Donnerstag, 11. August 2011

Herr, sei gelobt, weil du mich erschaffen hast – hl. Klara von Assisi, Jungfrau

Der schönste Versprecher in der heutigen Messe zum Gedenktag der hl. Klara: „Franzisi“. Ich glaube, Franziskus und Klara hätten sich gefreut, denn die hl. Klara ist ohne den heiligen Franziskus nicht zu denken – und umgekehrt.

Es ist auffällig, daß der hl. Franziskus als zweiten Orden einen klausurierten Orden des Gebets gegründet hat, den man auch den seraphischen Orden nennt. Seraphim sind Engel, die in der beständigen Schau Gottes leben. Sie glühen vor Liebe und Freude. Zugleich ist der seraphische Orden untrennbar mit der charakteristischen Armut und dem Begriff Buße verbunden. Möglicherweise hätte der hl. Franziskus, hätten die Franziskaner ohne das Gebet der Klarissen nicht all das vollbringen können, was sie an Gutem getan haben.

In dem Kirchlein Portiuncula wurde mitten in der Nacht des Palmsonntags 1212 die heilige Klara eingekleidet. Am Morgen noch war sie in ihren schönen und prächtigen Gewändern bei der Palmprozession gewesen. In Sta. Maria von den Engeln warteten Franziskus und seine Mitbrüder mit brennenden Kerzen in der Hand. Während die Brüder das Veni creator spiritus sangen, gab Franziskus Klara ein schlichtes Gewand, schnitt ihr die langen blonden Haare ab – die von den Klarissen in Assisi als Reliquie bewahrt werden –, und nannte sie „die erste meiner armen Frauen“.

Als Franziskus von einem Kreuz in San Damiano die Stimme des Herrn hörte, der ihn aufforderte, sein Haus wiederherzustellen, „das wie du siehst, ganz verfallen ist“, war Klara gerade einmal zwölf Jahre alt. Sechs Jahre später stahl sie sich in der Nacht aus ihrem vornehmen Elternhaus davon, nachdem sie in der Fastenzeit eine Predigt des heiligen Franziskus über die Loslösung von der Welt gehört hatte, und folgte in der Lebensweise vertrauensvoll einem nach, der kaum wußte, wo und wie er sie unterbringen sollte. Dieser wiederum berief sich auf den Herrn selbst: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.

Tatsächlich besteht die Regel der hl. Klara einfach darin, „das Evangelium unseres Herrn Jesus Christus zu beachten.“ Später wandte sich Klara mit der Bitte an Papst Innozenz III., ihr ein besonderes Vorrecht zu gewähren: das Vorrecht der heiligen Armut. Der Papst fand dieses Anliegen offenbar verwirrend, nicht zuletzt wohl deshalb, weil man ihn meist eher um gegenteilige Privilegien bat. Innozenz IV. gewährte den Klarissen dieses einzigartige Vorrecht und bestätigte in einer Bulle, daß niemand sie zwingen könne, Besitztümer über das absolut Notwendige hinaus anzunehmen:
„Der Apostolische Stuhl pflegt sich frommem Begehren zu neigen und geziemendem Ersuchen der Bittenden wohlwollende Förderung zu erteilen. Es liegt Uns nunmehr von eurer Seite die demütige Bitte vor, Wir möchten mit apostolischer Autorität die Lebensweise bestätigen, nach der ihr gemeinsam in der Eintracht des Geistes und dem Gelübde der höchsten Armut leben müßt. … Wir sind darum euren ehrfurchtsvollen Bitten geneigt.“
Dieses Schreiben erreichte Assisi zwei Tage vor Klaras Tod 1253. Zugleich kam Papst Innozenz von Rom an ihr Sterbebett in San Damiano, um ihre Beichte zu hören. „Wollte Gott, ich selbst bedürfte dessen so wenig“ bemerkte er später.

Die letzten Worte der heiligen Klara – nicht Selbsterhöhung, sondern Ausdruck tiefsten Dankes an ihren Schöpfer: Herr, sei gelobt, weil du mich erschaffen hast.

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