Sonntag, 14. August 2011

Bei deinem Entschlafen hast du die Welt nicht verlassen – Aufnahme Mariens in den Himmel


Bei deiner Niederkunft hast du die Jungfräulichkeit bewahrt, bei deinem Entschlafen hast du die Welt nicht verlassen, o Mutter Gottes. Du bist zurückgekehrt zum Quell des Lebens, die du den lebendigen Gott empfingst und durch deine Gebete unsere Seelen vom Tod befreien wirst.
(Troparion aus der byzantinischen Liturgie zum Fest der Entschlafung)


Die volkstümliche Bezeichnung Mariä Himmelfahrt ist sprachlich vielleicht ein wenig unglücklich, das Lateinische und andere Sprachen unterscheiden klar zwischen Auffahrt (Ascensio) und Aufnahme (Assumptio). In den liturgischen Büchern der lateinischen Kirche heißt das Fest daher Mariä Aufnahme in den Himmel. Dieses Fest mitten im Sommer ist eines jener seltenen und hohen, die eine Vorabendmesse mit eigenen Texten haben.

Die Ostkirche nennt das Fest Mariä Entschlafung (Dormitio), lehrt aber, daß das auf den Festikonen dargestellte Kind, das der neben dem Totenbett der Gottesmutter stehende Christus hält, die reine Seele Mariens und ihren Leib versinnbildlicht, die so direkt in das Himmelreich und Paradies Gottes gehoben werden.

Vorstellungen, wie das anatomisch genau vor sich ging, helfen bei der Assumptio wahrscheinlich genauso viel oder wenig wie bei der Ascensio. Es ist und bleibt ein Mysterium, im Falle der Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel ein sehr schönes.

Die Überlieferung berichtet, daß Maria nach der Auffahrt des Herrn im Haus des Apostels Johannes lebte, der mit ihr unter dem Kreuz gestanden hatte. Von diesem Haus ging sie oft auf den Ölberg hinaus und betete dort in der Einsamkeit, sie zog aber auch mit den Aposteln umher und predigte. Man weiß nicht, wie alt Maria geworden ist, es wird angenommen, daß sie ein höheres Alter erreichte. Drei Tage vor ihrem Tod kündigte ihr der Erzengel Gabriel ihren Heimgang an. Der Kirchenvater Johannes von Damaskus berichtet, daß sich in der Zeit bis zum Hinübergang die Apostel am Sterbebett der Gottesmutter versammelten.
Am dritten Tag, in der dritten Stunde, erfüllte ein göttliches Licht das Zimmer, in dem die allheilige Gottesgebärerin auf ihren Heimgang wartete. In diesem Licht kam der Herr Jesus Christus selbst mit einer Vielzahl von Engeln und Erzengeln herab. Maria übergab ihre Seele in die Hände des Sohnes, der die Seele seiner Mutter in den Himmel entrückte.
Als der Apostel Thomas später das Grab Mariens öffnen ließ, war es leer. Anstelle des Geruches eines Grabes entströmte ihm ein aromatischer Duft von Blumen und Kräutern (was der Ursprung des Brauches der Kräuterweihe am Fest sein dürfte). In einem anderen Bericht vom Hinübergang der Gottesmutter heißt es:
Und nachdem sie das Amen gesprochen hatte, legte sie sich auf das Ruhebett. Und siehe, plötzlich verbreitete sich ein starker Duft am ganzen Ort und ein helles Licht erschien im Haus, und Christus trat mit einer großen Schar von Engeln zu ihr – und er sprach zu uns: „Friede sei mit euch. Freue dich, o Maria, meine Mutter. Friede sei deinem Abschied aus dieser Zeit, in ein anderes wunderbares Licht. Friede sei mit euch, meine gesegneten Apostel.“ Danach wandte er sich an Maria, seine Mutter, und sprach: „O Maria, meine Mutter, keine Macht der Finsternis wird zu dir kommen können. (Denn) ich bin das Leben der ganzen Welt.“
Alle Glaubensgeheimnisse und Lehren der Kirche über Maria fließen aus dem Glauben daran, daß Maria die Mutter Gottes war, daß sie Gott getragen hat, wie es in dem griechischen Marientitel Theotokos unmittelbar zum Ausdruck kommt. Daraus kommt alles andere: der Glaube an die Bewahrung Mariens vor der Erbsünde, daß sie Jungfrau war und blieb, die besondere Verehrung, die sie unter den Heiligen genießt, und ihre Aufnahme in den Himmel. Der Leib, der Gott geboren hatte, sollte die Verwesung nicht schauen.

Maria ist die Mutter des Erlösers, aber sie ist auch unsere, wir nennen sie sogar Mutter der Kirche. Bei deinem Entschlafen hast du die Welt nicht verlassen, o Mutter Gottes – mit Recht nennen wir Maria unsere liebe Frau, denn sie ist es.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Danke für diesen schönen Beitrag.

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