Freitag, 5. August 2011

Licht am finsteren Ort – Verklärung des Herrn


Auf dem Berge wurdest du verklärt, und Deine Jünger sahen deine Herrlichkeit, Christus, o Gott, soweit sie es vermochten: auf daß sie, wenn sie dich gekreuzigt sähen, das freiwillige Leiden verstehen könnten und der Welt verkünden, daß du in Wahrheit des Vaters Abglanz bist. (Kontakion der Ostkirchen zum Fest der Transfiguration)

Das Fest von der Verklärung mitten im Sommer erscheint mir oft viel zu gering geachtet, denn das Festgeheimnis und die Texte des Festes sind so durchwoben von Licht und Verheißung, daß es einfach wunderbar ist.

Das Evangelium berichtet davon, wie Jesus sich mit seinen Jüngern in Cäsarea Philippi aufhielt. Er zog sich auf einen Berg zurück, um in der Einsamkeit zu beten, wie es seine Gewohnheit war. Wahrscheinlich war es Nacht, denn Jesus scheint das nächtliche Gebet geliebt oder notwendig gebraucht haben. Drei der Jünger – Petrus, Jakobus und Johannes – nahm er mit sich. Während des Gebetes wurde er verklärt. Legt man den griechischen Evangelientext zugrunde, wo es μεταμορφώνομαι heißt, müßte es eigentlich wurde er verwandelt heißen. Im Gebet, in der direkten Zuwendung zum Vater, verwandelt sich Jesus so sehr, daß es die Jünger blendet. Die Ikone des Festtags zeigt diese Szene: Strahlen gehen von der Mandorla aus, die Christus umhüllt. Die bezeugenden Mose und Elija sind nicht geblendet. Ein Strahl der Mandorla zeigt genau auf die Gesetzestafeln, die Mose in der Hand trägt: Das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit aber ist durch Christus geworden (Joh 1,14).

Als Kind habe ich mich bei den Ereignissen auf dem Berge Tabor innerlich über das Erscheinen des Mose und des Elija verwundert. In der Tat ist man in Versuchung zu fragen, wieso jetzt grad die? – Mose und Elija kommen hier als das Gesetz und die Propheten, aber auch als Zeugen des alten Bundes. Sie geben Zeugnis für das, was Johannes in seinem wunderbaren Prolog so beschreibt: Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.

Darauf will die Ikone, will das ganze Fest verweisen. Die Verklärung ist das Fest der göttlichen Herrlichkeit Christi in seinem sterblichen Leib – wahrer Gott und wahrer Mensch. Glaubensbekenntnis und zugleich wahre Gotteserkenntnis; uns zum Trost und zur Stärkung, denn sie spricht von unserer tiefen Sehnsucht: Gott schauen zu können von Angesicht zu Angesicht, ihn zu sehen, wie er ist.

Petrus, einer der Zeugen auf dem Berg Tabor, hat uns von diesem Ereignis hinterlassen:
Dadurch ist das Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden, und ihr tut gut daran, es zu beachten; denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen.
Und so ist es, der finstere Ort, von dem die Rede ist, ist die Welt, ist aber auch unser Herz. Nichtsdestotrotz scheint uns dieses Licht und erleuchtet auch die schwärzeste Nacht. Christus ist unser Licht, der wahre Morgenstern.

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Wie schön, dass die Verklärung auf den Blogs so verschiedenartig beleuchtet wird!

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, das hab ich irgendwie auch gedacht…

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...