Mittwoch, 13. Juli 2011

450jähriges Bestehen der Basiliuskathedrale

Da ich über etwas Schönes bloggen möchte, schreibe ich ein wenig über die Basiliuskathedrale (die mit den ungewöhnlich bunten Türmen am Kreml) die gestern ihr 450jähriges Bestehen gefeiert hat, was sogar Google mit einem eigenen Logo honorierte.

Die Basiliuskathedrale ist eigentlich dem Schutz und der Fürbitte der Gottesmutter am Graben geweiht. Die bunten Turmhelme, die mich in ihrer Farbenfreude schon als Kind fasziniert haben, gibt es übrigens noch gar nicht so lange. Der Name Basiliuskathedrale bezieht sich auf einen der „heiligen Narren“, der an der Stelle begraben liegt, an der später die Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale am Graben errichtet wurde.

Zuvor stand am selben Ort schon die Kirche der heiligsten Dreifaltigkeit. Diese ließ Iwan der Schreckliche (wer sonst?) wegen des Sieges des russischen Heeres über die Mongolen und der Eroberung Kasans errichten; der Bau wurde 1561 fertiggestellt. Bei der Überlieferung, daß Iwan die Baumeister hat blenden lassen, damit sie nirgendwo etwas annähernd Vergleichbares bauen konnten, dürfte es sich um einen sehr frühen urbanen Mythos handeln. Über das weitere Schicksal der Erbauer Barma und Postnik Yakovlev ist eigentlich nichts bekannt.[1]

Auch rätselt man bis heute an der Vision herum, die hinter dem Grundriß der Kathedrale steht. Die Baumeister Yakovlev mögen sich am Grundriß Jerusalemer Kirchen orientiert haben, vielleicht errichteten sie auch acht Kirchen um eine zentrale neunte herum. Was zunächst wie eine verrückte Kreuzung aus Sandburg und Disneyland aussieht, ist in Wirklichkeit überraschend symmetrisch: der Grundriß entspricht dem eines achtzackigen Sternes. Eine neunte Kapelle wurde von dem Zaren Fjodor Iwanowitsch 1588 über dem Grab des hl. Basilius errichtet. Als die Kathedrale errichtet wurde, war sie ursprünglich weiß, die Zwiebeltürme mit Gold bedeckt und glatt. Mittlerweile liegt all das unter architektonischen Verzierungen, Beigaben, Anbauten und Farbe. Was herausgekommen ist, ist auch schön.

Die farbigen und verzierten Turmhelme etwa stammen aus dem 17. Jahrhundert. Seit 1860 scheint die Kathedrale in ihrer Gestalt weitgehend unverändert. 1929 wurde die Kathedrale geschlossen; die Glocken wurden abgenommen.

Der völligen Zerstörung durch die Sowjets – Stalin wollte natürlich genau an dieser Stelle paradieren lassen – entging die Kathedrale dank des Mutes des Architekten Piotr Baranowski. Als man ihn aufforderte, die Zerstörung der Kathedrale vorzubereiten, weigerte er sich und sandte ein recht eindeutiges und unverblümtes Telegramm an den Kreml. Die Kathedrale blieb daraufhin wie sie war, Baranowski brachte seine Weigerung fünf Jahre Gefängnis ein. 1990 fing man damit an, die Glocken wieder zusammenzusuchen und in die Kathedrale zurückzubringen. Es handelt sich dabei um insgesamt neunzehn Glocken, deren älteste aus dem Jahr 1547 stammt.


Die Ikonostase in der Basiliuskathedrale

Leider ist die Kathedrale nun nur noch ein Museum, aber auch das mag sich mit der Zeit wieder ändern. Einmal im Jahr, zum Gedenktag der Fürsprache der Gottesmutter am Graben, wird dort der Gottesdienst gefeiert.

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[1] Genau genommen steht nicht einmal fest, ob es sich um Verwandte oder nicht doch um eine einzige Person handelt und wie diese genau hieß.

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