Sonntag, 21. August 2011

Maria Regina – Maria Königin


Der Oktavtag des Festes Mariä Himmelfahrt ist das Fest Maria Königin. Maria Königin ist das Patrozinium der Kirche Maria Regina Martyrum und vor allem auch des Karmels Regina Martyrum (Maria, Königin der Märtyrer).

Als ich vor vielen Jahren über dieses Kloster erstmals etwas gelesen habe, war es in der Fernsehzeitung, die einen Film von Ingrid Oppermann über den Karmel ankündigte. Ob man den Film Oppermanns noch irgendwo bekommt, weiß ich gar nicht, der Film ist jedoch sehr feinsinnig und zeichnet ein schönes Bild vom stillen Leben der Karmelitinnen hier mitten in der Großstadt. Die Ankündigung in der Fernsehzeitung – die ich noch habe – enthielt seinerzeit einen Druckfehler: „Seit fast dreißig Jahren leben Karmelitinnen mitten in Berlin. Getrennt von ihren Familien begreifen sie ihr Dasein als Dienst am Menschen…“ Richtig heißen hätte es müssen „Seit fast drei Jahren…“

In nicht allzulanger Zeit wird dieser Druckfehler allerdings vom Laufe der Zeit eingeholt: 1982 kamen Karmelitinnen aus dem Karmel Heilig Blut in Dachau nach Berlin, hier sieht man die erste Priorin, die unvergleichliche Sr. Gemma Hinricher OCD, auf dem Altar der Krypta im Beisein von Joachim Kardinal Meisner die Gründungsurkunde unterzeichnen. 1984 war das Klostergebäude soweit fertiggestellt, daß die Schwestern dorthin übersiedeln konnten (zunächst wohnten sie in Hermsdorf und bauten fleißig am neuen Kloster mit).

Auf manchen mag der viele Sichtbeton und das sonstige Ambiente etwas niederdrückend wirken, es ist aber nicht so. Daß die Kirche und vor allem der Feierhof karg und düster daherkommen – die Kapellen schmücken je eine goldene Wand – ist der Tatsache geschuldet, daß es sich bei der Maria Regina Martyrum um die „Gedächtniskirche der deutschen Katholiken für die Blutzeugen der Glaubens- und Gewissensfreiheit in den Jahren 1933 bis 1945“ (so die genaue Bezeichnung) und damit auch um ein Mahnmal handelt. Als man entschied, an der Gedenkkirche ein Kloster der unbeschuhten Karmelitinnen zu errichten, wurde das frühere Gemeindehaus zum Pfortengebäude, in dem auch Gäste Aufnahme finden – die Sichtlamellen aus Beton sind also nicht etwa die Idee der Schwestern, sondern waren schon vorher da. Das Kloster und die Kirche sind durch einen unterirdischen Gang, an dem sich auch die Grablege der Schwestern befindet, miteinander verbunden.

Brunnen im Innenhof der Klausur
Blick von der Klosterpforte auf den Dachgarten und das
Klostergebäude mit den Zellen. Vor jeder Zelle ist eine Art
kleiner Garten. Die Geländer davor sind immer voller Vögel
(manchmal sitzt im Trog auch die passende Katze dazu).
Unten links und rechts die Fenster des großen Kreuzgangs.
Blick in der Oberkirche – vom Dunkel zum Licht
Der Eingang zum Feierhof mit Campanile

Von innen erscheint der Karmel übrigens sehr warm: längst ist aus dem kleinen Dachgarten, der hier noch sehr kahl aussieht, viel mehr Grün geworden, die Böden sind entweder rot gefliest (in der Versiegelung einer der Platten prangt noch der Sohlenabdruck einer der Gründerschwestern, die ein klein wenig zu früh über den Boden marschiert sein muß) oder mit Hirnholz gepflastert. Im Meditationsraum der Schwestern – ein wunderbarer Ort – liegt ein unregelmäßig geflochtener Sisalboden, der einem das Gefühl gibt, in der Wüste zu sein. In diesem Meditationsraum, dem Herzen des Hauses, ist der Herr im Allerheiligsten gegenwärtig. Deshalb ist es ein wunderbarer Ort – es ist sogar nachts möglich, sich buchstäblich in Anbetung vor ihm niederzuwerfen oder zu ihm sich zu flüchten.

Das Bild oben links zeigt die spätgotische Madonna in der Oberkirche von Maria Regina Martyrum. Im Karmel selbst gibt es noch eine Madonna, die auf einem Treppenabsatz steht, der zum Dormitorium der Schwestern und in den Dachgarten führt. Zu dieser Madonna gibt es eine rührende Geschichte. Eine Gläubige hat sie dem Kloster geschenkt. Der Künstler, der die Madonna aus einem Baumstamm schuf, war mit seiner Schöpfung vielleicht nicht recht zufrieden, jedenfalls stellte er die Holzfigur in seinem Hof ab, wo sie Wind und Wetter ausgesetzt war und zusehends litt. Diese Madonna dauerte die fromme Dame so, daß sie sie kaufte und den Schwestern schenkte. Durch die Witterungseinflüsse ist das Gesicht gespalten, was den Eindruck tiefen Schmerzes und des Mitleidens mit aller Welt erweckt.

Ob man nun Kirchen aus Sichtbeton oder eine pompöse Barockkirche hat, wichtiger ist, daß dort eine Gemeinschaft von Menschen in dem Bemühen zusammenlebt, Gott zu dienen und recht schwesterlich zusammenzuleben, in aller Schlichtheit, den kleinen Dingen und Opfern, die niemand sieht und getrieben von gutem Eifer, wie es uns die karmelitanischen Heiligen vorgelebt haben. – Maria, Königin des Himmels, Königin der Märtyrer und der Jungfrauen, bitte für uns.

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