Donnerstag, 14. Juli 2011

Das ist die einzige Waffe, die wir je in unserem Haus gehabt haben

Marsch für das Leben –
das ist die die einzige Waffe, die wir je in unserem Haus gehabt haben

Tiberius hat einen Beitrag mit einem Video der Mobilmacher gegen den Papstbesuch eingestellt, und ich gebe ihm recht: es wird mit offener und verdeckter Gewaltandrohung gearbeitet – erschreckend. Zum Ton des Videos: Vorsicht, akute Ohrenkrebsgefahr. Es steht zu vermuten, daß die „Musik“ zusätzliche Aggressionen schüren soll, falls die Bilder etwa nicht dazu ausreichten. Zu den Bildern muß man fragen: was wollt ihr eigentlich (außer auf Krawall bürsten natürlich)?

Irgendwie bedürfen die Macher solch unsäglicher Blödigkeiten vor allem unseres Bedauerns, habe ich manchmal den Eindruck. Denn um eine Aufnahme der Hedwigskathedrale mitsamt dem Bernhard-Lichtenberg-Haus mit dem Wort „Antisemitismus“ zu untertiteln, dazu muß man in der Tat schon ziemlich verblödet sein. Zur Erinnerung: Bernhard Lichtenberg, nach dem das Lichtenberg-Haus benannt ist, war jener Dompropst der Hedwigskathedrale, der öffentlich für die Juden eintrat und für sie betete, weshalb er schließlich das Martyrium erlitt. Unmittelbar vor seiner Verhaftung hatte er noch eine Kanzelvermeldung verfaßt:
In Berliner Häusern wird ein anonymes Hetzblatt gegen die Juden verbreitet. Darin wird behauptet, daß jeder Deutsche, der aus angeblicher falscher Sentimentalität die Juden irgendwie unterstützt, Verrat an seinem Volke übt.

Laßt euch durch diese unchristliche Gesinnung nicht beirren, sondern handelt nach dem strengen Gebote Jesu Christi: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Sieht so Antisemitismus aus? Wohl kaum. Sich solcherart und öffentlich als völlig ignorant zu outen, ist den Machern solcher Filme und den Teilnehmern der Gegendemonstrationen allerdings nichts Neues. Ich erinnere an den Marsch für das Leben von vor zwei Jahren, als am Bebelplatz – dem Ort der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten – jemand dem am Marsch für das Leben teilnehmenden Weihbischof Laun eine brennende Bibel vor die Füße geworfen hat.

Der Abschlußgottesdienst zum Marsch für das Leben findet in der Hedwigskathedrale statt, in deren Krypta der selige Bernhard begraben liegt. Er hat während seiner Haft niedergeschrieben: Wir sollen alles im Lichte der Ewigkeit ansehen, beurteilen und danach handeln. Die Richtschnur unseres Handelns ist dabei unser Gewissen.

Rein zufällig fand ich mich nach dem Marsch 2009 später selbst im Web wieder und erfuhr dabei, daß ich an „einer Zurschaustellung christlicher Frauenfeindlichkeit“ teilgenommen hatte. Aha. Eine kleine Anmerkung zum Thema „…feindlichkeit“: ein Ausdruck wie „Religiot“ ist natürlich wunderbar unvoreingenommen, und so menschlich. Immerhin ist der Beitrag ja beim humanistischen pressedienst [sic!] erschienen. Die Teilnehmer am Marsch für das Leben gehen diesen schweigend. Währenddessen werden sie auch beschimpft, gestört, belästigt und bedroht. Trotzdem und trotz des lebensfreundlichen Anliegens des ganzen Marsches sind die Marschierer „feindlich“. Das verstehe wer will, ich jedenfalls nicht.

Lassen wir die Autorin Laura Kase vom sogenannten humanistischen pressedienst (waren die Großbuchstaben grade ausgegangen?) selbst kurz zu Wort kommen, die seinerzeit ihre „Impressionen“ schilderte (Anmerkungen und Hervorhebungen von mir):
In dunkler Trauerkleidung und mit weiß bemalten Holzkreuzen bewaffnet nutzten Sie [sic!] die weit verbreitete apolitische Haltung der deutschen Bevölkerung gegenüber dem Thema Abtreibung für ihre frauenfeindliche und religiöse Agenda. …

Das erklärte Ziel der Frauenrechtler war es, den marschierenden Kreuzträgern selbige abzunehmen, um sie in der nahe liegenden Spree zu versenken. Der Erfolg dieser Aufgabe fiel aufgrund des starken Polizeischutzes für die Fundamentalisten eher dürftig aus. [Und das ist auch gut so.]

Als die Demonstration vor der St. Hedwigskathedrale ihren Abschluß fand, war die komplette Trennung der beiden Kundgebungen schließlich perfekt, da die selbst ernannten „Lebensschützer“ einem abgeschirmten Gottesdienst in der Kathedrale des Erzbistums Berlin beiwohnten [Wie absolut ungeheuerlich! Wie konnten sie nur einen Gottesdienst feiern?] während die Feministen und Humanisten jenseits der kompletten Absperrung der Kirche unermüdlich weiter lärmten, trommelten und demonstrierten. [Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch. (1. Petrus 4,14)]
Der Gottesdienst war übrigens mitnichten „abgeschottet“, schließlich waren die Türen der Kathedrale offen. Eierwerfen während der Andacht haben wir allerdings nicht so gern, schon weil es der Andacht abträglich ist, und ziehen es daher unbedingt vor, Eier- und Sonstwaswerfer des Hauses zu verweisen. Aus Hühnereiern brät man ohnehin besser ein Omelette, das freut auch den Küster, der sonst den Dreck wegmachen müßte. Den Rest von Kases Machwerk (und ähnliches) erspare ich euch lieber, gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.

Dem Aufruf Tiberius' schließe ich mich von Herzen an: Unser Zeugnis ist gefragt. Sammelt Euch um den Heiligen Vater. Geht mit uns den Marsch für das Leben. Kommt nach Berlin!

In einem hatte die Autorin des obigen Beitrags recht: das Kreuz ist eine machtvolle Waffe. Die Priorin der sechzehn seligen Karmelitinnen von Compiègne hielt, als man ihr vorwarf, die Karmelitinnen hätten Waffen im Karmel, ein Kreuz in die Höhe und sagte: „Das ist die einzige Waffe, die wir je in unserem Haus gehabt haben!“ Also, in diesem Sinne: kommt nach Berlin. Wir waffnen uns mit dem Zeichen des Kreuzes und stellen uns unter seinen Schutz.

Kommentare:

Josef Bordat hat gesagt…

Vielen Dank für diesen Artikel! Ich war 2009 auch dabei, kann leider in diesem Jahr nicht mitgehen.

Das mit dem Kreuz als Waffe erinnert mich an ein Gespräch mit einem koptischen Priester, der davon berichtete, im Flughafen an der Sicherheitskontrolle für Wirbel gesorgt zu haben, weil er einen pistolenartigen Gegenstand unter seinem Gewand verbarg - sein Kreuz, das er als Kopte stets in der Hand hält und damit wirklich trägt.

JoBo

Papsttreu im Pott hat gesagt…

Guter Bericht! Wir sehen uns in Berlin!!!

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