Samstag, 10. September 2011

Das tägliche Brot


Zu den Fragen, die der Bischof vor der Weihe an die Consecranda richtet, gehört:
Bist du bereit, dein Leben in der Nachfolge Christi, zu der das Evangelium aufruft, als ein Zeugnis der Liebe zu leben und als ein Zeichen des kommenden Reiches Gottes?
Meines Erachtens beinhaltet dies wie auch das Versprechen, dem Herrn und seiner Kirche zu dienen, auch das der evangelischen Armut. Womöglich ist das aber auch eine Sache der jeweiligen Charismen, jedenfalls versuche ich, einen möglichst schlichten Lebensstil zu führen, was derzeit allerdings nicht nur auf purer Heiligmäßigkeit und meinem Charisma beruht, sondern einfach notwenig ist. Wie ich sehe, geht es anderen genauso, etwa Pithless thoughts, der hier davon berichtet, wie er nach mehr als vierzig Jahren, in denen er fast nur mit Bluejeans und T-Shirts auskam, eine Minimalgarderobe für den beruflichen Umstieg erstanden hat.

Die Kirche listet unter die Voraussetzungen, die eine Kandidatin für die Weihe erfüllen soll, die Fähigkeit zur Ausübung eines Berufes, der ihr die nötige finanzielle Unabhängigkeit für einen würdigen Lebensunterhalt ermöglicht (der Gedanke, was wohl ein „würdiger“ Lebensunterhalt sein mag bzw. ab wann und nach welchen Kriterien ein Lebensunterhalt nicht mehr „würdig“ wäre, hat mich zugegebenermaßen vor der Weihe beschäftigt. Säulenheilige könnte ich scheints nicht werden.)

Es ist erstaunlich, wie wenig man letztendlich eigentlich braucht, um ein schlichtes Leben zu führen, das so weit wie möglich dem Rat der evangelischen Armut entspricht. Im Grunde braucht man letztlich nicht viel mehr als eine Unterkunft und die nötigsten Lebensmittel. Gleich mehrmals täglich bitten wir Gott im Vaterunser: Gib uns unser täglich Brot. Viel mehr braucht es tatsächlich nicht. Wenn man daran denkt, wieviele nicht einmal das haben, wird man schnell ganz klein mit seinen Beschwernissen.

Mit wenig Geld auskommen müssen sicherlich viele Leute, und ich kann es eigentlich ganz gut. Man braucht tatsächlich nur einen Mantel, und mein Paar braune Sandalen hat schon vor einigen Jahren sein silbernes Jubiläum gefeiert. In dieser Zeit mußte nur einmal ein Loch in der Sohle ausgebessert und ein Riemen geflickt werden (der Hersteller Ganter bietet eigens dafür einen Sonderservice). Diese Sandalen mag ich besonders gern, weil ich damit mehrere Pilgerreisen gemacht und somit mit ihnen über die Böden vieler heiliger Orte gegangen bin. Begrabts mich darin.

Bei Kleidern kann man überhaupt eine Menge sparen, wenn man bei Neuanschaffungen solche kauft, die von guter Qualität und daher möglichst langlebig sind. Bei Schuhen wiederum findet man manchmal spottbillig Paare, die einfach nur „aus der vorigen Saison“ sind. (So jedenfalls lautete die Begründung, als ich mich erkundigte, warum ein Paar Stiefelchen auf 10 Euro heruntergesetzt war. In den Augen mancher Verkäuferinnen scheinen Schuhe „aus der vorigen Saison“ ein unverzeihliches Verbrechen.) Das billigste Paar Schuhe, das ich im Leben gekauft habe, hat sage und schreibe drei Euro gekostet – ein Paar Ballerinas aus Tuch mit Erdbeermuster, die genausogut Converse-Schuhe hätten sein können und die ich mehrere Sommer getragen habe, bis irgendwann die Sohlen durch waren.

