Samstag, 17. September 2011

Hildegardis prophetissa…

Das Fest der hl. Hildegard gehört zu den Eigenfesten unseres Erzbistums. (Warum genau, weiß ich auch nicht, macht aber nichts.)

Mit der Vermarktung Hildegards als spirituell beseeltes Kräuterweiblein konnte ich gleichfalls noch nie etwas anfangen. Man wundert sich auch über diesen Zugang, denn es gibt so viel, was uns von der Heiligen erhalten geblieben ist, das Staunen macht. Etwa die Niederschrift ihrer Visionen und ihre Kompositionen, allen voran das wunderbare Singspiel Ordo virtutum, in dem die Tugenden um die menschliche Seele ringen. Eine Szene mit dem Teufel, der natürlich auch etwas zu sagen hat, hätte mich einmal leicht das Leben kosten können. (Ich putzte Fenster und bin, als der Teufel auf einmal losbrüllte, vor Schreck von der Fensterbank gefallen – Gottseidank nach drinnen, nicht nach draußen. Merke: Hildegard nicht beim Fensterputzen hören.)

Dieses Wandbild der Abtei St. Hildegard trägt die Inschrift Hildegardis prophetissa spiritus sancti splendoribus illustrata vias domini revelavit. Dies ist auch eine der Antiphonen zu ihrem Fest: Prophetin Hildegard, du warst vom Licht des Heiligen Geistes erleuchtet und hast die Heilswege des Herrn gewiesen. Der Glanz – der Splendor – des Geistes fällt auf die Heilige, die ihre Vision niederschreibt: Dic et scribe quod vides et audis.



Die Klosterkirche der Abtei St. Hildegard heute. Kirche und Chor
waren ursprünglich  über und über mit Wandmalereien im Beuroner Stil
bedeckt, die leider teilweise in den sechziger Jahren übertüncht wurden.
Unten in den Bögen die noch erhaltenen Szenen aus dem Leben der Heiligen.

Hildegard von Bingen, die ursprünglich Schülerin der Einsiedlerin Jutta von Sponheim war, gründete im Mittelalter zwei Klöster, von denen eines (mit Unterbrechungen) immer noch besteht: Rupertsberg und Eibingen. Zwar hat die 1904 errichtete und von Benediktinerinnen der Abtei St. Gabriel besiedelte neoromanische Abtei in Eibingen mit dem Kloster Hildegards nur den Ort gemein, der Blick dürfte aber derselbe sein.

Hier kann man sich die wunderbare Sequenz O dulcis divinitas aus dem Ordo virtutum anhören. Rechts eine Illustration aus Hildegards Liber scivias (die sieben Gaben des Hl. Geistes).

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...