Donnerstag, 7. Juli 2011

Verherrlicht Gott in eurem Leib – zum Martyrium der hl. Maria Goretti

Gestern war der Gedenktag der hl. Maria Goretti. Ich bin ein bißchen spät mit meinem Beitrag, aus verschiedenen Gründen (vor allem nachzuholender Schlaf), kam ich nicht dazu, termingerecht etwas zu bloggen. Nun aber.

Meines Erachtens wird bei dem Kampf, den die Heilige buchstäblich bis aufs Blut geführt hat, oft übersehen, daß sie ihn nicht vor allem deshalb geführt hat, um ihre eigene Reinheit zu bewahren, sondern die Reinheit der Seele ihres Mörders. Sie wollte nicht, daß er eine Todsünde begehe und dafür in die Hölle käme. Sterbend vergab sie ihm und betete für sein Seelenheil. Auf diesen Aspekt der heroischen Tugend, den die Heilige da geübt hat, bin ich im vergangenen Jahr kurz eingegangen. Abends hat dann in der Meßfeier zum Gedenktag unser Weihbischof em. Weider, der wirklich heiligmäßige Predigten hält, noch ausführlich über die Vergebungsbereitschaft gesprochen.

Es geht allerdings bei der Betrachtung der heroischen Tugend der hl. Maria Goretti eben nicht ausschließlich um die Vergebungsbereitschaft, sondern auch um die bewahrte Reinheit – dieser Aspekt ist mir bei manchem Beitrag, den ich in den letzten Tagen dazu gelesen habe, etwas zu kurz gekommen. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach wäre das nun eine Verkürzung in die andere Richtung. Nicht umsonst enthält die Lesung des Tages den wunderbaren Satz: Um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib aus dem 1. Korintherbrief. Es geht hier darum, mit dem Leib etwas ganz konkret auszudrücken, was man im Innersten fühlt. Tut man das nicht, verkopft und verkümmert der Glaube meiner Ansicht nach irgendwann und mag sogar ganz erlöschen.

Im Tagesgebet heißt es:
Gott, du bist die Quelle der Unschuld
und liebst den Adel der Keuschheit.
Du hast die heilige Maria Goretti
früh zur Vollendung geführt
und ihren Kampf um die Reinheit
mit dem Martyrium gekrönt.
Die Heiligsprechung Maria Gorettis war seinerzeit übrigens die erste, die nicht im, sondern vor dem Petersdom stattfand. Unter der halben Million Pilgern, die dazu herbeigekommen waren (die Fotos zeigen zeitgenössische Aufnahmen, die im amerikanischen LiFE-Magazin erschienen sind) waren die Mutter Maria Gorettis und ihr Mörder Alessandro Serenelli, der sich im Gefängnis bekehrt und eine grundlegende Wandlung durchgemacht hatte, so daß er bis zu seinem Tode als Gärtner bei den Kapuzinern lebte.




In seiner Predigt ging Papst Pius XII., dem die Tugend der Jungfräulichkeit so viel bedeutete, daß er eine eigene Enzyklika[1] – Sacra virginitas – darüber schrieb, darauf ein, daß es in dieser Welt immer einige Menschen, Männer wie Frauen, gibt, die Christus im Stand der Jungfräulichkeit nachfolgen, und daß von diesem Zeugnis eine besondere Zeichenhaftigkeit ausgeht, die anziehend wirkt. Die jungfräulichen Menschen sind jene, die das neue Lied singen, das niemand sonst singen kann: die Erstlingsgabe für Gott und das Lamm, wie es in der Offenbarung heißt.
Warum, geliebte Kinder, seid ihr so überaus zahlreich zur Verherrlichung dieses Mädchens herbeigeeilt? Warum seid ihr zu Tränen gerührt, wenn ihr sein kurzes Leben lest oder hört? Dieses Leben, selbst im unerwarteten, gewaltsamen Tod so schlicht und einfach, so durchsichtig und klar, so lebendig und anschaulich – daß man es mit einer evangelischen Erzählung vergleichen möchte? Warum hat Maria Goretti so schnell eure Herzen erobert, daß sie bereits eure Lieblingsheilige geworden ist, gleichsam der Benjamin unter euren Lieblingen im Himmel? Es muß fürwahr in dieser Welt, die sich doch von Lust und Vergnügen scheinbar mit fortreißen läßt, eine nicht kleine Schar von Auserwählten geben, die sich nach dem Himmel sehnt und in reinerer Luft atmen möchte, ja vielmehr eine große, unermeßliche Schar, auf die der himmlische Wohlgeruch christlicher Reinheit einen unwiderstehlichen Zauber und eine vielverheißende und doch beruhigende Anziehungskraft ausübt!
Zur Jungfräulichkeit führte er dann in einer Predigt am auf die Heiligsprechung folgenden Tag aus:
Das jungfräuliche Leben ist eigentlich das Vorrecht der Engel[2]. Doch hat das Christentum es auch unter den Menschen zu so erhabener Schönheit empor geführt, daß es die Erde weit unter sich läßt und des Himmels würdig wird. Verbindet sich die Jungfräulichkeit überdies mit der Palme des Martyriums, dann vereinigt sie in sich unberührte Lieblichkeit und Schönheit mit unbesieglicher Kraft; und alle, die sie erblicken, spornt sie zu jenen hohen und heiligen Werken an, die das christliche Sittengesetz fordert. Das alles bewundern wir im jungfräulichen Mädchen Maria Goretti, das wir gestern mit der Himmelsherrlichkeit der Heiligen auszeichnen durften.
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[1] Sehr zu empfehlen. Die Sprache ist erhaben und zugleich sehr einfach zu verstehen. Eines der Dokumente, bei denen ich gedacht habe: Ach, so schön und schlicht kann eine Enzyklika sein?
[2] Johannes von Damaskus, Vom rechten Glauben

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