Mittwoch, 17. August 2011

An der Kommunionbank

An sich zögere ich noch herum, ob ein Beitrag zur Frage Mund- oder Handkommunion hier auf dem Blog gefragt ist (wahrscheinlich nicht, es wurde schon so viel darüber geschrieben, was könnte ich sagen, das noch nicht gesagt worden wäre?). Ich habe das Glück, die hl. Kommunion an Orten empfangen zu dürfen, an denen beide Formen des Kommunionempfangs – eigentlich sind es ja vier: kniend und in den Mund, kniend in die Hände, stehend in den Mund und stehend in die Hände – gut nebeneinander möglich sind.

Etwas drollige Momente gibt es an dem einen Ort manchmal, da bei uns die Kommunionbänke dankenswerterweise erhalten geblieben sind. Sie werden weiterhin genutzt, was auch ganz natürlich ist. Die Gläubigen treten zu den Kommunionbänken hinzu, viele nutzen die Möglichheit, die Kommunion kniend zu empfangen, und der Priester schreitet die Reihe der Kommunikanten ab.

Immer einmal wieder kommt es dabei vor, daß ein durchreisender Priester konzelebriert und dann auch die Kommunion spendet. Nun könnte man, da es zwei Kommunionbänke sind, ja einfach schauen, wie macht es der Mitbruder (der in der Regel der Hauptzelebrant ist), sich vorher erkundigen oder einfach darauf achten, wo knien die Gläubigen? Es geschieht aber, daß ein Zelebrant sich mit der Hostienschale einfach irgendwo aufbaut und den bereits an der Bank Knienden damit die Möglichkeit nimmt, da wo sie knien und wo die Spendung vorgesehen ist, auch zu kommunizieren. Entweder bequemen sich die Kommunikanten dann zu einer Säule im Kirchenschiff hin, oder sie umrunden den Altar wie ein Satellit und kommunizieren an der anderen Bank, vorausgesetzt, dort ist noch ein Priester oder Diakon.

Als vor einiger Zeit ein Gastzelebrant mit der zweiten Hostienschale regelrecht abgedüst ist, hat ihn ein Ordensbruder einfach wieder zurück auf die Altarstufe an die Kommunionbank gescheucht. War das cool, wenn auch nicht ohne Situationskomik! Als neulich wiederum ein Kommunionspender – diesmal auf der Seite, an der ich als Meßdiener kniete – den Altarraum verlassen wollte und dabei fast über mich gefallen wäre, hab ich ihm nach Empfang der Kommunion ein dezentes Handzeichen gegeben, worauf er sehr artig wieder zur Kommunionbank und die Altarstufe hinaufschritt und dort gespendet hat. Geht doch… ;)

Nun wieder so ein Fall: eine Gruppe aus einem anderen Bistum, die ihren Priester mitgebracht hatte, kam zur Abendmesse. Da gleichzeitig noch drei slowenische und ein deutscher Priester auf Reisen konzelebrierten, hatten wir heute die wundersame Priestervermehrung. Mir fiel dann die dankbare Aufgabe zu, für die vielleicht einmal ein Lasso angeschafft werden sollte: einen Kommunionspender wieder einfangen, bevor er verschwindet, und ihn an den Ort des Geschehens zurückbugsieren (dazu bin ich angewiesen). Ich spreche den Priester in dieser Situation nicht gern an, und unsere Kommunionbank sieht vielleicht auch nicht sehr kommunionbankig aus, ich finde es aber offen gestanden auch nicht richtig, daß sich jemand gar nicht – auch in anderer Hinsicht nicht – nach den Gepflogenheiten vor Ort richtet (es gibt Priester, die sich mit rührender Genauigkeit vorher erkundigen, was üblich sei). Es sind ja nicht nur die Gläubigen seiner Gruppe da, sondern es ist unsere Abendmesse, und Menschen, die auf Knien kommunizieren möchten, würde diese schöne Möglichkeit genommen.

Es gibt aber auch ganz wunderschöne Erlebnisse, vor allem mit ausländischen Priestern auf Reisen, von denen es vor allem im Sommer viele gibt. Ich genieße das sehr, weil es uns – übrigens auch oft unterm Jahr – bei den Gottesdiensten auch vor Augen stellt, daß wir zu einer Weltkirche gehören. Und das bei uns daheim. Wenn da für unsere Augen exotisch gewandete Patriarchen, goldglitzernde Bischöfe, Priester oder Äbte die Abendmesse mitfeiern oder wie einmal geschehen, sechzig italienische Priester in Konzelebration in der Unterkirche feiern, also, das ist schon toll. Bei den sechzig konzelebrierenden Priestern gab es übrigens den köstlichen Moment, als der Hauptzelebrant, ein Bischof, uns beiden Meßdienerinnen den Friedensgruß in derselben Manier spendete wie man das halt am Altar so macht und freudestrahlend mit ausgebreiteten Armen auf uns zukam.

Wunderschön ist es, wenn mir dann spontan ein Priester mit der hl. Kommunion vorher noch den sakramentalen Segen erteilt, die Hostienschale als Speisepatene verwendet oder mir den Leib des Herrn mit den Worten reicht: Corpus Domini nostri Iesu Christi custodiat animam tuam in vitam aeternam, Amen (der Leib unseres Herrn Jesus Christus bewahre deine Seele zum ewigen Leben, Amen. Täglich kommunizieren zu dürfen ist ohnehin schon eine große Gnade, aber solchen kleinen Dinge, die vielleicht niemand sonst bemerkt, sind mir als Kommunikantin manchmal ein großes Geschenk.

Kommentare:

Nonnatus hat gesagt…

Danke für diesen sehr schönen Beitrag! Hatte zwar für mich heute miese Stimmung befohlen, aber das Bild der lassoschwingenden Jungfrauen zauberte mir ein Lächeln (oder eher ein breites Grinsen) ins Gesicht ;-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke – und ich denk noch, hoffentlich findet das jetzt keiner despektierlich… ;)

Roger Michael hat gesagt…

Sehr schöner Beitrag, keines Falls despektierlich.
Leider werden bei uns, auch wo dort wo noch feste Kommunionbänke vorhanden wären, diese nicht genutzt. So knie ich mich halt auf den Boden. Doch für viele ältere Leute ist das nicht möglich, ob wohl sie gerne knien würden.
Es wäre schön, wenn dahingehend ein Umdenken statt finden würde.

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