Samstag, 26. November 2011

Gott, heilger Schöpfer aller Stern


Gott, heilger Schöpfer aller Stern,
erleucht uns, die wir sind so fern,
daß wir erkennen Jesus Christ,
der für uns Mensch geworden ist.

Denn es ging dir zu Herzen sehr,
da wir gefangen waren schwer
und sollten gar des Todes sein;
drum nahm er auf sich Schuld und Pein.

Da sich die Welt zum Abend wandt,
der Bräut'gam Christus ward gesandt.
Aus seiner Mutter Kämmerlein
ging er hervor als klarer Schein.

Gezeigt hat er sein groß Gewalt,
daß es in aller Welt erschallt,
sich beugen müssen alle Knie
im Himmel und auf Erden hie.

Wir bitten dich, o heilger Christ,
der du zukünftig Richter bist,
lehr uns zuvor dein' Willen tun
und an dem Glauben nehmen zu.

Lob, Preis sei, Vater, deiner Kraft
und deinem Sohn, der all Ding schafft,
dem heilgen Tröster auch zugleich
so hier wie dort im Himmelreich.

Der allererste Hymnus im Antiphonale, der Vesperhymnus Conditor alme siderum, den uns die Adventszeit schenkt, ist so wunderbar, daß mich in jedem Jahr die schiere Schönheit des Textes anrührt. Er gibt zugleich Programm und Ziel der ganzen Adventszeit vor: erleucht uns, die wir sind so fern. Die lateinische Orginalfassung nennt Christus das ewige Licht der Glaubenden – aeterna lux credentium – und den Erlöser aller, zu dem unsere Bitten flehentlich aufsteigen und der aus Liebe zu uns Mensch geworden ist am Abend dieser Welt. In der Vesper singen wir den Hymnus meist in der deutschen Fassung des römischen Stundenbuches. Am liebsten ist mir glaube ich, der Vers[1]
Da sich die Welt zum Abend wandt,
der Bräut'gam Christus ward gesandt.
Aus seiner Mutter Kämmerlein
ging er hervor als klarer Schein.
Der Hymnus nennt Gott den Schöpfer aller Stern, zugleich folge ich durch die Adventszeit hindurch dem Stern, der nach Bethlehem führt, zu Christus, der selbst Stern meines Lebens und Sterbens ist.

In seiner Enzyklika Spe salvi schreibt Papst Benedikt über die Suche nach dem Stern (unter Berufung auf den hl. Gregor von Nazianz):
In dem Augenblick, in dem die vom Stern geführten Magier den neuen König Christus anbeteten, war das Ende der Astrologie gekommen, da die Sterne jetzt die von Christus bestimmte Bahn laufen. In der Tat ist in dieser Szene das Weltbild von damals umgekehrt, das auf andere Weise auch heute wieder bestimmend ist. Nicht die Elemente des Kosmos, die Gesetze der Materie, herrschen letztlich über die Welt und über den Menschen, sondern ein persönlicher Gott herrscht über die Sterne, das heißt über das All; nicht die Gesetze der Materie und der Evolution sind die letzte Instanz, sondern Verstand, Wille, Liebe – eine Person. Und wenn wir diese Person kennen, sie uns kennt, dann ist wirklich die unerbittliche Macht der materiellen Ordnungen nicht mehr das Letzte; dann sind wir nicht Sklaven des Alls und seiner Gesetze, dann sind wir frei. Ein solches Bewußtsein hat die suchenden und lauteren Geister der Antike bestimmt. Der Himmel ist nicht leer. Das Leben ist nicht bloßes Produkt der Gesetze und des Zufalls der Materie, sondern in allem und zugleich über allem steht ein persönlicher Wille, steht Geist, der sich in Jesus als Liebe gezeigt hat.

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[1] Die gereimte deutsche Übersetzung dieses Verses gefällt mir mit dem „klaren Schein“ sehr gut. Noch Thomas Müntzer, auf den die deutsche Übersetzung im wesentlichen zurückgeht, dichtete allerdings getreu dem Original:
…auß seyner Mutter Kemerleyn, die Junckfraw blieb ganz zart und reyn.

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