Sonntag, 6. November 2011

32. Sonntag im Jahreskreis – die letzten Dinge

Das Kirchenjahr geht zu Ende und die Liturgie und das Leben der Kirche verweilen ebenfalls beim Ende – beim Ende des Lebens, der Welt, den letzten Dingen.

Die Bilder in dem Beitrag zu Allerheiligen sind Teil eines Altaraufsatzes, der sich heute im Museo di San Marco in Florenz befindet, und der die Auferstehung der Toten mit dem jüngsten Gericht darstellt. Oben sieht man die Retabel im Ganzen. Wie in den Darstellungen der Anastasis aus der byzantinischen Ikonographie ist der Auferstandene von einer Mandorla umgeben, die seine göttliche und seine menschliche Natur versinnbildlicht. Zur Linken und von Engeln geführt, der Zug der Heiligen und Seligen, von denen wir glauben, daß sie sich in der ewigen Anschauung Gottes befinden. Voll Freude schauen auch der hl. Dominikus und der hl. Thomas darauf. Im rechten Teil die Verdammten, die von Dämonen abwärts geführt werden. Die Szenerie über der Grube mit dem Teufel[1] erinnert an die Beschreibungen der Hölle aus Dantes Inferno.

Was sich nur dem unmittelbaren Betrachter offenbart, ist, daß das Strahlen und Leuchten dieses Bildes auch daher kommt, daß der Künstler Blattgold nur im himmlischen Teil des Aufsatzes verwendet, das heißt überall, außer in der Hölle. Als ich das Bild das erste Mal gesehen habe, fand ich das fast etwas ungerecht, bis mir aufging, daß es durchaus auch etwas mit mir zu tun hat, wo in dieser Szenerie ich mich beim Eintritt des jüngsten Gerichtes einmal befinden werde. Wenn mir vielleicht auch das Gefühl dafür, daß die Wiederkunft Christi unter Umständen gleich morgen abend sein könnte (ihr wißt weder Tag noch Stunde) zwischendurch manchmal auch etwas abhanden kommt bzw. ich leider nicht wirklich immer so lebe, als wenn das passieren könnte, so ist doch eines gewiß: eines Tages sterbe ich und will lieber nach links als nach rechts.

Die Lesungen des heutigen 32. Sonntags sprechen im Grunde alle von diesem Tag und den letzten Dingen. Die wunderbare Lesung aus dem Buch der Weisheit handelt eigentlich von Christus selbst, den findet, wer ihn sucht und der uns entgegengekommen ist, indem er Mensch wurde, uns gleich im Leben und Sterben. Der Apostel tröstet: Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen. Das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen läßt uns danach fragen, was wir brauchen, um uns am Tag der Wiederkunft des Bräutigams nicht mit Lampen ohne Öl und draußen vor der Tür zu finden. Der Antwortpsalm und seine wunderschöne Antiphon Meine Seele dürstet nach dir mein Gott sind Ausdruck tiefster Sehnsucht danach Gott zu schauen:
Gott, du mein Gott, dich suche ich,
meine Seele dürstet nach dir.
Nach dir schmachtet mein Leib
wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.
Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum,
um deine Macht und Herrlichkeit zu sehen.
Das ist es, glaube ich, was wir tun müssen, bis es soweit ist: Christus suchen, jeden neuen Tag.
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[1] Es hat mich übrigens einigermaßen überrascht, daß man den seelenverschlingenden Teufel in der Grube sogar
als Grußpostkarte verschicken kann. Mein lieber Schwan! Aber vielleicht hilfts, wenn man sich überlegt: möchte ich dem einmal begegnen? Nein, bestimmt nicht! Meine Absage an den Satan in der Osternacht kommt eigentlich immer sehr entschlossen.

1 Kommentar:

ichwesen hat gesagt…

November ist für mich immer ein besonderer Monat im Kirchenjahr. Es ist Ausdruck der Weisheit der Kirche, dass im letzten Monat der Verstorbenen gedacht wird. Mich berührt Allerseelen immer besonders, wenn ich den von roten Lichtern beleuchteten katholischen Friedhof meiner heimatstadt sehe. ich bin de rirche unglaublich dankbar, dass sie das Gedenken an die Verstorbenen, und an unsere eigene Sterblichkeit wachhält, obschon dies so wenig in unsere Zeit passen will.

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