Samstag, 24. September 2011

Der Himmel über Berlin – Papst Benedikt im Olympiastadion

(Ich komme nicht so zum Bloggen, weil ich mir natürlich lieber die Stationen des Besuchs des Heiligen Vaters live bzw. im Fernsehen anschaue und auch das schöne Herbstwetter verlockt natürlich. Bevor die Eindrücke sich allerdings gegenseitig überlagern, verblogge ich sie sukzessive lieber doch.)

Der Gottesdienst mit dem Heiligen Vater im Olympiastadion war wirklich wunderbar und bewegend. Nicht ganz hindernisfrei war der Einlaß, weil meine Brotdose und die Getränkeflasche bei der Taschenkontrolle beanstandet und an die Garderobe verbannt wurden. (Nicht, daß man das nicht vorher hätte vermuten können – aber ich mußte ja unbedingt mit dem Kopf durch die Wand). Immerhin durfte ich im Gegensatz zu anderen meinen Minirucksack behalten. Das war auch gut so, wenn ich an die lange Schlange und einige Szenen an der Garderobe bei der Wiederabholung der Habseligkeiten denke. Jedenfalls waren die Helfer vor Ort ausgesprochen freundliche Menschen. Warum ein Metalldetektor am Eingang sich partout nicht davon abbringen ließ, die Kastanie in meiner linken Jackentasche müsse aus Metall sein, bleibt ein Mysterium. (Nein, der Reißverschluß der Jacke wars nicht und auch nichts anderes kam in Frage. Die eiserne Jungfrau wahrscheinlich…) Aber das war alles überhaupt nichts im Hinblick auf die große Freude, Papst Benedikt bei uns haben und mit ihm die Heilige Messe feiern zu dürfen.

Das Leuchtzeichen am Frankfurter Tor kündet es von fern
Berlin im Zeichen des Kreuzes – abgeklebte Deckel…
…und das Kreuz der Altarinsel im Gegenlicht
Nach dem Ankommen hatten wir noch Zeit, ein wenig zu bedauern, daß wir so früh dran waren (ich hatte die Situation auf der U-Bahn dramatischer eingeschätzt), denn das Vorprogramm war eher nicht unser Geschmack, jedenfalls, was die Musik betrifft. Dafür hatten wir ausgiebig Zeit, hier und dort auf dem nahen Feld Interessantes zu erspähen, zum Beispiel diese drei Karmelitinnen (woher?). Lustig der Moment, als das Feld – inklusive Karmelitinnen – blitzschnell unter Regencapes verschwand. Interessant auch das Geräusch, das das Stadion macht, wenn viele Menschen zugleich aufstehen. Wiederum war in anderen Momenten erstaunlich und berührend, wie still es in einem Stadion mit so vielen Menschen werden konnte.




Vor allem war die Stimmung rund um den Gottesdienst einfach so schön: man hat gemerkt, mit welch großer Freude die Menschen dabei waren. Morgens hat mir schon meine Bäckerin viel Vergnügen gewünscht; spät in der Nacht, auf der Heimfahrt von der Anbetung, hat man in Berlin noch überall Pilger getroffen, sogar an meiner Haltestelle mitten in Rixdorf ist eine Schulklasse mit den roten Bändern für die Eintrittskarten ausgestiegen. Pünktlich zur Landung des Papstes haben die Glocken des nahegelegenen St. Clara übrigens fast eine Viertelstunde geläutet, das war schon toll.

Einer der wunderbarsten Momente war sicherlich die Rundfahrt auf der blauen Laufbahn mit dem Papamobil. War das eine Freude! Ich glaube, daß viele auch Freudentränen in den Augen hatten. Daß sich die Menschen dazu wie ein Mann erhoben haben und die Stimmung, die dabei herrschte, hat sogar die säkulare Presse beeindruckt. Wegen der vielen Blitzlichter im Stadionrund hatte die Rundfahrt auch etwas leicht Weihnachtliches. Hier beim Video des Domradios hat man einen Eindruck).

Immer wieder wurden dem Heiligen Vaters Babies durchs Fenster gereicht, damit er sie segnen möge. Die liebevolle Art, wie er das macht und die Freude, die ihm das sichtlich bereitet, ist sehr berührend.

Papst Benedikt segnet ein etwas verdutzt dreinschauendes Baby
„Der Blick in das weite Rund des Olympiastadions, das ihr
 in so großer Zahl heute füllt, weckt in mir große Freude und Zuversicht.“
(Papst Benedikt an die Gläubigen)
Bewegend: Erzbischof Woelki begrüßt den Heiligen Vater
und heißt ihn herzlich willkommen: „Heiliger Vater, Sie sind
gekommen als guter Hirte, als Zeuge der Liebe Gottes,  aber auch
auch als Botschafter der Wahrheit, die Jesus Christus selber ist.
Was Jesus einst zu Petrus gesagt hat, das erbitten wir jetzt auch
 in dieser Stunde von Ihnen: Du aber stärke deine Brüder; denn
nur wo Gott ist, da ist Zukunft – und eine andere haben wir nicht.“
Der zweite Höhepunkt war für mich die Predigt des Heiligen Vaters mit dem schönen Bild des Weinstocks und den Reben. In Christus bleiben heißt, auch in der Kirche bleiben. Schon den Heiligen Vater in seiner ruhigen und verinnerlichten Art predigen zu hören, macht mich ruhig und geduldig.

