Mittwoch, 28. September 2011

Fürbitten am Gedenktag des hl. Vinzenz

Die Fürbitten in den Gemeindemessen sind ein dankbares Thema, mir fällt dazu jedenfalls immer viel ein, vielleicht, weil mir die Fürbitten am Herzen liegen. Ein paar Überlegungen möchte ich sukzessive einstellen.

In den Abendmessen verwenden wir die Fürbitten, die das Schott-Meßbuch vorschlägt und ergänzen auch durch aktuelle Anliegen. Wenn ich sie selbst vorlese, versuche ich, das möglichst würdig und ohne viele Schnörkel zu tun, wenn ein anderer vorliest, höre ich gut zu und freue mich an Augenblicken der Stille, die die Fürbitten zwischen der vorgetragenen Bitte und der Antwort der Gemeinde ja auch vorsehen. Aus der Kindheit habe ich den wöchentlich wiederkehrenden Moment, in dem der Pfarrer vor dem Vaterunser die Worte sprach: „Alle Anliegen, die wir sonst noch in unserem Herzen haben, tragen wir in der Stille vor Gott“ noch gut in Erinnerung. Die Stille, die folgte, war wirklich einigermaßen lang und gut dazu geeignet, das zu bedenken, was man im Herzen trägt. Ich habe diesen Moment immer als sehr friedvoll empfunden.

Die Entscheidung für die Bitten aus dem Schott halte ich für eine gute Wahl; wirklich schön finde ich die Fürbitten aus dem römischen Stundenbuch, auch die nimmt mancher Zelebrant gelegentlich, jubilate.

Etwas erstaunt bin ich über die Schott-Fürbitten zwischendurch immer mal wieder an Gedenktagen Heiliger, die man assoziativ mit bestimmten Berufungen in Verbindung bringt (etwa, weil sie dieser Berufung selbst gefolgt sind); vor allem an Gedenktagen heiliger Ordensstifter, so wie etwa gestern. Der hl. Vinzenz und die hl. Louise von Marillac haben eine der größten Ordensgemeinschaften für Frauen gestiftet, die Vinzentinerinnen (eigentlich: Orden der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul). Gerade für diese sieht das Meßbuch am Gedenktag des hl. Vinzenz aber keine eigene Fürbitte vor. Da wir von den Schott-Fürbitten eine ältere und eine etwas neuere Ausgabe haben: ich habe mir beide Versionen angesehen. Es wird – sehr schön – für die Priester gebetet, für die Seelsorger und die Armen und Kranken. Die neuere Version setzt sinngemäß „alle, die in der Krankenpflege tätig sind“ als erste Fürbitte ein. Für die vielen Ordensfrauen, die überall auf der Welt in den Gemeinschaften des hl. Vinzenz dienen, beten wir dagegen eher nicht, jedenfalls nicht laut und als Gemeinschaft der Gläubigen.

Man verstehe mich recht, natürlich ist es würdig und recht, für die Priester, Seelsorger und die zu beten, für die ihnen anvertraut sind. Warum aber hier nicht auch für die Ordensleute, zu denen der Tagesheilige in so hervorragender Weise in Beziehung steht? (Am Gedenktag der hl. Teresa erhielt ich von einem, der um jede Silbe einzeln gefragt werden muß, auf die Frage, ob wir nicht für die Karmelitinnen beten könnten – für die Karmeliten hätte ich selbstverständlich auch gebetet –, die Antwort: „Nein, die sollen für uns beten!“, eine Antwort, die ich wirklich als dumm empfunden habe, tut mir leid). Wieviele Gläubige mögen Grund haben, in Dankbarkeit an das zu denken, was Ordensfrauen für ihn selbst oder für seine Angehörigen getan haben?

Zum anderen: Was sagt das aus, wenn die Kirche selbst ihrer Stände und Gemeinschaften im Gebet nicht mehr gedenkt bzw. sie in den Fürbitten nicht mehr aufzutauchen scheinen? Kommt das Thema Berufung in unseren Gottesdiensten noch vor? Auch gepredigt wird darüber denkbar selten; gestern aber doch, der Weihbischof em. hält sehr schöne und ausführliche Predigten über Heilige.

Zu einer frei formulierten Fürbitte sind die Vinzentinerinnen gestern doch gekommen: daß Gott sie und ihr Wirken segnen möge und immer wieder Frauen freudig dem Ruf zur Nachfolge in diesen Orden folgen.
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Bild: Fürbitte vor dem Kreuz in der Stille – Karmelitin im Gebet

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