Montag, 20. Juni 2011

Monstra te esse matrem

Zu Elsas Reminizenz auf Monstranzen und der Auslegung des Wortes Monstranz fiel mir die Textzeile aus dem marianischen Hymnus Ave maris stella ein, in der es heißt Monstra te esse matrem (zeige dich als Mutter).

Monstra te esse Matrem,
Sumat per te preces,
Qui pro nobis natus
Tulit esse tuus.


Wer diesen Hymnus erdichtet hat, ist unbekannt, er wird Venantius Fortunatus zugeschrieben und im Stundengebet der Kirche zu den großen Marienfesten im Kirchenjahr gesungen.

Zu diesem Hymnus gibt es eine Geschichte über den hl. Bernhard von Clairvaux, einem großen Marienverehrer, der uns eine Fülle wunderbarer Predigten zu marianischen Hochfesten hinterlassen hat. Die Geschichte überliefert eine mystische Erfahrung des hl. Bernhard im Gebet vor einem Marienbildnis, dessen Typus man Maria lactans nennt. In dieser Vision fühlte sich der Heilige selbst mit der Milch Mariens genährt, als er die Zeilen Monstra te esse matrem… sang. Um seiner Predigten willen, die aus dieser Erfahrung flossen, und die so süß wie Milch schmecken, nennt man den hl. Bernhard auch Doctor mellifluus (wörtlich: der honig-süße Lehrer).

Maria-lactans-Darstellungen erscheinen uns heute vielleicht eher unvertraut, weil sie teils sehr sinnenfreudig ausfallen (und vielleicht, weil stillende Frauen, obwohl ganz natürlich, natürlicher gehts nimmer, in der Öffentlichkeit etwas Seltenes geworden sind). Eigentlich bringen sie aber nur zum Ausdruck, daß Maria eben beides war und ist: immerwährende Jungfrau und immerwährende Mutter.

unbekannter flämischer Maler des 17. Jahrhunderts. Neben Maria mit einer zeittypischen Kopfbedeckung fällt mir vor allem auf, daß das Jesuskind karottenrote Haare hat.

Carlo Crivelli, um 1470

Andrea Solario, 16. Jahrhundert. Hier ist der eigentlich nebensächliche Einrichtungsgegenstand aus dem Haushalt in Nazareth offenbar so ins Auge gesprungen, daß man das Bild auch „Madonna mit dem grünen Kissen“ nennt.

Jan van Eyck, um 1430

Bei diesem Nürnberger Bildnis ist das Jesuskind sehr energisch (wie Babies halt so sind), Maria nimmt sich beim Stillen aber anscheinend die Zeit, in aller Ruhe ein Buch zu lesen.

Jan Gossaert

Der hl. Bernhard wird mit der Milch Mariens genährt. Hier gibt es wieder Spruchbänder zu entdecken, und über den Zwerglöwen da unten in der Ecke denke ich auch noch nach.

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