Donnerstag, 29. September 2011

Die Erschaffung der Engel


Wenn ich über Beiträge wie diesen stolpere, bin ich fasziniert, worüber sich Leute schon Gedanken gemacht haben und was mir einfach noch nie in den Sinn gekommen ist (weshalb wahrscheinlich diese Leute Kirchenväter und Philosophen sind und ich nicht).

Taylor Marshall gibt unter Hernahme des hl. Augustinus ein paar kurze Antworten zur Erschaffung der Engel. Die Fragen lauten: wann wurden die Engel erschaffen und wann wurde Luzifer gestürzt?

Die Schöpfungsberichte nennen die Erschaffung des Lichtes, des Wassers, der Erde und was auf ihr wächst, der Gestirne, Fische und Vögel, der Kriechtiere und der Tiere des Feldes und der Menschen. Am siebten Tag ruhte Gott. Wie passen also da jetzt die Engel hinein? Wie gesagt, solche Gedankengänge können ganz interessant sein und man kann ja mal überlegen. Offenbar ist die Frage nicht neu, denn der hl. Augustinus[1] hat dazu ausgeführt:
Da also mit Himmel und Erde der Anfang gemacht wurde und die Erde, wie die Heilige Schrift weiter erzählt, zunächst nach ihrer Erschaffung unsichtbar und ungeordnet war und vor Erschaffung des Lichtes natürlich „Finsternis schwebte über dem Abgrund“, das ist über einer Art unausgeschiedener Vermengung von Erde und Wasser [wo kein Licht ist, muß Finsternis herrschen] und danach alles durch Schöpfungsakte geordnet wurde, was nach dem Bericht in einer Folge von sechs Tagen zum Abschluß kam, wie sollten da die Engel unerwähnt geblieben sein, als gehörten sie nicht zu den Werken Gottes, von denen er am siebenten Tage ruhte?
Darauf gibt Augustinus die folgende Antwort:
Indem nämlich Gott sprach: „Es werde Licht“ und das Licht entstand, sind die Engel, wofern man mit Recht bei diesem Licht an ihre Erschaffung denkt, in der Tat des ewigen Lichtes teilhaftig geworden, das nichts anderes ist als die unwandelbare Weisheit Gottes, durch die alles erschaffen worden ist und die wir den eingeborenen Sohn Gottes nennen; sie sind also, erleuchtet durch dasselbe Licht, durch das sie erschaffen worden, Licht geworden und werden als Tag bezeichnet auf Grund der Teilnahme am unwandelbaren Licht und Tag, das ist am Worte Gottes, durch das sie selbst und alle übrigen Wesen erschaffen sind.
Mit den Worten Es werde Licht! wurden also die Engel ins Dasein gerufen, was eine Antwort auf den Einwand, wie es vor der Erschaffung der Gestirne Licht hätte geben können, darstellt – das Licht ging von den Engeln aus.

Und wann verloren Luzifer und seine Engel die göttliche Gnade? Hierauf antwortet der hl. Augustinus damit, daß auch dies am ersten Tag geschah. Dies ist es, was das Wort Gott schied das Licht von der Finsternis und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht bedeutet.

Später im Kapitel 19 schreibt der hl. Augustinus:
Zwischen jenem Licht dagegen, das die heilige Genossenschaft der Engel vorstellt, die da leuchtet im Lichte der Wahrheit auf eine nur dem Geistesauge erkennbare Weise, und der ihr entgegengesetzten Finsternis, das ist den umdüsterten Geistern der vom Licht der Gerechtigkeit abgewandten bösen Engel, konnte nur der die Scheidung vornehmen, dem auch das künftige, nicht in der Natur, sondern im Willen begründete Böse nicht verborgen oder ungewiß sein konnte.
Also erfolgte die Erschaffung der Engel (Licht) und der Sturz Luzifers (Scheidung des Lichtes von der Finsternis) am ersten Schöpfungstag.

Heiliger Michael und alle Engel, bittet für uns.

______
[1] Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat. 11. Buch
Bild: russische Ikone der Erschaffung der Welt. Wer zweimal klickt, sieht viel mehr.

Kommentare:

Frischer Wind hat gesagt…

Vielen Dank für die interessanten Augustinus-Zitate.
Wirklich bemerkenswert (im wahrsten Sinne des Wortes)
.
Gruß
Frischer Wind

lauda hat gesagt…

Ich dachte immer, bin aber auch kein Kirchenlehrer :), der Aufstand & Sturz der Engel kam nach der Erschaffung des Menschen

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