Mittwoch, 27. Juli 2011

Nachtrag zum Gedenktag der hll. Anna und Joachim

Etwas spät, aber ich kam gestern nicht mehr dazu, diesen Beitrag zu veröffentlichen:

Sehr aufmerksame Leser des Blogs haben vielleicht bemerkt, daß die hier erwähnte Gründerin der Society of the Helpers of Mary, Sr. Anna Huberta Roggendorf, eine von drei Schwestern war, die alle den Ordensnamen Anna trugen. Diese Namensgebung mag damit zusammenhängen, daß die drei auch leibliche Schwestern gewesen sind. In jedem Fall hatte sie wie auch ihre Schwestern Sr. Anna Xaveria und Sr. Anna Maria gestern Namenstag.

Die hl. Anna ist für mich eine eher „apokryphe“ Heilige (das heißt, wir wissen eigentlich nur aus apokryphen Schriften von ihr, in diesem Fall dem Protoevangelium des Jakobus. Wiederum erscheint die Logik, warum eine Schrift von der Kirche letztlich zu den kanonischen gerechnet oder als apokryph bezeichnet wurde, manchmal nicht recht durchschaubar).

Mit der Darstellung des alten Schotts, die im wesentlichen darauf hinauslief, die Charaktereigenschaften Marias auf ihre Mutter Anna zu übertragen, kann ich nicht so viel anfangen. Wie oft unterscheidet sich ein Kind doch sehr von seinen Eltern oder auch nur von einem Elternteil (womit ich nichts gegen die hl. Anna gesagt haben will). Die Geburt einer Tochter, die von allem Anfang vom Makel der Erbsünde bewahrt blieb, mag auch Anna geheiligt haben. Wie dem auch sei: sie war die Großmutter Jesu. Bei der Reform des liturgischen Kalenders legte man den Gedenktag der hl. Anna mit dem des hl. Joachim zusammen, der vorher im August gefeiert wurde.

Interessant finde ich einen bestimmten Typus Bild wegen seines altertümlichen Namens: Anna selbdritt. Das heißt, das Bild ist eine Darstellung der hl. Anna mit ihrer Tochter und dem Jesuskind. Zuweilen sind auch noch andere Heilige dabei, wie oben etwa die hl. Ursula, gut erkennbar an den Pfeilen, die sie trägt. Manchmal ist Maria auch als junges Mädchen oder etwas kleiner dargestellt – ein Generationenbild also.

Dieses Motiv verdeutlicht, worum es bei der Verehrung dieser Heiligen auch geht: in Jesus, der für uns Mensch geworden ist, ist ein Stück von seiner menschlichen Großmutter „drin“, er hatte Großeltern wie wir. Die meisten Kinder lieben gerade ihre Großeltern sehr (als Kind habe ich viel mehr Zeit mit meiner Oma verbracht als mit meinen Eltern).

Eine kleine Randbemerkung: In den Fürbitten der gestrigen Abendmesse wurde eigentlich für alle Generationen gebetet, die auf einer solchen Selbdrittdarstellung abgebildet sind: für die Großeltern, die Mütter (und auch die Väter). Blieben im Fürbittbuch übrig: „die ungewollt Alleinstehenden, daß sie ihren Stand als Aufgabe erkennen und meistern“. Heiliger Bimbam! Was ist denn mit dem, der da auch auf dem Bild ist, und dem einige von uns sehr gewollt in der Ehelosigkeit nachstreben? Gedacht, getan: „Für alle, die im Stand der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen leben: daß sie Christus freudig nachfolgen.“

Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Meiner Erfahrung nach bekommt man seine Eltern - zumindest große Teile davon - in seinen Kindern noch einmal vorgesetzt. Manche Eigenschaft scheint eine Generation zu überspringen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Hmm, manchmal sind die Bemühungen um Abgrenzung aber auch sehr ausgeprägt. Es mag sein, daß man dann in der Mitte des Lebens mit einem gewissen Unbehagen Eigenschaften oder auch nur Arten, sich zu geben, zu reden, an sich entdeckt, die man einst bei seinen Eltern ganz furchtbar fand. Ein spannendes Thema.

Tiberius hat gesagt…

Ja, an mir kann ich das bereits feststellen.

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