Dienstag, 12. Juli 2011

Selig, die im Herrn sterben – sel. Karmelitinnen von Compiègne

Beati mortui qui in Domino moriuntur – selig, die im Herrn sterben.

Mahnmal für die sechzehn Karmelitinnen des Karmels von Compiègne. Es befindet sich an einer Mauer an der Stelle, hinter der ein Massengrab mit den Überresten von etwa 1300 Menschen, allesamt Opfer der blutigen französischen Revolution, gefunden wurde. Unter diesen waren die sechzehn seligen Märtyrinnen von Compiègne.

In der Zeit der französischen Revolution wurden als erstes Beamte der neuen Regierung in die klausurierten Konvente geschickt, um jede Schwester nach den Hintergründen ihrer Ordensberufung zu befragen und ihr die „Freiheit“ anzubieten, von ihren Gelübden entbunden zu werden. (Übrigens ein Akt der Welt, der in den Augen der Kirche nicht die geringste Bedeutung gehabt hätte).

Später, noch bevor man die Konvente auflöste und deren Mitglieder vertrieb, verbot man die Ablegung der Ordensgelübde dann ganz, in der Hoffnung, „das Problem“ werde sich in der Weise erledigen, daß die Konvente ohne Nachwuchs nicht überlebensfähig sein würden. Weit gefehlt, wie oft in der Verfolgung der Christenheit. Junge Frauen und Männer traten heimlich in Orden ein und legten im Geheimen die Gelübde ab.

Als die Examinatoren in den Karmel von Compiègne kamen, wollte keine Schwester den Konvent verlassen. Die Beamten kehrten mit Bewaffneten zurück, die sie als Wachposten im Kreuzgang Aufstellung nehmen ließen. Sie waren der irrigen Ansicht, die Schwestern hätten Angst, sich frei zu äußern, weil diese fürchteten, ihre Aussage werde mitgehört. Da bei Unterredungen mit klausurierten Schwestern, die am Klausurgitter stattfinden, meist die Priorin oder Novizenmeisterin anwesend ist, konnte dieser Eindruck aufkommen. Eigentlich empfangen Karmelitinnen im Sprechzimmer nur ihre Familie und deren engste Freunde.

Als die Reihe an die frühere Priorin Mutter Henriette von Jesus kam, übergab sie den Beamten am Gitter einen Zettel und bat sie, diesen an ihrer Statt laut vorzulesen:
Wie falsch sind die Urteile,
die die Welt über uns fällt!
Ihre abgrundtiefe Ignoranz
mißbilligt unsere Gelübde.
Alles, womit sie sich schmückt,
ist schiere Eitelkeit.
Ihre einzige Wirklichkeit
ist die Sorge, die sie verschlingen wird.

Ich verachte ihren Stolz.
Ich sehe ihre Schmähungen als Ehre an
und gebe meinen Ketten den Vorzug
vor ihrer falschen Freiheit.

O freudenreicher, o stets heiliger Tag,
an dem ich, als ich mich dem Karmel versprach,
das Herz Gottes gewann.

O geliebte und teure Bande,
ich stärke euch an jedem Tag.
Alles, was mir die Welt zu bieten hätte,
erscheint in meinen Augen wertlos.
Euer Sarkasmus, Weltleute,
ist, verglichen mit meiner Glückseligkeit,
ein verräterisches Zeichen:
daß Freude alle Sorgen aufwiegt,
denen eure Seelen zum Opfer fallen.

Kommentare:

Rosenrot hat gesagt…

Sehr beeindruckend. Darauf beruht ja auch der Roman "Die Letzte am Schafott". Hm, den werde ich mir mal gleich beschaffen by the way.

Tiberius hat gesagt…

Danke! Dieses Zeugnis ist besonders heute noch von großem Wert. Ich wünschte, das wir es uns alle als Vorbild nehmen - die Gefahr des Scheiterns eingeschlossen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja. Beim Übersetzen des Zettels der Schwester habe ich auch gedacht, daß das eigentlich ein völlig zeitloses Zeugnis ist.

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