Dienstag, 30. August 2011

Bewegung, Steine, Glieder am Leib – die Kirche


In der ikonographischen Darstellung bildet das Kreuz die Achse der Welt. Zugleich sieht man, wenn man genau hinschaut, daß es mit dem unteren Querbalken auch das Gebäude stützt – die Kirche.

Elsa schreibt hier über Frauen, die die Kirche bewegen, und ich bekomme Blumen (zunächst einmal nochmals vielen Dank, ich dachte schon, woher kommen all die vielen Leute ;*).

Zunächst muß ich sagen, daß ich mich mit diesem Bild von der bewegten oder sich bewegenden Kirche etwas schwer tue (jedoch ist dies eine Idee des ZdK) – denke ich an die Kirche, fällt mir eher der Bau aus lebendigen Steinen ein, der von Christus als dem Eckstein zusammengehalten wird, oder der Leib Christi, an dem jeder einzelne von uns ein Glied ist. Nun möchte ich den von Luisa Hölzl verfaßten Text nicht gänzlich zerpflücken, es gibt immer verschiedene Ansätze und nicht immer kann man mit allem etwas anfangen. Eher frage ich mich schon, wieso das ZdK glaubt, daß dies ein beispielhaftes Zeugnis sei, denn von Christus lesen wir darin nichts. Wirklich gerieben habe ich mich in dem Text von Frau Hölzl allerdings an einer kurzen Passage:
Aus der Erfahrung als Vorsteherin meiner Hauskirche fühlte ich mich fähig, auch über die Familie hinaus mich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Dennoch stellte ich fest, daß dies nur bis zu einem gewissen Punkt erwünscht war. Auch merkte ich, daß Kirchenleitungen in ihrem Handeln und ihren Verlautbarungen wenig bis gar nicht auf diesen Schatz der Hauskirchen, auf das dort Erlebte und Erprobte, zurückgreifen. Es ist übrigens lächerlich, wenn z.B. ein junger 30jähriger Kaplan glaubt, mir als erfahrener Mutter, die diakonisch und priesterlich in ihrer Hauskirche wirkt, etwas vorschreiben zu müssen.
Ich finde das in mehr als einer Hinsicht etwas befremdlich. Zum einen störe ich mich an der Verwendung des Wortes „priesterlich“. Seit wann wirken Mütter in ihren Familien priesterlich?[1] Auch „diakonal“ ist meines Erachtens noch zumindest eigenartig zu nennen. Der Diakonat ist die Beauftragung zum Dienst am Tisch des Herrn und an den Armen. Ist der eigene Tisch der des Herrn und die eigene Familie bedürftig? Oder sind Ehemann und Kinder nicht eher die eigene Familie und man selbst eine Mutter? Kann man als Mutter nicht einfach mütterlich sein (oder von mir aus auch „wirken“)? Wozu braucht es die etwas bombastisch daherkommende geistliche Überkleidung, als sei das schlichte „Mutter“ nicht gut genug? Fragen über Fragen. Als Frau wäre mir zudem eher ein weibliches Rollenvorbild näher, wie etwa Maria, die Mutter des Herrn.

Auch die Folgerung, ein dreißigjähriger Kaplan habe einem nicht viel zu sagen, finde ich einigermaßen gewagt. Ob Frau Hölzl das wohl auch von einem dreißigjährigen Arzt gesagt hätte? (Ich weiß, beides ist nur eingeschränkt vergleichbar.) Nun ist der Kaplan halt etwas, was ich selbst nicht bin, nämlich Priester und als solcher hat er mir unter Umständen sehr viel zu sagen, etwa bei der Beichte. Bei einer solch verschobenen Wahrnehmung fällt mir dann schon des Apostels Bild von der Kirche als dem Leib Christi ein: Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör?[2]

Aus dem Bild der Mutter, die der Hauskirche „prälatig“ vorsteht, wie das Echo Romeo so treffend ausgedrückt hat, spricht jedenfalls eine gewisse Selbstgenügsamkeit, die mancherorts wohl kennzeichnend ist und die ich bedrückend finde, wo sie mir begegnet. Ohne Priester gibt es keine Sakramente und ohne Sakramente keine Kirche, auch keine Hauskirche, die, wenn ich mir entsprechende Texte dazu anschaue, ja in die Ekklesia selbst führen soll, also gewissermaßen eine Art Vorhalle darstellt. (Müßig zu sagen, daß es ohne Eltern wiederum keine Priester gibt, denn auch diese wachsen ja nicht auf dem Felde oder fallen vom Baum.)

