Sonntag, 10. Juli 2011

Es war in ihm eine letzte Sicherheit – Abschied von Kardinal Sterzinsky

Schon bevor wir am Dienstag abend den Sarg unseres verstorbenen Herrn Kardinals liturgisch in der Kathedrale empfangen haben, ist es mir wirklich bewußt geworden: er kommt jetzt ein letztes Mal in die Kathedrale und bleibt für immer. Daß sich die Grablege der Berliner Bischöfe in der Krypta befindet, auf der das ganze Gebäude ruht, ist sehr schön und angemessen.

Die Predigt beim Requiem hielt Bischof Wanke über das Evangelium aus Matthäus 11, 28. Er erinnerte an den schweren Dienst, den Kardinal Sterzinsky als Bischof geleistet hat und nannte den Kardinal einen Lastenträger, der bereitwillig sein Joch aufnahm und sich zugleich in Gott geborgen wußte: Inmitten der Stürme und all der Turbulenzen, die die Dienstjahre für unseren Mitbruder bereit hielten – es war in ihm eine letzte Sicherheit, die er selbst gern in die Worte faßte: „Vertrauen und Gelassenheit, Gehorsam und Ergebung“. – Kardinal Sterzinksy war wirklich ein denkbar bescheidener und williger Lastenträger. Verschiedentlich ist mir in den Sinn gekommen, daß er seinen Dienst auch als selige Last bezeichnet hat.

Von der mehrstündigen Fernsehübertragung des Requiems für die in den Tagen vorher die Kathedrale multimedial umgerüstet wurde, habe ich natürlich nichts gesehen (und auch mangels Rekorder nichts aufgezeichnet), aber ich war ja selbst dabei, das ist viel mehr wert, als alle Bilder jemals aussagen könnten. Hier gewinnt man beim rbb einen kurzen Eindruck, sehr schön auf die warmherzige Predigt Bischof Wankes ein geht dieser Beitrag von Radio Vatikan.




Die Beisetzung in der Unterkirche leitete sehr schön und würdig Weihbischof em. Weider. Das Sterbebildchen des Kardinals zeigt einen Ausschnitt des großen Wandgemäldes in Regina Martyrum mit dem Osterlamm.

Ein ergreifender Moment ist der Anblick des Kelches und der Stola auf dem Sarg bei der Beerdigung eines Priesters, wesenhafte Zeichen seines Dienstes an uns, die zu ihm gehörten und ihn seit seiner Weihe begleitet haben.

Am Rande der Feier gab es schöne und auch bewegende Begegnungen, etwa mit der Frau aus der Gemeinde, die sich ausdrücklich bei mir für das treue Gebet für den Bischof bedankt hat und daß ich ihn dabei „unseren lieben Bischof“ genannt habe. Das hat mich sehr gerührt, denn so habe ich es empfunden, und die Frau ganz offensichtlich auch. Zelatus grüßt aus Wigratzbad, und Blogger bzw. Blogleser waren auch da.

Als wir Ministranten dann später als Ehrenwache beim Grab standen und ich den Stab mit der gesenkten Krümme hielt, ging mir ein Gedanke durch den Kopf, der mich schon bei der Ankunft des Sarges in der Kathedrale und der darauf folgenden langen nächtlichen Totenwache bewegt hatte: daß das vielleicht die letzten Dienste sind, die ich meinem verstorbenen Bischof tun kann. Bis mir wieder ganz klar wurde – es gibt keinen „letzten Dienst“, jedenfalls nicht, solange wir leben. Für den Verstorbenen und sein Heil zu beten ist auch ein Dienst, einer, den man leisten kann, solange man lebt. So flossen alle Gedanken bei der Wache in dem einen zusammen: Erbarme dich deines Dieners Georg und vergilt ihm all das Gute, was er zu unserem Heil getan hat.

Kommentare:

Phillip hat gesagt…

Die Zelebranten tragen schwarze Messgewänder, oder?

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja. WIr haben dankenswerterweise in der Kathedrale schwarze Paramente, die mir auch sehr gut gefallen. In der Akademie wurde das Requiem auch in schwarz gefeiert.

Anonym hat gesagt…

Warum wurde nur der Hirtenstab mit der Krümme nach unten getragen und nicht auch, wie sonst bei Bischofsbeerdigungen üblich, die Mitra mit der Spitze nach unten?

Braut des Lammes hat gesagt…

Weil der gesenkte Bischofsstab die erloschene Hirtengewalt des verstorbenen Bischofs symbolisiert. Ein Bildervergleich zeigt auch, daß es anderswo genauso gehalten wurde.

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