Sonntag, 4. September 2011

Am Freitag bring ein Opfer – das Freitagsgebot


Daß das vierte Kirchengebot im neuen Youcat unvollständig bzw. etwas irreführend wiedergegeben ist, finde ich ein wenig schade. So steht unter Nr. 345 als viertes Kirchengebot: „Einhaltung der Fast- und Abstinenztage (Aschermittwoch und Karfreitag).“ Tatsächlich heißt es aber darüber hinaus: „Am Freitag bring ein Opfer“ (so regelt etwa das Kirchenrecht, daß alle Freitage, die nicht auf ein Hochfest fallen, für die Gläubigen als Bußtage gelten).

Davon geht die Welt zwar nicht unter und von überragender theologischer Bedeutung ist es meiner Ansicht nach auch nicht, immerhin, es ist ein Nachschlagewerk mit dem Anspruch „ihr müßt euren Glauben kennen“, da wäre es schon erstrebenswert, wenn man das bei der nächsten Auflage korrigieren könnte. Nicht, daß noch jemand auf die Idee kommt, der altehrwürdige Brauch, an jedem Freitag ein Opfer zu bringen, wäre abgeschafft; zumal im Frühjahr die englische und walisische Bischofskonferenz das Abstinenzgebot[1] an diesem Wochentag wieder verpflichtend für die Gläubigen gemacht hat. Im Frühjahr angekündigt, tritt es jetzt in Kraft – ein scheinbar kleines Zeichen und doch zugleich schön und eines der Einheit mit der Weltkirche. Das Fleisch aller Fleische hing an diesem Tag am Kreuz – wieso da nicht wenigstens einmal in der Woche auf das Fleisch verzichten?[2]

Indem wir am Freitag ein so kleines Opfer bringen, vereinen wir uns mit dem leidenden Christus, umfangen ihn, der für uns sein eigenes Leben gegeben hat. Und obwohl das Opfer so unendlich klein ist und völlig im Verborgenen dargebracht werden kann, bin ich überzeugt, daß er es sieht, daß es eine Bedeutung hat.

Auf seinem Blog The gospel in the digital age hat Erzbischof Timothy Dolan von der Erzdiözese New York gerade einen sehr lesenswerten Beitrag über External markers of our faith geschrieben – äußere Kennzeichen unseres katholischen Glaubens, im Gegensatz zu inneren, von denen er zuversichtlich hofft, daß es Glauben, Anbetung, Nächstenliebe und ein tugendhaftes Leben sind.

Zu recht verweist der Bischof darauf, daß in der übermäßigen Betonung äußerlicher Kennzeichen die Gefahr von Scheinheiligkeit „und skrupulöser Befolgung von Gesetzen, die von Menschen gemacht sind“ liegt. Aber das Vorhandensein solcher Bräuche und Zeichen gibt den Menschen auch etwas:
The scholars tell us that, without such identifiable characteristics, any religion risks becoming listless, bland, and unattractive. Even the sociologist Father Andrew Greeley, hardly some nostalgic conservative, concluded that the dropping of Friday abstinence was a loss to Catholic identity.

And that’s another reason many welcomed the initiative of the bishops of England as a step in the right direction: restoring a sense of belonging, an exterior sign of membership, to a Church at times adrift.

Is it fair and timely to ask if we “threw out the baby with the bathwater” when we got rid of so many distinctive, identifying marks of Catholic life five decades ago?

I’m not saying we should re-introduce any or all of these markers. The toothpaste is probably out of the tube. I’m just suggesting that this is a conversation well-worth having.

Perhaps the pivotal question is: what makes us different as a Catholic?

A balance is good: if all the emphasis is on these external markers, the danger is hypocrisy and scrupulous observance of man-made laws.

But, if all the emphasis is on the interior, with no exterior sign of identity, the risk is a loss of a sense of belonging and communal solidarity.

We sure need both.
____
[1] An Tagen völliger Abstinenz, zu denen die Freitage normalerweise gehören, verzichtet man auf Fleisch sowie Suppen und Soßen, die daraus gemacht sind (wie etwa Fleischbrühe oder Bratensoße).
[2] Wer sowieso keines ißt und für wen es daher kein Opfer wäre, kann sich dann immer noch überlegen, was er darüber hinaus tun kann.

Kommentare:

ultramontanus hat gesagt…

Dir gelingt es immer wieder, ganz sanft und liebevoll das Richtige zu sagen, ohne in der Sache unklar zu sein. Wunderschön. *knicksmach*

Braut des Lammes hat gesagt…

Oh, danke, *froi.* :)

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