Auch spricht aus der abschätzigen Haltung, mit der der arme und vielleicht imaginäre dreißigjährige Kaplan abgeurteilt wird, eine gewisse Geringschätzung des ehelosen Lebens. Auch das ist schade. Die zur Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen berufen sind und die Eheleute sollen sich mit gegenseitigem Wohlwollen betrachten. Obwohl sie die Würde des Ehebundes, den du gesegnet hast, erkennen, verzichten sie dennoch auf das Glück einer Ehe, denn sie suchen einzig, was das Sakrament der Ehe bedeutet: die Verbindung Christi mit seiner Kirche, heißt es im Weihegebet der Kirche über die Jungfrauen. Obwohl sie die Würde … erkennen, verzichten sie – eine solche Aussage kann man, bezogen auf die Eheleute, auch andersherum lesen: Obwohl sie die Würde des zölibatären Lebens erkennen, verzichten sie dennoch auf das Glück, sich einzig und allein an Christus zu binden. C what I mean? Jeder Stand hat seine Aufgaben und besonderen Freuden, zuweilen aber auch seine besonderen Kümmernisse. Man soll jedoch die Berufung und das Lebenszeugnis der je anderen mit Hochschätzung betrachten und nicht so tun, als könnte man alles aus sich selbst heraus. Weder können dies die Priester und das geweihte Leben, noch können es die Eheleute.

____
[1] Der Begriff des allgemeinen Priestertums ist mir natürlich bekannt, dennoch glaube ich nicht, daß das gemeint war, denn es trifft auf jeden anderen Laien ja auch zu und immerhin erfolgt die Verwendung des Wortes priesterlich in einem Atemzug mit der Feststellung, daß ein dreißigjähriger Kaplan ihr nichts vorzuschreiben hätte.

[2] Aber anderen mit Paulus zu kommen, ist ja auch pfui-bäh, wie ich vor einiger Zeit im geistlichen Gespräch (allerdings mit einem Augenzwinkern) hören mußte. :)

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Ist irgendwie sichergestellt, daß Frau Hölzl solche wunderbaren Abhandlungen über ihren Basistext auch zu lesen bekommt?

Das wäre doch sehr fair ihr gegenüber, so als Autorin. :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Fair wäre es schon, aber man kann es ihr ja schlecht als Einschreiben schicken. Sieht das ZdK eine Kommentarfunktion vor?

Admiral hat gesagt…

Och, ich finde das mit dem Einschreiben gar keine so schlechte Idee. :-)

So wie ich das sehe kann man die einzigen Kommentare auf deren Facebook Seite hinterlassen. Doch dafür muß man erst mal "Gefällt mir" klicken...

Braut des Lammes hat gesagt…

No way. :} Daß es keine Option "Gefällt mir nicht…" gibt, ist immer wieder schade.

Frischer Wind hat gesagt…

Absolute Zustimmung zu Ihrem Kommentar.
Nur eine kleine Anmerkung. Sie fragen: "Seit wann wirken Mütter in ihren Familien priesterlich?"
Es gibt tatsächlich Betrachtungen zum Wesen der Frau, in denen der Frau, ob Gott geweiht oder Mutter, eine priesterliche Aufgabe zukommt. Nämlich indem sie das Opfer ihrer selbst bringt, um andere (Mann, Kinder, Anvertraute)in gewisser Weise zu erlösen.
Vor allem Oda Schneider hat diesen Gedanken in ihrem Buch "Vom Priestertum der Frau" (ca. 1940) vertieft.

Leider finde ich das Buch gerade nicht, sonst hätte ich etwas konkreter ausgeholt. Es lohnt sich aber in jeder Hinsicht, das Buch zu lesen!
Fr. Hölzl hat da wohl etwas missverstanden...

Gottes Segen
Frischer Wind

Leise Ahnung hat gesagt…

Genau dieser Spruch über einen Priester reicht völlig aus, um sich mit Grausen abzuwenden, mit ein paar Wörtern wird hier ein Abgrund anmaßend - geringschätziger Selbstüberhöhung offenbart.
Anstatt weiterhin in der "Hauskirche" familiär den Glauben zu vertiefen, will Fr. Hölzl offenbar nun die Kirche zu ihrer Wohnküche machen, in der hat das mit dem Herrschen schließlich auch prima geklappt!

Herr bewahre uns und unsere heiligen Priester!

MiDi hat gesagt…

Danke dass Du mein Unbehagen mit und meinen aufsteigenden und immer virulenter werdenden Ärger über einen bestimmten Typ von kirchlichen FunktionärInnen so genial in Worte fasst ....

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