Dienstag, 1. November 2011

Blitzlichter zwischendurch: es ist alles relativ

Wenn ich – absichtslos – am einen Ort vom heiligen Meßopfer spreche, ernte ich leicht stiere Blicke. Wenn sich am anderen Ort jemand nach „Hochwürdigstem Herrn“ erkundigt, bin wiederum ich versucht, mit den Augen zu rollen (stattdessen antworte ich aber höflich und nett, daß Hochwürdigster Herr jetzt in Erfurt regiert). So ist eben alles relativ und hängt auch mit dem zusammen, was man als gewohnt empfindet.

Leicht amüsiert hat mich die gutgemeinte, aber doch einigermaßen entrüstet vorgetragene Beschwerde eines Kirchgängers letzten Sonntag: das fände er aber überhaupt nicht gut, daß die Ministranten bei uns auf dem bloßen Steinboden knien müßten. Erwiderungen dergestalt, daß ich es wesentlich angenehmer finde, auf einem Steinboden als auf einem dieser Folterbretter zu knien, halfen sämtlich nicht viel. Auch bleib ich jedenfalls nicht stehen, wenn ich irgendwie oder irgendwo knien kann – wirklich unangenehm kniet es sich eigentlich nur auf einem Kirchenheizungsrost oder aber im Kloster Dinklage. Erst als ich die Fußbodenheizung angeführt habe, die einem unter Umständen im Winter auf dem bloßen Steinboden sogar noch einen Vorteil verschafft, war für den besorgten Herrn wieder Frieden auf Erden. „Ja, wenn Sie das so sehen…“ (Wenn im kältesten Winter selten einmal die Fußbodenheizung an ist, denk ich übrigens manchmal, kann ich mich bitte prosternieren?) – Auf dem Bild oben ter pöse Steinpoden. Werft ihn zu Poden, ten Purchen!

Kommentare:

Klemens hat gesagt…

der hochwürdigste herr regiert würdig und recht hier in erfurt ;)

und ich würd mich hier in unserer kapelle auch oft lieber auf den boden (parkett, kein stein) knien, als auf die absolut un"gemütlichen" kniebänke unseres gestühls (eine mischung aus bank und stühlen...).

die knieende theologie wird meiner meinung nach viel zu sehr vernachlässigt... wir wollen immer alles wissen, aber in demut niederknien und staunen... welcher prof. macht das schon?

Braut des Lammes hat gesagt…

In Wahrheit ist es würdig und recht… ;)

Schade eigentlich, das mit dem Gestühl und den Professoren. Es gibt Momente, da muß man einfach knien (weil man es so empfindet, nicht, weil einen jemand dazu zwingt). Es ist ein Ausdruck höchster Freiheit. Insofern hatte auch der besorgte Herr nicht recht: die Ministranten müssen nicht auf dem Boden knien, sie wollen es.

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