Dienstag, 20. September 2011

Plasberg und der Winter des Mißvergnügens

Eigentlich bin ich kein großer Gucker von Talkshows – meist schlafe ich dabei ein, worüber das was aussagt, lasse ich dahingestellt – und zudem hatte ich mir vorgenommen, dem Winter meines Mißvergnügens nicht noch dadurch Vorschub zu leisten, daß ich mir die Kommentare der Mainstreammedien zum Papstbesuch antue. Wozu? Ich will mich über den Besuch des Heiligen Vaters freuen. Das möchte man überhaupt manchem chronischen Beschwerdeführer nahelegen: Mensch, nun freut euch doch mal (und wenn das nicht möglich ist, laßt uns doch wenigstens dabei zufrieden).

Gestern habe ich mir dann aber aller guter Vorsätze zum Trotz den Plasberg gegeben, obwohl ich beim Anblick Schmidt-Salomons schon drauf und dran war, von diesem Vorhaben gleich wieder abzulassen. Bruder Paulus dagegen sollte wirklich man öfter einladen, er wirkte kompetent, sicher und in sich ruhend.

Mit den aufgebrachten Diskussionsthemen war von vornherein zu rechnen, die werden bei kaum einem der in den nächsten Tagen gezeigten Beiträge anders sein.

Der Einspielfilm über den indischen Priester, der Pfarrer einer süddeutschen Gemeinde ist, war allerdings ein dermaßen an den Haaren herbeigezogenes „Beispiel“ (für was allerdings, darf man sich fragen? Weiht lieber alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, zum Priester, als daß ein Inder bei uns den Bayern predigt? Was für ein Unfug!), daß es einen grausen konnte. Wann wäre es in der Geschichte der Kirche je wichtig gewesen, mit welchem Akzent eine Predigt vorgetragen wird? Ich erinnere an die jesuitischen Missionare in Nordamerika, an die vielen polnischen Priester, die weltweit großen Einsatz zeigen, an ausländische Gastzelebranten wie auch solche die bei uns Urlaubsvertretungen übernehmen und uns zu Bewußtsein bringen, daß wir einer Weltkirche angehören. Nebenbei bemerkt: der Pfarrer hat inhaltlich völlig verständlich gesprochen, die Grammatik war auch korrekt, nur halt eben mit einem Akzent, in den man sich einhören kann. Wer in der letzten Reihe Schwierigkeiten hat, ihn noch zu verstehen – und schon solch maulige Leute waren ja für den Beitrag offenbar schwer aufzutreiben –, der soll sich doch einfach nächstens nach vorn setzen. Menschlich war das jedenfalls unter aller Kanone, und dafür ist der Moderator mit Recht von Br. Paulus gerügt worden. Begebenheiten wie diese machen aber deutlich, wie verlegen man offenbar auch um irgendeine Argumentation sein muß, sonst müßte man sich nicht entblöden, mit etwas derartigem anzukommen.

Auf die überaus schlichte und doch so zutreffende Idee, daß der Papst kommt, um zu tun, was seines Amtes ist, nämlich die Gläubigen zu stärken (nicht etwa, um den Ungläubigen Rechenschaft abzulegen), verfällt offenbar niemand.

Ich hoffe, mit dem Besuch wird es gehen wie bei Shakespeare:
Nun ward der Winter unsers Mißvergnügens
glorreicher Sommer durch die Sonne Yorks;
Die Wolken all, die unser Haus bedräut,
sind in des Weltmeers tiefem Schoß begraben.

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