Donnerstag, 30. Juni 2011

Gott ist immer größer – zum Tode unseres Alterzbischofs Georg Kardinal Sterzinsky

Gott ist immer größer – das war das Motto, unter den Georg Kardinal Sterzinsky sein Wirken als Bischof gestellt hat. Nun durfte er heute in den frühen Morgenstunden heimgehen. Eigentlich hätten wir ihm noch eine Zeit des irdischen Ruhestands gewünscht, aber es ist nicht dazu gekommen. Mit der Trauer um unseren Alterzbischof verbindet sich die Gewißheit, daß er nun in der ewigen Freude sein darf und dort die ersehnte Ruhe findet.

Was bleibt mir von Alterzbischof Kardinal Sterzinsky? Viele kleine Momentaufnahmen; andere mögen Bedeutenderes schreiben. Die Gespräche, die er mit mir in der Vorbereitung auf die Weihe geführt hat und seine etwas unvermittelte Frage ganz zu Anfang: „Haben Sie Angst vor mir?“ Da konnte ich spontan antworten: „Nicht im Geringsten!“ Viele kleine Begegnungen vor dem Gottesdienst, seine Gewohnheit, mir vom Wasser zum Lavabo etwas abzugeben, indem er etwas Wasser in meine Richtung spritzte. Einmal kam er nach dem Pontifikalamt um die Kathedrale herum, strahlte mich an und fragte, was ich heute noch vorhätte, er müsse nämlich „in den Knast!“ Ein andermal dieselbe Frage, worauf ich zur Antwort gab, „Ich geh nach Hause und seh Sie mir im Fernsehen an!“ (er war Gast in einer Talkshow). Das hat ihn schneeköniglich amüsiert. – Ein Kardinal, der, wenn es nur irgend ging, zu jeder Vesper kam, die in der Kathedrale gesungen wurde, und der liturgischen Minimalismus nicht liebte. Der Moment in der Liturgie meiner Weihe, als ich meine gefalteten Hände in die seinen legen und ihn mit „Du“ und „Hochwürdiger Vater“ anreden durfte. Herr Kardinal hat mich als Bischof auf dem Weg zur Weihe begleitet und geweiht; auch deswegen wird er immer einen Platz in meinem Herzen haben.

Als wir vorhin die Abendmesse in schwarzen Paramenten feierten und der Zelebrant das Wirken des heiligen Bischofs Otto, einem Mitpatron unseres Bistums, mit dem Wirken Kardinal Sterzinskys verband, dachte ich zum Sanctus, daß der Herr Kardinal uns nun vom Himmel aus zuschaut und das Sanctus mitsingt.

Dies ist das alte Sterbegebet der Kirche für die scheidende Seele:
Mache dich auf den Weg, Bruder in Christus, im Namen Gottes, des allmächtigen Vaters, der dich erschaffen hat; im Namen Jesu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes, der für dich gelitten hat; im Namen des Heiligen Geistes, der über dich ausgegossen worden ist.

Heute noch sei dir im Frieden deine Stätte bereitet, deine Wohnung bei Gott im heiligen Zion, mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, mit dem heiligen Josef und mit allen Engeln und Heiligen Gottes.

Kehre heim zu deinem Schöpfer, der dich aus dem Staub der Erde gebildet hat. Wenn du aus diesem Leben scheidest, eile Maria dir entgegen mit allen Engeln und Heiligen. Mögest du heute schon auf den lieblich grünenden Auen des Paradieses sein. Deinen Erlöser sollst du sehen von Angesicht zu Angesicht.

Kommentare:

Josef Bordat hat gesagt…

Vielen Dank für diese Zeilen!

Josef Bordat

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke – es war mir ein wirkliches Bedürfnis.

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