Dienstag, 29. November 2011

Gottesdienste wie dieser…

Ein Schmankerl noch aus den letzten Zügen des alten Kirchenjahrs (also, sehr friedevoll war das grade nicht): vor der Heiligen Messe – der Zelebrant kommt aus dem Beichtstuhl und bittet mich, noch eine eigene Fürbitte für einen Herrn Sowieso Sowieso zu machen. Ob Herr Sowieso verstorben sei? Ja, aber schon lang. .oO(?) Kein Problem, gesagt, getan.

Während ich mir eine passende Fürbitte auf ein Post-it schreibe, kommt der vertretende Orgelschläger und Kantor von oben herabgeschwebt (vom Himmel hoch, da komm ich her…), nimmt den Liedzettel entgegen und offenbart, er könne heute gesundheitsbedingt höchstens krächzen. Das trifft sich günstig, denn der Zelebrant kann auch nicht singen. Aber ich könnte ja das Kyrie singen „und auch alles andere!“ Na bravo! Ich meine, kann er das nicht etwas früher sagen als gerade zwei Minuten vor der Messe? Berittene Boten, Brieftauben und Telegramme sind sämtlich abgeschafft, aber Telefone und E-Mail existieren noch.

Das Kyrie und das meiste von „allem anderen“ entpuppt sich übrigens als die von mir persönlich als scheußlich empfundene Florian-Messe (daß wir sie selten singen, macht es nicht besser). Während ich mir buchstäblich im Kopf einen Vers auf den Kirchenton für Antwortpsalm und Hallelujaruf zu machen versuche – sowas wie „Luja sog i“ gibts hier erfreulicherweise gar nicht – textet mich der Zelebrant über die Kelchkommunion zweier Kommunikanten zu. Also, da soll doch… .oO(Herr Pfarrer, das ist hochinformativ, tangiert mich aber grade wirklich nur peripher). Die Lesung hab ich mir auch noch nicht nochmal vorher angeschaut.

Wenigstens sind die Wege kurz, ich muß nur drauf achten, daß ich das richtige Buch und die Lesebrille jeweils dabeihabe. (Daß ich auch beim Agnus Dei vorsingen muß, fällt mir zur rechten Zeit ein – während der Predigt.) Dafür, mich innerlich vorher noch einmal ordentlich aufzuspulen, fehlt ebenfalls die Zeit, das ist wenigstens ein Vorteil! Draußen auf der Bank sitzt, wie sich später herausstellen wird, ein potentieller Lektor, in der Sakristei amtet der Küster seines Waltes, und während ich die Altarsäule umkurve wie ein Satellit, denkt mancher aus der Gemeinde vielleicht, schaut, wie sie alles an sich reißt! Zelebrieren werd ich jedenfalls nicht, da könnt ihr lange warten.

Ausgerechnet das einzige, was ich bei dieser Messe übrigens wirklich gern und vor allem angstfrei[1] gesungen hätte, krächzt der Zelebrant dann leidenschaftlich (und viel zu tief) selber: die Litanei zu Christus dem König. Schade, eine solche Gelegenheit ergibt sich bestimmt nicht so schnell wieder[2]. Macht nichts, kann ich mich zur Litanei hinknien und einfach nur lobpreisen.

Nach der Messe findet der Zelebrant: „Ging doch ganz gut“. Es ging übrigens wirklich ganz gut, wenn ich es nächstens vorher einmal durchsingen könnte, ginge es allerdings noch etwas besser. Solche Aktionen, bei denen mich Antwortpsalm und Vers zum Halleluja dann erstmalig auf dem Ambo angrinsen, werden mir nochmal zum Sargnagel. Andererseits, solange ich nicht auch noch die Orgel spielen soll – es gäbe beim Stoff, aus dem Panikattacken gemacht sind, sicherlich noch Steigerungsmöglichkeiten…

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[1] Sänge ich daneben, hinge mir kein Schild um den Hals „Ich kann überhaupt nichts dafür, aber es war zur höheren Ehre Gottes!“ Der, den ich vertreten habe, hat die Ruhe weg. Er singt einfach daneben, wenn ihm danach ist. Womöglich erwirbt man sich auch ein dickes Fell durch Übung.

[2] Ich wette, ich finde auch keine Andacht, in der ich die Litanei unterbringe, so daß ich doch einmal dazu komme.

Kommentare:

Frischer Wind hat gesagt…

Köstlich! Vielen Dank.

Braut des Lammes hat gesagt…

Es war mir ein Vergnügen... ;P Gottseidank kann man nachher immer drüber lachen. Währenddessen hatte ich auch schon ein Gaudium, als ich den Kehrvers für den Antwortpsalm in meiner Tonlage anstimmte und der Organist ihn etwas tiefer ansetzte.

Anonym hat gesagt…

Ach hätten wir heisere Zelebranten und stumme Kantoren ... der 1. Advent war so gar keine Messe, sondern DIE Gelegenheit für eifrige Kindergärtnerinnen, Grundschullehrerinnen, angespornte Kindergartenkinder, den sich immer unter Wert betrachtenden Organisten aus der Heiligen Messe eine Laienspielaufführung zu machen, in der der Zelebrant und Pfarrer fast ähnlich dem Weihnachtsmann zum freundlichen Gruße und Beiwerk degradiert wurde. Was gäbe ich darum schief singen zu dürfen ... ;-) So sind die Erlebnisse im Hause des Vaters von immer derselben Sehnsucht erfüllt : Nach Heiligkeit, Besinnlichkeit in der Wahrnehmung der Gegenwart Christi, des Sohnes, des WOrtes, Seines Wortes, das Fleisch geworden ist, das wir mit unseren Lippen und im Herzen lospreisen. In diesem Sinne eine gesegnete Adventszeit

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