Schrift und der Kirchenväter zu. Als ich mich am Abend zum Gebet niederkniete, dachte ich plötzlich an die Worte des Evangeliums: Wer mich liebt, der hält sich an mein Wort; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen. Da fühlte mein Herz, daß du angekommen und in mir gegenwärtig warst.

Für den Konvent von Helfta und dessen Schülerinnen verfaßte Gertrud vereinfachte Zusammenfassungen schwieriger Abschnitte aus den Kommentaren der Kirchenväter und gab Niederschriften Heiliger heraus. Daneben ernannte man sie zur geistlichen Begleiterin der Novizinnen, dann wählte man sie zur Äbtissin. Über Briefe erteilte sie auch Menschen, die nicht im Kloster lebten, geistlichen Rat. Ihre Schriften sind sowohl auf Deutsch als auch auf Lateinisch verfaßt, darunter die beiden Hauptwerke Legatus divinae pietatis (Gesandter der göttlichen Liebe), ein mehrbändiges Werk, aus dem die Zeilen unten stammen, und Exercitia spiritualia (geistliche Übungen). Am 13. November 1302 starb Gertrud nach längerem Leiden, das sie nach einem Schlaganfall über ein Vierteljahr ans Bett fesselte, im Alter von nur sechsundvierzig Jahren und wegen ihrer außerordentlichen Güte bereits im Ruf der Heiligkeit.



Im Jahre 1999 haben unter der Führung der Äbtissin M. Assumpta Schenkl (gest. 2009), die damals fünfundsiebzig Jahre alt war, Zisterzienserinnen aus der Abtei Seligenthal bei Landshut das Kloster Helfta, das man einst die Krone der deutschen Frauenklöster nannte, wiederbesiedelt. Helfta liegt im Mansfelder Land nahe bei Eisleben, dem Geburtsort Luthers, wurde darum 1542 säkularisiert und fiel zunächst an die preußische Staatsdomäne. Das Kloster, das über viele Jahrzehnte hinweg völlig verfallen war, wurde durch großen Einsatz eines Eislebeners vor dem völligen Abriß bewahrt – in der DDR benutzte man die Gebäude teils zur Landwirtschaft, teils ließ man sie völlig verkommen. Erhalten blieben große Teile der Mauern der ehrwürdigen Klosterkirche und die Wand des Chores mit den drei großen Fensterbögen. 1994 kehrte das Gut in den kirchlichen Besitz zurück, schon 1999 feierte man das Richtfest der Klosterkirche St. Maria. Heute blüht es in Helfta wieder, was auch daran liegt, daß die Zisterzienserinnen dort Lavendel anbauen.


Du ehrfurchtsvolle Weisheit Gottes!
Wie machtvoll, wie strahlend ist deine Stimme!
Du rufst ohne Ausnahme alle, die begehren und ersehnen, zu dir.
Du wohnst in den Menschen der Demut.
Du liebst, die dich lieben,
Du richtest die Sache der Armen.
Du wendest dich voll Huld und Güte allen Menschen zu.
Du verabscheust nichts von dem, was du geschaffen hast.
Du läßt der Menschen Sünde unbeachtet.
Du wartest voll Sanftmut, daß sie umkehren.

O, Weisheit!
Du trägst in deiner rechten Hand das Banner der Ewigkeit.
Dir gedeiht alles glücklich.
Du allein – und nur du – vermagst alles.
Du bleibst stets in dir und doch machst du alles neu.
Ja, erneuere mich und mache mich heil in dir,
damit du in meiner Seele wohnen kannst.
Du berufst die Gottesfreude.
Ja, erwirb mir die Freundschaft Gottes.
Bereite mich, daß ich in der Frühe des Tages auf dich hoffe und harre,
damit ich dich wirklich und wahrhaft finde.
Nimm mich! Ergreif Besitz von mir,
damit ich Dich uneingeschränkt begehre.

___
Bilder: eine Herz-Jesu-Darstellung einmal anders. Auf dem Spruchband steht: In corde Gertrudis invenietis me im Herzen Gertruds werdet ihr mich finden.
Die Klosterkirche im Licht des anbrechenden Tages, Blick auf Kirche und Konventsgebäude.

Kommentare:

Barbara-Paraprem hat gesagt…

Hallo

Können Sie mir bitte sagen, von wem das Gemälde oben stammt, das Gerturd zeigt? Wer hat es gemalt? Wo hängt es? Ist es copyrightfrei?

Gruss

Barbara

Braut des Lammes hat gesagt…

Das Bild ist eine Altarretabel, von der ich im Moment aber nicht weiß, wo sie sich befindet. Aufgrund seines Alters ist das Bild selbst im Public domain.

Barbara-Paraprem hat gesagt…

Vielen Dank für den Hinweis. Darf ich fragen, woher Sie das Bild haben? Das würde mir ev. bei der Recherche weiterhelfen.

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