Mittwoch, 1. Juni 2011

Lasttiere


Über die Nachricht, Kardinal Marx ergreife am 7. Sonntag der Osterzeit von seiner Titularkirche St. Corbiniano in Rom Besitz und verteile dabei Lebkuchenbären an die Kinder, kam ich darauf, nachzuforschen, was es mit diesem Bären jetzt eigentlich genau auf sich hat (der hl. Korbinian ist hier herum nicht so bekannt).

Der hl. Korbinian war ursprünglich ein Einsiedler, dessen Rat so gefragt war, daß er sich selbst deswegen um Rat an den Heiligen Vater wandte. Einer Überlieferung zufolge reiste der Heilige gerade über die Alpen, als ein Bär sein Pferd schlug. Der Heilige wirkte daraufhin auf den Bären ein (indem er ihn ausschalt), so daß dieser ihm das Gepäck über die Alpen nach Rom trug. Mir scheint, so ein gefälliger Bär käme manchem gut zupaß. Aber wer weiß, heutzutage würde er wahrscheinlich gleich zum Problembären erklärt…

Der bepackte Bär hat, das weiß man, Eingang ins Wappen Kardinal Ratzingers und in der Folge dann auch in das päpstliche Wappen gefunden.

Der hl. Korbinian bei seiner Reise über die Alpen.
Wie man sieht, hat der Bär hier gerade
das arme Pferd hingemetzelt

Als der hl. Korbinian und der Bär in Rom ankamen, ließ der Heilige den Bären wieder frei. In seiner Rede auf dem Münchner Marienplatz zu Beginn seines Pontifikats führte der Heilige Vater unter Bezug auf den hl. Augustinus aus, daß es mit Lasttieren auch einmal anders ausgehen kann:

So ermutigt mich der Bär immer neu, meinen Dienst mit Freude und Zuversicht zu tun – vor dreißig Jahren wie auch nun in meiner neuen Aufgabe – und Tag für Tag mein Ja zu Gott zu sagen: Ein Lasttier bin ich für dich geworden, doch gerade so bin ich immer bei dir. Der Bär des heiligen Korbinian wurde in Rom freigelassen. In meinem Fall hat der Herr anders entschieden. Und so stehe ich also wieder zu Füßen der Mariensäule, um die Fürsprache und den Segen der Muttergottes zu erflehen, nicht nur für die Stadt München und auch nicht nur für das liebe Bayernland, sondern für die Kirche der ganzen Welt und für alle Menschen guten Willens. (Ansprache auf dem Marienplatz, 9. September 2006)
Bei Lasttieren fällt mir auch gleich noch der kleine Esel ein, der die Hoffnung der ganzen Welt den steilen Hügel nach Jerusalem hinauftrug.

1 Kommentar:

mphc hat gesagt…

Wunderbar- danke für den Beitrag!! Liebe Grüße, Nicole.

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