Das mit dem Knien zur Konsekration haben wir auch geschafft, alles schön. Etwas schwierig wurde es dann beim Kommunionempfang, aber da ich mir das an solchem Ort schon entsprechend vorgestellt hatte, wars nicht weiter überraschend. Es ist mir immerhin gelungen, nach einer Danksagung, zu der ich mich völlig ungestört in eine der leeren Reihen knien konnte, wieder zu meinem Platz und vor allem meinen Freunden zurückzukommen. Nachdem es zuerst schwierig war, überhaupt einen Kommunionspender zu erreichen, hätte ich auf dem Rückweg gleich noch mindestens fünfmal kommunizieren können (Verzeihung!).

Nach dem Gottesdienst gab es dann noch sehr fröhliche Begegnungen um das Stadion herum und auf der U-Bahn. Der unbekannte Heiligenkreuzer Mönch, mit dem ich mich so nett unterhalten habe, sei hiermit gegrüßt. Ein kleines Bloggertreffen gab es am Stand des Domradios (Thomas hatte dazu sogar eigens [s]einen Miniaturdrachen mitgebracht.) Einige Blogger, die nur mal ein Crêpe essen gehen wollten, haben wir irgendwie leider nicht wiedergefunden und uns stattdessen in das Abenteuer der Garderobenriesenschlange gestürzt.

In mehreren Kirchen wurde nachts noch angebetet, das war ein guter und ruhiger Ausklang dieses aufregenden Tages. Mit dem sakramentalen Segen zu Bett entlassen werden, ist denkbar schön. Spät bzw. früh am nächsten Tag fuhr mein Bus am Südstern vorbei, wo ich einen kurzen Blick auf die apostolische Nuntiatur werfen konnte – gesegnete Ruhe ringsum – und dachte, da schläft er jetzt hoffentlich in Frieden. Dafür haben Berliner überall in der Stadt in dieser Nacht gebetet.

Kommentare:

Yon hat gesagt…

Na, die Crêpe-essenden Blogger hast Du doch später bei der Anbetung wiedergefunden! :)

Johannes hat gesagt…

Jedenfalls hab ich in Berlin mehr Bloger getroffen, als ich auf meiner Blogroll habe. Irgendwie blöd. Aber das läßt sich ja ändern. Schade, daß wir euch durch den CrêpeDerSpaltung verloren haben. Sicher ein Werk dessen, dessen NamenNiemalsGenanntWerdenDarf.

Braut des Lammes hat gesagt…

Etwa er hier?
Er, dessen Name nicht genannt wird…
:P

Stanislaus hat gesagt…

Sag mal, warum hat Benedikt denn nun ein anderes Meßgewand angezogen als das, was ihm eigens dafür genäht worden war?

Braut des Lammes hat gesagt…

Das hatte ich mich zwischendurch auch gefragt. Vielleicht mochte er den Rollkragen nicht? Ich frage jemanden, der es wissen muß.

Dismas hat gesagt…

die Karmelitterinnen sind aus Hannover

Braut des Lammes hat gesagt…

Ah, danke. Ich hatte Köln vermutet.

Braut des Lammes hat gesagt…

@Stanislaus: Das Bistumsgewand war ausgelegt, es wurde aber vom Zeremoniar ein mitgebrachtes bevorzugt. Das insofern schade, als wir jetzt in der Kathedrale nicht sagen können, das ist das Meßgewand, das seinerzeit Papst Benedikt getragen hat.

Stanislaus hat gesagt…

Über Geschmack läßt sich ja trefflich streiten. Aber es ist schon eine ziemliche Klatsche für die, die das Gewand gestickt haben, wenn es dann doch verschmäht wird. Da hätte ich an Marinis Stelle eher das Hochgebet in lateinischer Sprache auch in Freiburg durchgesetzt (gleiches Recht/gleiche Pflicht für alle!).

Braut des Lammes hat gesagt…

Bezüglich des Meßgewandes: Zustimmung. Wegen des lateinischen Hochgebets war ich einigermaßen verwundert, als im Vorprogramm davon die Rede war, bei der Reise hätten zwei Stationen das lateinische Hochgebet "abgekriegt". Auweia.

(Mir persönlich ist deutsch oder lateinisch genauso recht, ich wünschte nur, sie hätten das Lateinische während des ganzen Ordinariums durchgehalten, vielleicht auch, was die Auswahl der Gesänge betrifft. Die Erfurter haben hier meiner unmaßgeblichen Meinung nach, den besseren Griff getan.

Stanislaus hat gesagt…

Ja, daran müssen "die Deutschen" sich erstmal wieder gewöhnen. Warten wir mal ab, ob immer noch so gemault wird, wenn der nächste Papst aus Lateinamerika oder Afrika kommt und kein Wort Deutsch spricht. Da sind wir die letzten Jahrzehnte ordentlich verwöhnt worden.

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