Dienstag, 9. August 2011

Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi rühmen – Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein), Jungfrau, Märtyrin

Als Edith Stein in den Karmel eintrat, wählte sie sich den Ordensnamen Teresia Benedicta a cruce. Man kann diesen lateinischen Ordensnamen so deuten, daß Edith Stein den Namen Teresa zu Ehren der Heiligen wählte, die sie nicht nur in den Karmel, sondern zum Christentum geführt hatte, und Benedicta zu Ehren des heiligen Benedikt: viel Zeit für die geistliche Einkehr verbrachte Edith Stein in der Erzabtei St. Martin in Beuron, deren Abt, Raphael Walzer, ihr geistlicher Begleiter war. In der zweiten Lesart wird allerdings etwas ganz anderes daraus: Teresia Benedicta a cruce: Teresia, die vom Kreuz Gesegnete. „Nicht die menschliche Tätigkeit kann uns helfen, sondern das Leiden Christi. Daran Anteil zu haben, ist mein Verlangen“, sagte Edith Stein der Priorin des Karmels vor ihrem Eintritt. Dieser Wunsch, der sicherlich der vieler Karmelitinnen ist, sollte sich tatsächlich erfüllen.

Kann der Tod in der Gaskammer, ja der Märtyrertod im allgemeinen, eine Segnung des Kreuzes sein? Ja, denn die das Kreuz auf sich nehmen, tun es in der Nachfolge dessen, der es für uns getragen hat. Nur vor diesem Hintergrund ist das Martyrium, ist der Tod Sr. Teresia Benedictas zu verstehen. Ihr Kreuz enthüllte sich ihr in der Verborgenheit des Karmels dabei allmählich. Später einmal schrieb sie:
Unter dem Kreuz verstand ich das Schicksal des Volkes Gottes, das sich damals schon anzukündigen begann. Ich dachte, die es verstünden, daß es das Kreuz Christi sei, die müßten es im Namen aller auf sich nehmen. Gewiß weiß ich heute mehr davon, was es heißt, dem Herrn im Zeichen des Kreuzes vermählt zu sein. Begreifen freilich wird man es niemals, weil es ein Geheimnis ist.
Unter den Biographien Edith Steins sind mir übrigens am liebsten die Aufzeichnungen ihrer damaligen Mitschwestern und ihrer Novizenmeisterin, Sr. Teresia Renata a Spiritu Sancto, die ein ganz einfaches und unprätentiöses Bild der Heiligen zeigen und davon, wie schwer sie sich in der Anfangszeit im Karmel auch getan hat. Es ist eine Geschichte von Sr. Teresia Benedicta überliefert, bei der ihr die Aufgabe zufiel, in der Prozession eine Heiligenstatuette zu tragen. Mit der großen Ernsthaftigkeit und Andacht, die ihr eigen war, führte sie die Aufgabe aus und stieß, da sie nicht an die Höhe der Statuette gedacht hatte, damit an eine Lampe und begoß sich über und über mit Öl. Es ist dabei offenbar nichts weiter passiert, die Sache wurde aber als typisch Sr. Benedicta angesehen.

Ihre Novizenmeisterin beschrieb Edith Steins Eintritt in den Karmel als ein Herabsteigen von der Höhe der Ruhmeslaufbahn in die Tiefe der Bedeutungslosigkeit. Daß Edith Stein das selbst so gesehen hat, bezweifle ich; wohl aber war sie sich ihrer eigenen Grenzen sehr bewußt, die im Noviziat schwierig für sie und die Kommunität gewesen sein müssen: „Sie war in allen häuslichen Arbeiten so umständlich und so ungeschickt, daß es ein Jammer war, ihr dabei zuzusehen“ – ebenfalls eine Äußerung der Novizenmeisterin. Man darf diesen Ausspruch in seiner Bedeutung nicht unterschätzen: Jeder, der einmal in einem Konvent beschaulicher Schwestern gelebt hat, weiß, daß dort zuweilen Auseinandersetzungen über die richtige Art, einen Spüllappen aufzuhängen, geführt werden. Einundzwanzig Schwestern sind etwa zwanzig Hausfrauen zuviel. Sr. Teresia Benedicta hat in Briefen diese Zeit als gute Schule der Demut bezeichnet, was sehr für sie spricht. Es muß eine Erleichterung für alle gewesen sein, daß man sie nach der Profeß vorwiegend mit der Fortführung ihrer Studien und anderen schriftlichen Arbeiten betraute.

Am 2. August 1942 verhaftete man in der Folge eines Hirtenbriefes der niederländischen Bischöfe, der Ende Juli in den Kirchen verlesen worden war, in den Niederlanden auch die Katholiken, die vom Judentum konvertiert waren und verschleppte sie nach Auschwitz. Sofort nach ihrer Ankunft am 9. August führte man diese, mehrere hundert Menschen, in die Gaskammern. Unter ihnen Sr. Theresia Benedicta a cruce, die vom Kreuz Gesegnete. In Auschwitz-Birkenau erlosch scheinbar das Licht ihres Lebens in der Dunkelheit der Gaskammer. Tatsächlich ist es nicht erloschen, denn die Begegnung mit der hl. Teresia Benedicta hat die Kraft, ein Leben zu verändern. Im Hinblick auf das Kreuz, dem Edith Stein so treulich nachfolgte, predigte der sel. Papst Johannes Paul II. bei ihrer Heiligsprechung 1998:
Es ist das Kreuz Christi! Der Baum des Kreuzes trägt in ewiger Blüte immer wieder neue Früchte des Heils. Deshalb schauen die Gläubigen vertrauensvoll auf das Kreuz. Aus seinem Geheimnis der Liebe schöpfen sie Mut und Kraft, um dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn in Treue nachzufolgen. So hat sich die Botschaft vom Kreuz in das Herz vieler Männer und Frauen eingesenkt und ihr Leben verändert.

Kommentare:

jos.m.betle hat gesagt…

Liebe Braut,

ich danke Dir außerordentlich für diesen schönen Beitrag. Es ist das schönste, was ich heute auf deutsch zu unserer Heiligen gelesen habe! Und ich freue mich auch, endlich einmal wieder den Namen von Sr. Teresia Renata zu lesen, die auch nach meiner Meinung den besten Bericht geschrieben hat. Vor ihr u.a. habe ich große Ehrfurcht und Respekt. Also nochmals Vielen Dank!

Übrigens, zum Thema: ich habe ein neues Blog eröffnet:
http://poramor-ausliebe.blogspot.com/

Braut des Lammes hat gesagt…

Lieber Josef,

vielen Dank für das Lob und den Hinweis auf den Blog, der sich offenbar mit Karmelitanischem befaßt - den verlinke ich gleich nebenan.

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