Mittwoch, 3. August 2011

Die beiden Kerzen und das wunderbare Licht – hl. Jean-Marie Vianney

Zum Gedenktag des hl. Jean-Marie Vianney, von dem ich längst nicht genug weiß, finden wir im Stundenbuch der Kirche diese Katechese des Pfarrers von Ars über das Gebet. Sie erinnert mich an das Hochgebet in dem es heißt: Du bedarfst nicht unseres Lobes, es ist ein Geschenk deiner Gnade, daß wir dir dienen.

Es ist auch bemerkenswert, daß der Pfarrer von Ars sich nicht etwa in die Reihe derer stellt, die genau verstanden haben, wie das rechte Gebet sein sollte. „Wenn dagegen wir zur Kirche kommen…“, führt er an gleich zwei Stellen in aller Demut als Gegensatz an.

Der heilige Jean-Marie Vianney ist vielleicht der einzige Heilige im Meßbuch, der einfacher Gemeindepfarrer gewesen ist, ein Leutpriester auf dem Dorf. Eigentlich wollte man ihn auch das nicht werden lassen, denn er hatte nicht Theologie studiert und konnte kein Latein. Nach seiner Priesterweihe schickte ihn sein Bischof in die kleinste Pfarrei, die er zu vergeben hatte: nicht mehr als 250 Menschen lebten dort.

Um über das Gebet zu sprechen und die Herzen der Menschen zu erreichen, braucht es nicht großartige Gelehrsamkeit (womit ich nicht etwa sagen will, daß Priester nicht zu studieren bräuchten). Auch braucht es nicht Reichtum und Ehre, um wahrhaft zufrieden zu sein. Das Responsorium zur Matutin des Gedenktages des hl. Jean Jean-Marie Vianney bringt das zum Ausdruck: Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist, das hat Gott denen bereitet die ihn lieben. Die kleine Last unserer gegenwärtigen Not bringt uns dereinst ein Übermaß an Herrlichkeit.

Schaut meine Lieben, der Schatz des Christen ist nicht auf der Erde sondern im Himmel. Unser Denken muß sich also dahin richten, wo unser Schatz ist. Wenn ihr betet und liebt, seht, das ist das Glück des Menschen auf Erden. Das Gebet ist nichts anderes als Vereinigung mit Gott. Wenn jemand ein reines, mit Gott verbundenes Herz hat, dann überkommt ihn ein berauschendes Gefühl von Wonne und Glück, ein Licht, das ihn wunderbar umleuchtet. In dieser tiefen Vereinigung sind Gott und die Seele wie zwei miteinander verschmolzene Kerzen, die keiner mehr trennen kann. Überaus schön ist die Vereinigung Gottes mit seinen geringen Geschöpf: es ist ein Glück, das niemand begreifen kann.

Wir waren nicht würdig, zu beten, aber Gott erlaubte uns in seiner Güte, mit ihm zu reden. Unser Gebet ist der Weihrauch, der ihm am besten gefällt.

Meine Kinder, ihr habt ein enges Herz, aber das Gebet weitet es und macht es fähig, Gott zu lieben. Das Gebet gibt uns einen Vorgeschmack des Himmels, etwas vom Paradies steigt zu uns herab. Es läßt uns niemals ohne Süßigkeit zurück. Es ist Honig, der in der Seele fließt und alles versüßt. Im rechten Gebet schmelzen die Schmerzen wie Schnee in der Sonne.

Das Gebet bewirkt, daß die Zeit schnell und mit solcher Freude voranschreitet, daß der Mensch die lange Dauer nicht merkt. Hört: als ich Pfarrer in Bresse war und einmal fast alle meine Mitbrüder krank waren, betete ich auf den weiten Wegen zu Gott und – glaubt mir, die Zeit erschien mir nicht lang.

Es gibt Menschen, die sich ganz ins Gebet versenken wie die Fische ins Meer, weil sie ganz Gott hingegeben sind. In ihrem Herzen gibt es einen Zwiespalt. Wie sehr liebe ich diese hochherzigen Seelen! Der heilige Franz und die heilige Coleta sehen unseren Herrn und sprachen mit ihm, so wie wir miteinander reden.

Wenn dagegen wir zur Kirche kommen, wie oft wissen wir nicht, was wir tun oder auch nur, was wir beten sollen! Wen wir aber zu irgendeinem Menschen gehen, wissen wir gut, weshalb wir ihn aufsuchen. Ja, es gibt Menschen, die Gott zu sagen scheinen: Ich will dir nur zwei Worte sagen, damit du zu deinem Recht kommst.

Wenn wir kommen, um den Herrn anzubeten, denke ich oftmals: Käme unser Gebet doch aus lebendigem Glauben und aus reinem Herzen, dann würden all unsere Wünsche erfüllt.

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