Donnerstag, 28. Juli 2011

Kometen im Evangelium – Gedenktag der hl. Martha, Jungfrau

Ein Prediger hat das Erscheinen Marthas und Marias im Evangelium kometenhaft genannt. Ich denke, das trifft es ziemlich gut. Die Gestalten Marthas und Marias erscheinen in der Tat wie Kometen, die über den Himmel des Evangeliums ziehen, eine helleuchtende Spur hinterlassen und wieder verschwinden.

Die beiden tauchen im Lukasevangelium später nicht mehr auf. Die Tradition sieht sie als Martha und Maria von Bethanien, deren Bruder Lazarus von den Toten auferweckt wurde. Später wurde aus Maria die Frau, die Jesu Füße salbte, und noch später verschmolz diese Maria mit der Gestalt der Maria Magdalena (weshalb wir keinen eigenen Feiertag für Maria von Bethanien haben).

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem, wo sich sein Weg vollenden wird – der Weg ans Kreuz. Als die Zeit herankam, in der er in den Himmel aufgenommen werden sollte, entschloß sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. (Lk 9, 51-53)

Irgendwann auf dem Weg nach Jerusalem muß sich Jesus von den Jüngern getrennt haben, denn er ist allein, als ihn Martha und Maria aufnehmen und bewirten, mit dem bekannten Verlauf: Maria setzt sich zu seinen Füßen und überläßt Martha die Gastgeberpflichten. Martha ärgert sich und fängt sich einen Tadel des Herrn ein. Jeder weiß: Tadel von Menschen, die man verehrt oder hochschätzt, sind schmerzlich. Jedoch muß man, um sich damit auseinandersetzen und vielleicht etwas daraus lernen zu können, auch wissen, worum es eigentlich geht. Die Übersetzung Luthers bleibt an dieser Stelle etwas ungenau: Der Herr antwortete: Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen und Mühen. In einer wortgetreueren Übersetzung heißt es allerdings: Martha, Martha, du sorgst dich und schaffst Unruhe um vieles.

Es geht also nicht darum, daß Martha gearbeitet hat, sondern daß es im Geist und Gefühl des Unfriedens geschehen ist. Man kann arbeiten oder zuhören und betrachten, es ist Gott beides wohlgefällig. Man kann Gott zwischen den Kochtöpfen finden oder Seelen retten, indem man auch nur eine Nadel vom Boden aufhebt (wie es die beiden Theresen, die große und die kleine, formuliert haben) aber es muß eben aus Liebe geschehen.

Wenn ich mir einige Darstellungen der hl. Martha so ansehe, wer wäre da nicht lieber die hübsche, schlanke Maria, die zu Füßen des Herrn sitzt, als Martha, die das Brot bäckt und vom Illustrator des Stundenbuches gleich die entsprechende Figur dazu mitbekommen hat? Jedoch wird auch Brot gebraucht und vom Zuhören allein wird es nicht fertig.

Mary Francis Aschmann PCC hat den Gedanken formuliert, daß Maria und Martha gewissermaßen zwei Seiten ein- und derselben Medaille sind. Es gilt, neben all der Unrast und dem Getriebensein des Alltags immer wieder der Maria, dem Hören und Schauen auf Christus, dem etwas Lernenwollen und dem Gebet in uns Raum zu geben. Tun wir es nicht, so verkümmert und verdorrt unser inneres Leben. Aber auch Martha darf nicht geringgeschätzt oder mit einem schrägen Blick bedacht werden, denn sie ist nicht nur die Unruheschafferin, sondern auch die, die etwas zuwege bringt und wegschafft – es kommt darauf an, mit welcher Absicht und ob man es im Geist der Liebe tut, so daß man dabei den göttlichen Glanz auf dem Antlitz Christi nicht aus den Augen verliert.

Daß Marthas Geschäftigkeit sie nicht daran hinderte, Christus wahrhaft zu erkennen, ist uns ebenfalls überliefert: Ja, Herr, ich glaube, daß du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Das Tagesgebet des morgigen Festes der hl. Martha weist darauf hin, daß diese den Herrn selbst in ihrem Haus aufnehmen und bewirten durfte. Eigentlich dürfen wir das alle immer wieder – der Kirchenvater Augustinus schreibt dazu:
Martha und Maria waren Schwestern, verwandt nicht nur im Blute, sondern auch durch geistliches Streben. Sie waren dem Herrn eng verbunden und dienten ihm eines Sinnes, als er bei ihnen weilte. Martha nahm ihn auf, wie man Reisende aufnahm. Aber in ihrem Falle empfing die Magd ihren Herrn, das Geschöpf seinen Schöpfer, um ihm irdische Nahrung zu reichen, während sie die Nahrung des Geistes aufnahm. Keiner von euch sollte sagen, „Gepriesen seien die, die würdig waren, Christus in ihrem Heim aufzunehmen“. Betrübt euch nicht und klagt nicht, daß ihr zu einer Zeit geboren wurdet, in der ihr Gott nicht mehr in seinem Leibe schauen könnt. Tatsächlich hat er euch dieses Vorrecht nicht genommen. Wie er sagt: Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

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