Sonntag, 7. August 2011

O Erlöser der Welt, sei gegrüßt – der heilige Dominikus in San Marco

Vor Jahren hatte ich das Glück, eine längere Reise nach Florenz machen zu können. Genau genommen bin ich wegen der Fresken Beato Angelicos – eigentlich Fra Giovanni di Pietro – nach Florenz gefahren, weshalb ich mich dann auch recht schnell nach San Marco begeben habe. San Marco ist ein Dominikanerkonvent, der seit 1436 an dieser Stelle bestanden hat. Das heutige Museo di San Marco war nicht als Museum, sondern als Ort des Gebets gedacht, und dies teilt sich dem Besucher sehr intensiv mit.

Das schöne ist, daß man stundenlang völlig frei darin herumlaufen kann (ich jedenfalls konnte und wollte). Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die vielen Fresken, die Beato Angelico an die Wand der Zellen im Dormitorium der Mönche gemalt hat – eine frühe Form des Andachtsbildes, dem Bewohner der Zelle zur Verehrung, Kontemplation und Belehrung gedacht. Der Umriß vieler dieser Bilder ahmt dabei den Umriß des Zellenfensters nach. Das eine ist ein Fenster nach draußen, das andere eines nach innen.

Auf der überwiegenden Zahl dieser Andachtsbilder in den Zellen erkennt der faszinierte, katholische und aufmerksame Betrachter, daß der Maler der Szene aus dem Leben und Sterben Christi den heiligen Dominikus hinzugefügt hat: so findet man ihn bei der Geburt, der Darstellung im Tempel, bei der Verklärung Christi, bei der Krönung der Jungfrau, bei der Kreuzigung und bei der Beweinung Christi am Grabe.

Dem heiligen Dominikus gab der Maler dabei den Stern über der Stirn als ikonographisches Heiligenattribut mit. Dies geht auf eine Überlieferung zurück, derzufolge die Patin des Dominikus nach der Taufe einen Stern auf seiner Stirn erblickte, der auch später noch von vielen als Glanz wahrgenommen wurde, der sein Haupt umstrahlte.


Die Fresken im Kloster sind alle wunderbar. Am eindrücklichsten ist der Heilige vielleicht auf dieser Verspottung Christi dargestellt: Vor einer ikonenhaften Darstellung Christi mit den Leidenswerkzeugen sitzen auf einer Stufe die Jungfrau Maria und der hl. Dominikus. Beide sind zum Betrachter hingewandt, in Kontemplation versunken. Die Haltung Mariens spricht von Trauer und Ergebung in den Willen Gottes. Dominikus schaut in das Buch vor ihm und scheint über dessen Worte und die Bedeutung des Geschehnisses für uns und die ganze Welt nachzusinnen. – Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.


In gleich mehreren Zellen – die für die Novizen bestimmten – ist der Kreuzestod des Herrn dargestellt und der heilige Dominikus zu Füßen des Kreuzes. Der Heilige steht oder kniet vor dem Kreuz und umfaßt den Kreuzesstamm, an dem das Blut des Erlösers herabfließt. Das Kreuz Christi ist der Stern, dem der Heilige zeitlebens gefolgt ist. Unter einer dieser Darstellungen finden wir die Inschrift:
O Erlöser der Welt, sei gegrüßt! O lieber Jesus, ich möchte dein Kreuz auf mich nehmen und weiß, warum. Gib mir die Kraft, es zu vollbringen.

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