Samstag, 18. Juni 2011

Wo das Licht ist, da ist auch sein Glanz – Fest der hl. Dreifaltigkeit

Ich lese die Kirchenväter und die Predigten mancher Priester sehr gern zur Betrachtung. Die Herzen der Menschen zu berühren und zugleich verständlich zu sprechen, ist ein echtes Charisma des Geistes, um dessen Gaben wir in diesen Tagen gebeten haben.

Viele der Schriften der Kirchenväter sind außerordentlich schön, etwa dieser kurze Auszug aus einem Brief des Kirchenvaters Athanasius an den Bischof Serapion zur Vigil des Hochfest der Dreifaltigkeit, das der Oktavtag des Hochfestes Pfingsten ist.
Denn die Gaben, die der Geist den einzelnen zuteilt, werden vom Vater durch den Sohn gegeben. Alles nämlich, was dem Vater gehört, gehört auch dem Sohn. Deshalb sind Gaben, die vom Sohn im Geist gegeben werden, wahre Gnadengaben des Vaters. Und wenn der Geist in uns ist, so ist auch das Wort, von dem wir ihn empfangen, in uns, und im Wort ist auch der Vater. Und so erfüllt sich in uns das Wort: Wir werden kommen – ich und der Vater – und bei ihm wohnen. Wo nämlich das Licht ist, da ist auch sein Glanz; wo der Glanz ist, da ist auch sein Wirken und seine strahlende Gnade.
Alle liturgischen Texte des morgigen Tages scheinen sich in Jesu Wort im Tagesevangelium zu kristallisieren: Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

Eine ausgesprochen schlichte Begründung, wieso der Kirche der heilige Geist gegeben wurde und über das Wesen der hl. Dreifaltigkeit hat der vor einigen Jahren verstorbene Metropolit von Sourozh, Anthony Bloom, niedergeschrieben; ein russisch-orthodoxer Bischof, der im Ruf der Heiligkeit steht. Er schließt mit den Worten: Wie wunderbar ist unser Gott! Mit wieviel Dankbarkeit können wir an ihn denken. – Darum geht es beim Fest der heiligsten Dreifaltigkeit.
Wir vergessen, daß der Christus der Himmelfahrt in seinem Leib mit all den Wunden, die ihm um unserer Sünden willen zugefügt worden sind, zum Himmel aufgestiegen ist. Gleichsam trägt deshalb völlig unfaßbar nicht nur der auferstandene, sondern auch der zum Himmel aufgefahrene Christus, eingetreten in die Herrlichkeit Gottes und sitzend zur Rechten Gottes, des Vaters, an seinem menschlichen Leib die Wunden, die ihm um der Sünden der Menschen willen zugefügt wurden. Weiterhin trägt er auf seinen Schultern die menschliche Schwachheit. Die Auferstehung Christi, sowie die furchtbaren Tage der Karwoche sind jetzt eingeschlossen in das Mysterium des dreieinigen Gottes, der heiligen, unfaßbaren und großartigen Dreifaltigkeit. Aller Kummer der Erde, alle Schmerzen, alles Grauen lagen auf Christus, und er hat dies alles nicht von sich geworfen, weder bei der Auferstehung noch bei seiner Himmelfahrt in die Herrlichkeit. Christus bleibt das Lamm Gottes, das zum Heil der Welt vor Anbeginn der Erschaffung der Welt geschlachtet wurde.

Und als er zu Pfingsten den Heiligen Geist auf seine Jünger, auf die Apostel, auf die Kirche, auf die ganze Welt herabsendet, tut er dies, sagen wir, auf zweierlei Weise. Einerseits tragen nach den Worten des Apostels Paulus wir, der Leib Christi, der lebendige, durch die Jahrtausende hindurch gequälte und verwundete Leib Christi, an uns die Wunden des Heilands weiter, indem wir an uns die irdischen Leiden und körperlichen Schmerzen, von denen Christus verschont blieb, ertragen. Durch die Jahrhunderte hindurch ist die Kirche berufen, der Leib Christi zu sein, der gebrochen wird für das Heil der Welt. Und uns als Leib, ob wir seiner nun würdig sind oder nicht, wird nur deshalb, weil wir Christen sind, weil wir die Kirche sind, die Gabe des Heiligen Geistes zuteil.

Der Heilige Geist kommt auf uns nicht nur deshalb herab, weil wir bereits in unfaßbarer Weise mit Christus verbunden sind, sondern auch deshalb, weil wir schwach sind, kraftlos, und sündigen, weil nur die Kraft Gottes, die ihr Werk menschlicher Schwäche helfend vollbringt, uns zum Heil führen kann. Wir erhalten die Gabe des Heiligen Geistes nicht nur als Leib Christi, sondern auch ganz im Gegenteil als Gemeinschaft der Sünder, die wir verzweifelt die Kraft Gottes anrufen für unser Heil …
Wir können, wie schwach und sündig wir auch immer sein mögen, wieder und wieder im großen Maße die Gnade empfangen, die uns Gott näher bringt, die uns Gottes Freunde werden läßt, jenes Gottes, der in die Herrlichkeit eingegangen ist in einem Leib wie dem unsrigen, der um unserer Sünden willen zerschunden ist und nicht verheilt, solange wir weiterhin sündigen.

Wie wunderbar ist unser Gott! Mit wieviel Dankbarkeit können wir an ihn denken. Er liebt uns, obwohl wir so schandhaft leben. Er glaubt an uns und hofft auf das Beste und kann uns all seine Kraft schenken, wenn nur wir ihm das Recht und die Macht über uns geben würden, ihm Raum geben würden, frei über uns zu verfügen.

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Wunderbar!

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, finde ich auch! :)

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