Sonntag, 3. Juli 2011

Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand – Requiem für Georg Kardinal Sterzinsky

Ein Requiem ist nicht nur für den Toten, wir feiern es auch zum Trost der Lebenden. Das war jedenfalls mein Eindruck bei den Heiligen Messen, die bisher als Requiem für unseren verstorbenen Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky gefeiert wurden. Bei der Messe heute in der Akademiekirche, die wir auch als Requiem gefeiert haben, wies Pfr. Karlson darauf hin, daß nach altem Brauch neun heilige Messen – eine ganze Novene – als Requiem für einen verstorbenen Diözesanbischof gefeiert wurden und hielt uns eine bewegende Predigt, die viel vom Wesen des verstorbenen Kardinals einfing. Der Kardinal war, worauf er auch verschiedentlich in seinen Predigten hingewiesen hat, ein großer Verehrer der kleinen heiligen Therese, und ich glaube tatsächlich auch, daß ihm diese anspruchslose kleine Heilige Kraft gegeben hat für sein schweres Amt.

Obwohl wir dieses Requiem mit eigens ausgesuchten Lesungen (sehr schön aus dem Buch der Weisheit: Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand und keine Qual kann sie berühren) gefeiert haben, hätte auch das Evangelium des heutigen 14. Sonntags im Jahreskreis gut zum Kardinal gepaßt: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, ich will euch Ruhe verschaffen. Und auch die erste Lesung vom Einzug des demütigen Königs, der auf einem Esel einzieht, erinnert mich irgendwie an den denkbar bescheidenen und anspruchslosen Kardinal. Eines der Dinge, die mir ebenfalls von ihm bleibt, ist, daß er sein Geld ganz offensichtlich nicht in Brillengestelle investiert, sondern lieber für Bücher ausgegeben hat. Georg Kardinal Sterzinsky hinterläßt eine umfangreiche Bibliothek theologischer und auch mystischer Werke – mehrere zehntausend Bände –, die künftig in der katholischen Akademie zugänglich sein wird. Das freut mich wirklich.

Daß Bischöfe in der Kirche begraben werden, der sie treu gedient haben, ist ein alter Brauch. Der Kardinal zu Lebzeiten hat dies in seinen letzten Jahren klar vor Augen gehabt. „Da komm ich mal rein!“, pflegte er an der entsprechenden Stelle gern einmal zu sagen. Daß die sterblichen Überreste Georg Kardinal Sterzinskys in der Unterkirche, eigentlich der Krypta, der Hedwigskathedrale ruhen werden, nur wenige Meter vom Allerheiligsten entfernt, ist zumindest mir ein Trost.

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