Donnerstag, 9. Juni 2011

Der Papst und ich…

Unten mein Gastbeitrag zur Reihe Der Papst und… des Sende-Zeit-Blogs der Erzdiözese Freiburg.

Vielen Dank noch einmal an den Initiator, ich finde die Idee mit Blick auf den Besuch des heiligen Vaters im Herbst einfach klasse, und es hat auch viel Freude gemacht, den Beitrag zu schreiben.

Die Wahl Papst Benedikts im Konklave ist sicher einer der Momente, von denen die Leute sich später gegenseitig erzählen, was sie damals gerade getan haben. Ich saß in der U-Bahn, und die BVG ließ netterweise ein Spruchband über den Bildschirm im Waggon laufen: „Aus der Sixtinischen Kapelle steigt weißer Rauch auf!“ Nichts wie hin zum nächsten Fernseher, der zufällig sogar der meine war. – „Der Papst und ich“ ist eigentlich eine Geschichte von Liebe auf den ersten Blick im kleinen, und offen gestanden, ich hatte das vorher nicht erwartet.

Eigentlich schon als er auf den Balkon hinaustrat und so strahlend und glücklich aussah, spätestens aber bei den Audienzen, bei denen er teils mit verbogener Brille vor dem Auditorium saß – und ihm das in seiner konzentrierten und verinnerlichten Art sichtlich völlig egal war –, hatte er mein ganzes Herz gewonnen. Fast jedes Mal, wenn ich ihn sehe, geht mir durch den Sinn, welch wunderbare und verschlungene Wege der Heilige Geist in seiner Kirche geht: Er erhebt einen schüchternen deutschen Professor zum Papst, zum Stellverteter und Sachverwalter Christi auf Erden, der durch seine Güte und Weisheit die Herzen der Menschen gewinnt. Die Gnade Gottes wiederum gibt diesem scheuen Gelehrten, der für seinen Lebensabend eigentlich nichts weiter wollte, als mit seinem Bruder in ein Haus nach Bayern zu ziehen, die Kraft, das schwere Amt, seine Kirche zu führen, in Liebe und Freude zu tragen.

Eines meiner liebsten Evangelien ist ganz schlicht und kurz:
Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins. (Joh 10, 27-30)

Das Bild vom guten Hirten, der die Schafe weidet, steht auch für den, dem diese Herde vom Herrn selbst anvertraut ist: Weide meine Lämmer! So war es für mich besonders anrührend, wie Papst Benedikt in der Predigt bei seiner Amtseinführung dieses Bild aufgegriffen hat:
So muß es eine Haupteigenschaft des Hirten sein, daß er die Menschen liebt, die ihm anvertraut sind, weil und wie er Christus liebt, in dessen Diensten er steht. „Weide meine Schafe“, sagt Christus zu Petrus, sagt er nun zu mir. Weiden heißt lieben, und lieben heißt auch, bereit sein zu leiden. Und lieben heißt: den Schafen das wahrhaft Gute zu geben, die Nahrung von Gottes Wahrheit, von Gottes Wort, die Nahrung seiner Gegenwart, die er uns in den heiligen Sakramenten schenkt. Liebe Freunde – in dieser Stunde kann ich nur sagen: Betet für mich, daß ich den Herrn immer mehr lieben lerne. Betet für mich, daß ich seine Herde – Euch, die heilige Kirche, jeden einzelnen und alle zusammen immer mehr lieben lerne. Betet für mich, daß ich nicht furchtsam vor den Wölfen fliehe. Beten wir füreinander, daß der Herr uns trägt und daß wir durch ihn einander zu tragen lernen.

In der Tat betet die ganze Kirche in jeder Heiligen Messe, die rings um den Erdball gefeiert wird, für den Heiligen Vater. Das Gebet für Papst Benedikt XVI. ist eines, das ich jedes Mal voller Freude und Dankbarkeit verrichte. Tatsächlich halte ich das Pontifikat Papst Benedikts XVI. für eine große Gnade und freue mich unendlich, daß er im Herbst zu uns kommen wird. Ich bin sicher, daß Papst Benedikt auch in Zukunft voll Güte das tun wird, was über den guten Hirten in der Schrift gesagt wird: die verlorengegangenen Tiere suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die starken behüten – kurz, ihr Hirt zu sein und für die Herde zu sorgen, wie es recht ist. Mein Wunsch für die kommende Zeit ist, daß sich dem Heiligen Vater auch etwas von der großen Freude mitteilt, die wir hier darüber empfinden, daß er zu uns kommen wird.

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