Sonntag, 17. Juli 2011

Auf dem Weg zur Stazione Termini…

Die heutige zweite Lesung liebe ich sehr, zugleich erscheint sie mir fundamental wichtig. Wenn ich, was auch vorkommt, im Gebet eine Trockenheit erlebe, wenn ich mich einfach nicht sammeln kann, mir beim Gebet der Kopf nach vorne fällt oder ich einfach nicht weiß, was das rechte ist – der Geist selbst weiß es. Und das schöne ist: Der Geist, der Fürsprecher, tritt, so wie Gott es will, für die Heiligen ein. Auch hat da einer Worte, wo sie mir nicht zu Gebote stehen, ja mehr noch: ein unaussprechliches Seufzen. Ich finde das, was in diesen beiden kurzen Versen des Römerbriefes betrachtet und gelehrt wird, wunderbar tröstlich:
Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.
Und Gott, der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist: Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.
Dieses schöne Fundstück über den Geist Gottes verdanken wir P. Willibrord Driever OSB, der es in Rom auf dem Weg zur Stazione Termini in einer Kirche entdeckt und dankenswerterweise für uns übersetzt hat. Ich habe stellenweise etwas anders übersetzt – die Freiheit des Übersetzers – finde die Gegenüberstellung aber auch sehr ansprechend (das italienische Original findet man bei P. Willibrord)
Ohne den Heiligen Geist
ist Gott fern,
Christus irgendwo, weit weg,
das Evangelium toter Buchstabe,
die Kirche nur eine Organisation,
die Autorität Herrschaft
die Mission Propaganda,
die Liturgie einfache Beschwörung,
die christliche Lebensführung Sklavenmoral.

aber in ihm
wird die Schöpfung verklärt und stöhnt unter der noch ausstehenden Vollendung des Gottesreiches,
ist der auferstandene Christus uns nahe,
wird das Evangelium zu einer lebendigen Kraft,
bezeichnet die Kirche die dreifaltige Gemeinschaft,
wird die Autorität zu einem Dienst der Befreiung,
die Mission zu einem Pfingsten,
die Liturgie zu einer Gedächtnisfeier und zu einer Vorwegnahme der Vollendung,
das Handeln des Menschen geheiligt.

Kommentare:

Oremus hat gesagt…

Was für ein Fundstück - werde auch Giovanni darauf aufmerksam machen, unseren ganz großen Romliebhaber!
Vielleicht darf ich es auch bei mir zitieren, mit einem "kleinen Kunstgriff" lässt sich der Text auch beten, z.B. im Gedenken all derer, die Gott nicht sehen wollen (können) und denen nur eine Sicht der Welt "ohne Geist" gegeben ist... nur so ein Gedanke.
Lieber Gruß und Gottes Segen!

Braut des Lammes hat gesagt…

Natürlich darfst du das bei dir zitieren :) Der Text selbst stammt offenbar von dem Patriarchen Athenagoras.

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