Montag, 1. August 2011

Worte an Gott

Verehrte Zuhörer, aus der Reihe Lektorenpannen ein Versprecher, der mir so auch noch nicht passiert ist:

Bei der Bahnlesung im Jahreskreis sind ja zur Zeit die zahlreichen Klagen und das Gejammer der ausziehenden Israeliten in der Wüste dran. Liebe Güte! Das Manna schmeckt nicht, selber sammeln muß man es auch noch, und alles, auch das Gartengemüse, war in Ägypen viel besser. Heute hieß es nun nach einem weiteren ausführlichen Lamento der Israeliten (unter Aufzählung sämtlicher Gemüsesorten):
Mose aber war verstimmt und sagte zum Herrn: Warum hast du deinen Knecht so schlecht behandelt, und warum habe ich nicht deine Gnade gefunden, daß du mir die Last mit diesem ganzen Volk auferlegst?
Habe denn ich dieses ganze Volk in meinem Schoß getragen, oder habe ich es geboren, daß du zu mir sagen kannst: Nimm es an deine Brust, wie der Wärter den Säugling, und trag es in das Land, das ich seinen Vätern mit einem Eid zugesichert habe? Woher soll ich für dieses ganze Volk Fleisch nehmen? Sie weinen vor mir und sagen zu mir: Gib uns Fleisch zu essen! Ich kann dieses ganze Volk nicht allein tragen, es ist mir zu schwer. Wenn du mich so behandelst, dann bring mich lieber gleich um, wenn ich überhaupt deine Gnade gefunden habe. Ich will mein Elend nicht mehr ansehen.
Also ich hätte mich das ja nicht getraut… Während meine Gedanken noch irgendwie dabei verweilten, tat ich den folgenden Ausspruch: „Wort zum lebendigen Gott!“[1] Ich bin überzeugt, der war freudsch.

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[1] Die Gemeinde und der Zelebrant haben übrigens brav geantwortet: Dank sei Gott dem Herrn. Von Experimenten, wie weit man das ggf. treiben könnte, sehe ich natürlich ab. Vereinzelte Aussprüche wie „Sie hörten die Worte der heutigen Lesung“ .oO(Ah ja?) finde ich selbst äußerst irriterend. Am liebsten wäre mir an dieser Stelle einfach das schöne gesungene Verbum Domini.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ich habe mal eine Lesung in Frankreich vorgelesen und dabei dessert und desert verwechselt, weil ich das s falsch betont habe. Herauskam: Mose und die Israeliten zogen 40 Tage durch den Nachtisch (statt Wüste). Sie murrten im Nachtisch... usw. (Erstaunlich, was man im Nachtsch so alles anfangen kann). Jedenfalls herrschte bei "Wort des lebendigen Gottes" eine ziemlich fröhliche Stimmung, ich aber wußte nicht warum. Erst nach der Messe klärt es sich für mich auf.... Gruß Alfred

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