Irgendwann kann man dann allerdings tatsächlich fast nur noch an den Lebensmitteln sparen. Geht aber auch ganz gut und fordert auch den sportlichen Ehrgeiz heraus. Obst und Gemüse braucht es natürlich, denn die Geschichte mit dem Zahnarzt, der vor Jahren meine Behandlung erst einmal hinausschob, weil ich wegen der etwas einseitigen, aber kostengünstigen Diät aus Ravioli und Ketchupbroten Skorbut bekommen hatte, soll sich schließlich nicht wiederholen). Neulich habe ich übrigens an der Straße zwei köstliche Melonen gefunden. Du tust deine milde Hand auf…

Im Supermarkt gibt es im Kühlregal jeweils die Ecke mit den Dingen, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum demnächst abläuft (was in den wenigsten Fällen bedeutet, daß diese Sachen dann schlecht sind. Das Gesetz verbietet dem Händler nur einfach, sie weiterhin anzubieten. Den Sachen, die zu diesem Zeitpunkt bereits schlecht sind oder es wenigstens in einer Minute sein werden, sieht man es deutlich an.) Grundsätzlich versuche ich, möglichst viel dort zu finden; letztens habe ich da sogar eine ganze Salami für 50 Cent aufgetan. Abends sind oft die Preise für Obst und Gemüse drastisch runtergesetzt, der Rekord hier: ein Bund Radieschen für 9 Cent. Jeweils möglichst das Günstigste zu kaufen, gibt dem Speiseplan eine gewisse Spannung (weil man vorher oft nicht weiß, was es sein wird) und zugleich etwas angenehm Abwechslungsreiches – ansonsten würde ich wahrscheinlich immer das gleiche essen.

Für Brot nutze ich mit einer gewissen spielerischen Begeisterung Rabattkarten meines Bäckers: ein ganzes Brot gibt zwei Stempel, ein halbes einen. Ist die Karte voll, gibts ein Brot umsonst. Zusätzlich punkten kann man noch, wenn man die Brotsorte kauft, die gerade das Angebot des Tages ist.

Das ist jetzt nicht so die hochtheologische Konklusion, sondern eher das Blitzlicht zwischendurch. Wichtig ist mir irgendwie, daß ich diesen Lebensstil, wenn man ihn so nennen mag, mit Liebe lebe und fülle, weil ich weiß, warum.

Kommentare:

Rosenrot hat gesagt…

Guter Artikel.
Zu den Schuhen sei gesagt: ich habe sehr kleine Füße (34-35) und hasse es, neue Schuhe zu kaufen. Ich habe ein Paar, das ich bereits 1995 zu damals etwas über ATS 1.000,- gekauft habe von HÖGL, aber sie existieren heute noch und ich laufe im Sommer täglich damit. Da geht nix über Qualität; mit Billigschuhen hab ich nur schlechte Erfahrungen gemacht (einmal musste ich in Wien barfuss nach dem Kino heimlaufen, weil sie solche Blasen verursachten *gg*).
Diese Angebote von Brot/Gemüse/Obst abends gibts bei uns am Land überhaupt nicht; lieber werfen sie es am nächsten Tag weg, bevor sie es abends billiger anbieten, weil sie Angst haben, dass die Leute dann nur abends kommen.

jos.m.betle hat gesagt…

Diesen Text kann ich nur unterstreichen. Das Gelübde der Armut wird heutzutage ganz gerne "abgelegt", weil man ja soviel einfach zum Leben braucht (hier denke ich auch an Orden und Ordensleute). Es gibt wirklich sehr viele Menschen, die mit sehr wenig auskommen (müssen) und sich nicht ARM nennen würden.

Braut des Lammes hat gesagt…

Rosenrot – schade, und wenn man den Händler bzw. Bäcker direkt anspricht? Er kann ja kein Interesse haben, ewas wegzuwerfen, für das er eventuell noch Geld bekommt.

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