Mittwoch, 22. Juni 2011

In te domine speravi – hl. Thomas Morus

Auf dich, Herr, hab ich vertraut. Ich werde in Ewigkeit nicht zuschanden. 
 Die Zelle des hl. Thomas Morus im Tower von London. Hier war er von
 April 1534 bis Juli 1535 eingekerkert. Die winzigen Scharten in der Wand
haben die Form eines Kreuzes, so daß der Heilige bis zuletzt das Zeichen
dessen vor Augen hatte, dem er im Martyrium gleichförmig geworden ist
 und den er über alles geliebt hat.
Durch eine Reihe von Verfilmungen in den letzten Jahrzehnten, zuletzt die aufwendig produzierten und farbenprächtigen Tudors, ist das Schicksal und der Gewissenskonflikt der hll. Thomas Morus und John Fisher ausführlich behandelt worden. Was Thomas Mores Handlungsweise heiligmäßig macht, ist nicht nur die Weigerung, seinem Gewissen zuwider zu handeln, sondern die Bereitschaft, seinem Verfolger zu verzeihen, ja er glaubt bis zuletzt an das Gute in ihm. In dem Brief, den er an seine Tochter Margaret aus dem Kerker im Tower schreibt, fällt mir auf, wie frei der Heilige von den sehr menschlichen Qualen der Verbitterung ist, von dem fallengelassen worden zu sein, dem er so lange und treu gedient hat. In seinem Tod tritt eine größere und tiefere Wahrheit hervor: „Ich sterbe als treuer Diener des Königs, aber als Gottes Diener zuerst.“

Thomas More und seine Tochter Margaret
beobachten von einem Fenster des Towers aus
das Martyrium der englischen Kartäuser.
Ich bin mir zwar bewußt, daß mein bisheriges Leben reichlich schlecht war und daß ich vollauf verdient hätte, von Gott verlassen zu werden. Dennoch werde ich nicht aufhören, stets auf seine grenzenlose Güte zu vertrauen und bester Hoffnung zu sein. Wie mir bis jetzt durch seine heilige Gnade die Kraft gegeben hat, eher alles herzlich zu verachten, Besitz, Einkommen, ja das Leben selbst, als daß ich gegen mein Gewissen schwöre, so hat er in seiner gütigen Absicht dem König eingegeben, mich bis jetzt nur der Freiheit zu berauben. Durch diese Maßnahme hat mir seine Majestät eine größere Wohltat erwiesen als durch alle Ehrungen und Güter, die er mir verliehen hat., denn davon verspreche ich mir seelischen Fortschritt. Dieselbe Gnade wird das Herz des Königs bewegen, mir nicht etwas aufzuerlegen, das noch schwerer wird, oder sie wird mir die Kraft geben, alles noch so Schwere geduldig, tapfer und willig zu ertragen.

Mit unserem Herrn und den Verdiensten seines bitteren Leidens verbunden – es übertrifft mein ganzes Dulden an Art und Wert um ein Unendliches – mit ihm verbunden, wird mein Leiden mir die am Läuterungsort geschuldeten Strafen mildern und durch die freigebige Güte Gottes auch den Lohn im Himmel ein wenig mehren.

Liebe Margarita, ich will Gottes Güte nicht mißtrauen, so sehr ich fühle, wie schwach und zerbrechlich ich bin. Wenn ich in Schrecken und Verwirrung sehen sollte, daß ich vor dem Fallen stehe, werde ich an den hl. Petrus denken, der bei einem einzigen Windstoß aus Mangel an Glauben zu sinken begann und dann werde ich tun wie er. Ich werde rufen: Herr, rette mich! Denn ich hoffe, er wird seine Hand ausstrecken, mich ergreifen und nicht untergehen lassen.

Sollte er es aber zulassen, daß ich noch darüber hinaus die Rolle des Petrus spiele, daß ich ganz und gar falle, schwöre und leugne – Gott wende es in seinem Erbarmen von mir ab; ein solcher Fall soll mir eher Schaden als Nutzen bringen – dann hoffe ich dennoch, daß er mich mit dem vollen Blick seine Auges anschaut wie den Petrus und mich wieder aufrichtet, damit ich aufs neue die Wahrheit bekenne und mein Gewissen entlaste. Die Strafe und die Beschämung der früheren Verleugnung will ich dann tapfer ertragen.

Liebe Margarita, schließlich habe ich die Erfahrung, daß Gott mich ohne meine Schuld nicht verläßt. So überlasse ich mich ihm in aller Hoffnung und mit vollem Vertrauen. Wenn er mich wegen meiner Sünden untergehen läßt, dann wird wenigstens seine Gerechtigkeit in mir gepriesen. Ich hoffe, aber, ich hoffe es ganz fest daß seine Milde und Güte mich bewahren wird. Er wird es fügen , daß den Menschen durch mich mehr sein Erbarmen als seine Gerechtigkeit nahegebracht wird. Sei also guten Mutes, liebe Tochter, und sorge dich nicht so sehr um mich, was mir auch immer in dieser Welt zustößt, es kann mir nichts geschehen, was Gott nicht will. Was immer er aber will, so schlimm es scheinen mag, es ist dennoch wahrhaft das Beste.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Thomas Morus war ein glühender und absolut papsttreuer Katholik. Als Lordkanzler Heinrichs VIII hatte er deswegen die Aufgabe, Anhänger der Reformation und Martin Luthers in England gnadenlos zu verfolgen und dem Gericht zu überantworten. Er hat diese Aufgabe absolut korrekt und seinem Glauben gemäss erfüllt. So wie er, nach Verweigerung der Eidesleistung seinem Feudalherren gegenüber, nach Recht und Gesetz enthauptet wurde.
PS: die von ihm Verfolgten hatten keinen so leichten Tod; sie wurden verbrannt.

Braut des Lammes hat gesagt…

Mit Verlaub, so wie Heinrich VIII. im Laufe seiner Regentschaft das Recht gebeugt und nach seinem Gusto umfrisiert hat, wie er zum Unmenschen wurde, da noch von "nach Recht und Gesetz" zu sprechen, ist schon der blanke Hohn. Immerhin geht aus Thomas' Haltung eindeutig hervor, daß er bereit ist, die Konsequenz seines Handelns auf sich zu nehmen.

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