Freitag, 3. Juni 2011

Pauli Blitzlichter (vom Apostel unterwegs)

Karte der Reisen des hl. Paulus aus dem Jahr 1598
Da bei uns die Lesung vom Freitag der 6. Osterzeit genommen wurde: heute eine aus der Kategorie: Lesungen, die einen mit einem Fragezeichen im Gesicht zurücklassen. Jahr für Jahr frage ich mich – und nicht nur ich – was uns die Apostelgeschichte mit dem etwas unvermittelten Schlußsatz
Paulus blieb noch längere Zeit. Dann verabschiedete er sich von den Brüdern und segelte zusammen mit Priszilla und Aquila nach Syrien ab. In Kenchreä hatte er sich aufgrund eines Gelübdes den Kopf kahlscheren lassen.
wohl sagen will? (Lektionarbashing wäre möglich: ein anderes Mal entblödet man sich ja auch nicht, die erstaunlichsten Kombinationen von Versen und halben Versen anzubringen).

Man könnte es sich auch quasi als Fußnote denken, damit man sich die Abfahrt irgendwie noch genauer vorstellen kann. Wahrscheinlich ist es aber eines dieser erstaunlichen Details, die uns die Apostel einfach menschlich näherbringen und wird mir deshalb noch irgendwann lieb werden. Einmal hat mir diese Lesung aus dem Brief an Timotheus, besonders das Verlangen nach seinem Mantel – vielleicht hat Paulus gefroren, oder der Winter stand bevor –, wirklich das Wasser in die Augen getrieben, vielleicht weil der Abgrund an Zeit, der zwischen der Niederschrift dieses Briefes und mir lag, plötzlich gar nicht existent schien:
Wenn du kommst, bring den Mantel mit, den ich in Troas bei Karpus gelassen habe, auch die Bücher, vor allem die Pergamente. Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses getan; der Herr wird ihm vergelten, wie es seine Taten verdienen. Nimm auch du dich vor ihm in acht, denn er hat unsere Lehre heftig bekämpft. Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten; alle haben mich im Stich gelassen. Möge es ihnen nicht angerechnet werden.

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