Dienstag, 27. September 2011

Die Herzen Jesu und Mariens – zur Predigt in Etzelsbach

Wirklich schade fände ich es, wenn die wunderbare Betrachtung, die der hl. Vater bei der marianischen Vesper in Etzelsbach gehalten hat, in der Reminiszenz untergehen würde, zumal sogar Fr. Mark von Vultus Christi sie in voller Länge wiedergegeben hat.

Ich zögere, einen Teil dieser Betrachtung herauszugreifen, sie ist eine Gesamtkomposition. Mir hat vor allem das gefallen, was Papst Benedikt bei der unmittelbaren Betrachtung des Etzelsbacher Gnadenbildes über die Herzen Mariens und Christi gesagt hat. Dieses Gnadenbild hat ein Bauer beim Pflügen auf seinem Feld gefunden, der der Überlieferung zufolge seit dem Bauernkrieg 1525 dort vergraben war, um es vor Plünderungen zu schützen. Beim Auftreten einer Pferdeseuche erinnerte man sich an die Wallfahrt vom das Gnadenbild, und führte die erkrankten Tiere dorthin. Die Heilung der Pferde ist die erste, die vom wundertätigen Gnadenbild berichtet wird.

Ungewöhnlich für eine Pietá ist, daß die Muttergottes den Blick direkt auf den Betrachter zur richten scheint. Ihr alle, die ihr vorübergeht, gebt acht, und schaut, ob ein Schmerz dem meinen gleicht.

Schauen wir ihr Bildnis an! Eine Frau mittleren Alters mit schweren Augenlidern vom vielen Weinen, den Blick zugleich versonnen in die Ferne gerichtet, als bewegte sie alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Auf ihrem Schoß liegt der Leichnam des Sohnes, sie faßt ihn behutsam und liebevoll, wie eine kostbare Gabe. Wir sehen die Spuren der Kreuzigung auf seinem entblößten Leib. Der linke Arm des Toten weist senkrecht nach unten. Vielleicht war die Skulptur der Pietà, wie oft üblich, ursprünglich über einem Altar aufgestellt. Der Gekreuzigte weist so mit seinem ausgestreckten Arm auf das Geschehen auf dem Altar hin, wo das heilige Opfer, das er vollbracht hat, in der Eucharistie Gegenwart wird.

Eine Besonderheit des Gnadenbilds von Etzelsbach ist die Lage des Gekreuzigten. Bei den meisten Pietà-Darstellungen liegt der tote Jesus mit dem Kopf nach links. Der Betrachter kann so die Seitenwunde des Gekreuzigten sehen. Hier in Etzelsbach jedoch ist die Seitenwunde verdeckt, weil der Leichnam gerade nach der anderen Seite ausgerichtet ist. Mir scheint, daß sich in dieser Darstellung eine tiefe Bedeutung verbirgt, die sich erst in ruhiger Betrachtung erschließt: Im Etzelsbacher Gnadenbild sind die Herzen Jesu und seiner Mutter einander zugewandt; die Herzen kommen einander nahe. Sie tauschen einander ihre Liebe aus. Wir wissen, daß das Herz auch das Organ der tiefsten Sensibilität für den anderen wie des innigsten Mitgefühls ist. Im Herzen Marias ist Platz für die Liebe, die ihr göttlicher Sohn der Welt schenken will.

Die Marienverehrung konzentriert sich auf die Betrachtung der Beziehung zwischen der Mutter und ihrem göttlichen Sohn. Die Gläubigen haben betend, leidend, dankend und freudig immer wieder neue Aspekte und Attribute gefunden, die uns dieses Geheimnis besser erschließen können, zum Beispiel im Bild des Unbefleckten Herzens Marias als Symbol der tiefen und der vorbehaltlosen Einheit der Liebe mit Christus. Nicht die Selbstverwirklichung, das sich selber Haben- und Machen-Wollen schafft die wahre Entfaltung des Menschen, wie es heute als Leitbild modernen Lebens propagiert wird, das leicht zu einem verfeinerten Egoismus umschlägt. Vielmehr ist es die Haltung der Hingabe, des sich Weggebens, die auf das Herz Marias und damit auf das Herz Christi ausgerichtet ist und auf den Nächsten ausgerichtet ist und so uns erst uns selber finden läßt.
(aus der Ansprache Papst Benedikts am Pilgerfeld in Etzelsbach, in voller Länge nachzulesen hier)

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