Mittwoch, 30. November 2011

Das X markiert den Punkt – hl. Apostel Andreas

Ein Kreuz steht gleich am Eingang der Adventszeit: das charakteristische Kreuz des hl. Apostels Andreas.
Wer auf einer Karte oder in einem Diagramm einen Punkt markiert, macht ein Kreuz, durch dessen Schneidepunkt ein bestimmter Punkt exakt angegeben werden kann. Genauso machte es der Herr aller Dinge, als er den Menschen zum Paradies zurückführen und ihm die Frucht des ewigen Lebens geben wollte, errichtete er das Kreuz mitten auf der Erde und sprach: Hier werde ich Dir begegnen. Aller Menschheit hat er den genauen Ort unserer Erlöser enthüllt, in dem er sprach: „Hier, am Kreuz, werde ich dir begegnen!“[1]

Für den hl. Andreas ist das in mehr als einer Beziehung wahr geworden: er ist dem Herrn, dem er schon im Leben begegnen durfte, am auch Kreuz begegnet: er starb auf dieselbe Weise wie sein Erlöser und hat ihn so hat ihn in seinem Sterben gleichsam noch einmal umfangen. Daß der Apostel dies als großes Privileg ansieht, beweisen seine Worte: Gegrüßet seist du, Kreuz, das durch den Leib des Herrn und von seinen Gliedern wie mit Perlen geschmückt ist. Ehe er an dir hing, warst du voller Grausamkeit; nun aber bist du voll göttlicher Liebe und mir willkommen. Darum komme ich sicher und fröhlich zu dir, denn ich bin ein Jünger dessen, der an dir hing.

Für den Apostel Andreas kam die Berufung ganz unmittelbar – er gehörte zu denen, die sich um die Stimme des Rufers in der Wüste, den hl. Johannes den Täufer versammelt hatten. Als sie wieder einmal bei ihm waren, deutete der Täufer auf einen, der vorüberging, und sagte: „Seht das Lamm Gottes.“ Das Johannesevangelium berichtet, daß er Jesus augenblicklich folgte. Fasziniert von dieser Begegnung führte Andreas am Tag darauf seinen Bruder Simon zu Jesus. Wir wissen nicht, ob Andreas jünger oder älter war als Simon, den Jesus später den Felsen nennen wird. Was mag Jesus dazu bewogen haben, dem Petrus, dessen Schwächen wir besser kennen als die seines Bruders, die Kirche anzuvertrauen, und wie mag das für Andreas gewesen sein? Wir wissen es nicht; Jesus, der die Herzen der Menschen kennt, hatte sicherlich einen guten Grund. Sicher ist, daß wir dem Apostel Andreas die Berufung des Petrus verdanken – er, der Erstberufene, führte seinen Bruder selbst zu Christus. So ist der hl. Andreas der erste Menschenfischer, und die griechische Kirche nennt ihn als den Erstberufenen den „Protoklithos“.

Andreas folgte dem Herrn, als er durch das heilige Land zog, predigte und Wunder tat. Er war bei der Speisung der fünftausend dabei und beim letzten Abendmahl. Nach den Ereignissen am Tage der Himmelfahrt auf dem Ölberg erwähnen ihn die Evangelisten nicht mehr. Aus den Schriften der Kirchenväter ist uns überliefert, daß er nach dem Apostelkonzil zu den Skythen und von dort aus predigend durch Bithynien, Thrakien und Griechenland zog. Im Alter wurde er Bischof von Patras, wo ihm entweder im Jahre 60 oder 62 unter der Regierung des Kaisers Nero durch den Prokonsul Ageas der Prozeß gemacht wurde. Man verurteilte ihn dazu, gegeißelt und gekreuzigt zu werden, wie sein Meister. Vom Kreuz herab, an das man ihn mit Stricken band und obwohl er große Qualen gelitten haben muß, predigte er noch mehrere Tage lang. Wir verkünden Christus als den Gekreuzigten – der Apostel hat dies auch mit seinem eigenen Leib getan.
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[1] aus der Predigt eines unbekannten orthodoxen Einsiedlers, in meiner Übersetzung.
Bilder: Mosaik des Martyriums des Heiligen, Schädelreliquie des heiligen Apostels in Patras, wohin sie, nachdem sie seit 1460 in Rom gewesen war, 1964 an den Ort des Martyriums des Apostels zurückkehrte.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nur daß das Andreaskreuz kein X ist, sondern das griechische Chi, das X geschrieben wird.Das Chi sieht man häufig in orthodoxen Darstellungen zusammen mit dem P ( Rho) als Anfangsbuchstaben von Christus

Rosenrot hat gesagt…

Vielleicht klappts jetzt:
Danke für die schöne Zusammenfassung über das Leben des Hl. Apostels Andreas. Da ich an seinem Gedenktag geboren bin, ist er mir der liebste der Apostel.

Braut des Lammes hat gesagt…

Dann herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, liebe Mitschwester!
(Hattest du denn zuvor schon einen Kommentar ins Nirwana geschickt? Bei mir ist nur der eine angekommen)

@anonym - ja, nur hat der Buchstabe nunmal die Form, die er hat, daher das Wortspiel.

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