Montag, 13. Juni 2011

Komm, der jedes Herz erhellt

Einer der schönsten und flüchtigsten Momente des Kirchenjahres, auf den ich mich deshalb im voraus schon immer sehr freue, ist die Pfingstsequenz. In früheren Zeiten war dieser Moment nicht ganz so flüchtig: ganze acht Tage[1] hat die Kirche dieses wundervolle Flehen der ganzen Kirche um den Heiligen Geist täglich wiederholt: Veni sancte spiritus – Komm herab, o Heilger Geist. [2]

Am Pfingstsonntag ist mir erstmals auch aufgefallen, daß der Antwortpsalm des Pfingstfestes derselbe ist wie der nach der ersten Lesung der Osternacht, der Lobgesang an den Schöpfer Lobe den Herrn meine Seele. Diesen Gesang hatte ich dieses Jahr vor der Osternacht im Ohr, wie ihn unser Kantor in der Akademiekirche singt. In diesem Psalm ist aller überströmender Jubel der Kirche, der siebenmal sieben Tage ausgedrückt:

Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr mein Gott, wie groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid,
du spannst den Himmel aus wie ein Zelt.
Herr, wie zahlreich sind deine Werke!
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit,
darin ein Gewimmel ohne Zahl: kleine und große Tiere.
Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört;
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin
und kehren zurück zum Staub der Erde.
Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen,
und du erneuerst das Antlitz der Erde.
Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn;
der Herr freue sich seiner Werke.
Möge ihm mein Dichten gefallen.
Ich will mich freuen am Herrn.

Mystische Erlebnisse in der Liturgie? Ja, ich glaube, es gibt sie! Es gibt Momente, in denen die Gnade und Gegenwart Gottes überwältigend sind und er selbst zum Greifen nah scheint. Wie passend und äußerst angemessen, wenn zum Ruf Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe alle auf die Knie fallen.

Die heiligen Messen zu Pfingsten waren sehr schön und gnadenreich – am Pfingstsonntag ein Pontifikalamt mit Erwachsenenfirmung, schöner Kirchenmusik und eigentlich all meinen Lieblingspfingstgesängen – auch dem Hymnus Komm o Tröster, Heilger Geist (GL 250), den ich sehr liebe. Nach dem Amt hatte ich noch eine schöne Begegnung mit dem scheidenden Dompfarrer.

Heute die heilige Messe in der Akademie, in der der Zelebrant in der Predigt auch das Zeugnis des neuen Seligen Alois Andritzki mit der Neuschöpfung des Menschen durch den Heiligen Geist in den Sakramenten verbunden hat. Und nach der Kommunion nochmal GL 250, Deo gratias.

Da bei Erwachsenenfirmungen zu Pfingsten die Spendung des Sakraments eine ganze Weile dauert, hat man zwischendurch auch viel Zeit zum Beten und Betrachten.
Komm herab, o Heilger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
heißt es in der Pfingstsequenz. Mir kam dabei in den Sinn, wie nötig dieses Strahlen des Geistes in diese Welt, in die Finsternis des eigenen Herzens hinein, ist und wie dringend ich selber manchesmal einige der Früchte des Geistes mehr „kultivieren“ müßte, Sanftmut und Geduld etwa – mit dem Finger auf andere zu zeigen ist irgendwie leichter. Geduld braucht man allerdings auch mit sich selbst. Die Sequenz fährt auch gleich kindlich vertrauend fort:
Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.
Alle Armen, das sind auch wir selbst, und jedes Herz bedeutet: auch das meine. Die Pfingstsequenz ist ein Ausdruck der kindlich-vertrauenden Hoffnung des Gläubigen, das ein solches Wunder wirklich möglich ist.

____
[1] Von Papst Paul VI. ist die Geschichte überliefert, wie er nach der Reform des römischen Kalenders am Dienstag nach Pfingsten in die Sakristei kam und sich darüber verwunderte, daß grüne Gewänder ausgelegt waren. Der Sakristan hielt ihm entgegen, die Pfingstoktav sei abgeschafft. Auf die Frage, wer sie denn abgeschafft hätte, antwortete man ihm, er selbst sei es gewesen. Darüber brach Papst Paul in Tränen aus.

[2] Hier innerstädtisch in St. Afra, von Tiberius dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. die Sequenz beginnt bei Nr. 8.

Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Die Szene in der Sakristei kann ich mir sehr gut vorstellen. Bei uns war heute Feria II in Octavam Pentecostes. Warum die Oktav abgeschafft wurde, verstehe ich nicht.

P.S. Ich mag Deinen Blog wirklich sehr gerne. Du schaust und zeigst auf das Gute. Mir gelingt das leider nicht wie Dir.

Lauda Sion hat gesagt…

Moin, 8 Tage ab Pfingsten oder bis Pfingsten?? In meinem alten Stundenbuch gibt's nach Pfingsten keine Eigentexte mehr und Osterzeit ist ja irgendwie auch vorbei...

Apropos Stundengebet, wenn ich abends zur 17:30 Messe gehe, kann ich dann die Vesper ausfallen lassen? Wird Zeit, das mir das jemand richtig erklärt :)

Braut des Lammes hat gesagt…

Lauda Sion: neun Tage von Himmelfahrt bis Pfingsten – das ist die Pfingstnovene als Vorbereitung auf das Fest. Die acht Tage inklusive dem kommenden Sonntag sind die Pfingstoktav. Ich habe kein altes Stundenbuch, aber meines Wissens nimmt man in der Oktav die Texte des Hochfests.

Beim Stundengebet kommt es natürlich auch darauf an, woran du persönlich durch Gelöbnis oder Versprechen gebunden bist, das ist bei den Personen des geweihten Lebens und Klerikern noch einmal anders.

Grundsätzlich gilt aber, daß die heilige Messe und das Stundengebet die großen Bestandteile des Gebets der Kirche sind, man kann das eine nicht durch das andere ersetzen, sondern es ergänzt und befruchtet sich gegenseitig. Die Kirche nennt die Laudes und die Vesper Angelpunkte dieser Liturgie. Ebensowenig wie die Teilnahme an der Frühmesse die Laudes ersetzen kann, so wenig kann dies die Abendmesse für die Vesper.

Selbst bete ich sehr gern die Non und die Vesper, bevor ich zur Abendmesse fahre (in der Kirche selbst ist es leider meist zu unruhig. Vor dem Allerheiligsten wäre es natürlich am schönsten, andererseits müßte ich dort still beten, zu Hause dagegen singe ich mir eins.

Es gibt bestimmte, sehr wenige Tage im Kirchenjahr – etwa Gründonnerstag und Karfreitag –, an denen die Teilnahme an der Liturgie des heiligen Triduums die Vesper ersetzt (was sich liturgisch auch "richtig" anfühlt). Das steht dann aber extra im Stundenbuch oder im Direktorium: Wer an der Karfreitagsliturgie teilnimmt braucht die Vesper nicht zu beten. (Könntest du jedoch an der Karfreitagsliturgie oder der Feier vom letzten Abendmahl nicht teilnehmen, betest du die Vesper).

Ich hoffe, das hilft Dir weiter.

Braut des Lammes hat gesagt…

Tiberius – vielen lieben Dank (obwohl mir das bei deinem Blog noch nicht aufgefallen ist).

Witzigerweise wollte ich gestern zeitgleich deinen schönen Beitrag von Piscator mit dem meinen verlinken, dann hat sich der Browser aufgehängt und alles war weg; gleich hole ich es nach.

Lauda Sion hat gesagt…

Jaa, hat es :) Danke

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