Dienstag, 7. Juni 2011

Bedenke, was daraus entflossen ist – das heiligste Herz Jesu

Obwohl wir uns in der Pfingstnovene befinden und die Herabkunft des heiligen Geistes erwarten, ist doch das Herz-Jesu-Fest nicht mehr fern, und der ganze Monat Juni ist ja der besonderen Verehrung des heiligsten Herzens geweiht (interessanterweise fällt das Hochfest des Heiligsten Herzens wegen des extrem späten Osterdatums in diesem Jahr auf den 1. Juli).

Morgen ist der Gedenktag der sel. Maria vom göttlichen Herzen (Maria von Droste zu Vischering), einer deutschen Schwester des Ordens vom guten Hirten, die seinerzeit Papst Leo XIII. dazu bewegte, die ganze Welt dem Herzen Jesu zu weihen und die sich dabei auf einen direkten Auftrag Jesu Christi berief. Papst Leo hat diese Weihe an das heiligste Herz als den großen Akt seines Pontifikats bezeichnet.

Am 10. Juni 1898 schrieb die Oberin des Klosters in Porto in Portugal, in dem Sr. Maria lebte, an Papst Leo XIII. darüber, daß Jesus Christus selbst der Schwester diesen Wunsch offenbart habe. Der Papst, zu jener Zeit schwer krank, reagierte nicht gleich. Am 6. Januar 1899 schrieb die Oberin einen zweiten Brief, worin sie einen weiteren Wunsch, die Schaffung des Herz-Jesu-Freitags am ersten Freitag eines Monats, äußerte.

Mit dem Herzen wird von alters her das Innerste des Seins, der Liebe, des Erbarmens, der Treue, des Mitgefühls, der Leidenschaften und der Hingabe verbunden. Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne mein Denken, schreibt der Psalmist. Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein, bitten wir dreimal täglich im Angelusgebet.

Die Verbindung zwischen dem geöffneten Herzen des Erlösers und den Sakramenten der Kirche ist naturgemäß sehr eng. Die Kirche sagt über das heiligste Herz: Das heilige Herz ist der gekreuzigte Christus mit der durch die Lanze geöffneten Seite, aus der Blut und Wasser fließen und: aus seiner geöffneten Seite strömen Blut und Wasser, aus seinem durchbohrten Herzen entspringen die Sakramente der Kirche.

Daraus folgend besteht auch zum betrachtenden Gebet vor dem Allerheiligsten eine sehr innige Verbindung. Der hl. Augustinus lädt uns ein, in der Betrachtung gleichsam durch die Seitenwunde Christi in die Betrachtung des Geheimnisses seiner Menschwerdung, seines Leidens und Sterbens und der uns darin erwiesenen Gnade einzutreten:
Der Eingang ist zugänglich: Christus ist die Pforte. Sie steht auch dir offen, seitdem seine Seite durch eine Lanze geöffnet wurde. Bedenke, was daraus entflossen ist. Wähle also, wo du eintreten möchtest. Aus der Seite des Herrn, der am Kreuz hing und dort starb, floß Blut und Wasser, als sie von der Lanze geöffnet wurde. Das Wasser bedeutet deine Reinigung, das Blut deine Erlösung.


Besonders schön finde ich den Hymnus zum Fest aus dem Rituale Romanum, Jesu dulcis memoria, der auf einer denkbar schlichten Melodie beruht. Diesen Hymnus des hl. Bernhard habe ich mir seinerzeit zur Danksagung bei meiner Weihe gewünscht, die kurz vor dem Hochfest des heiligsten Herzens Jesu stattfand. Man kann ihn auch wunderbar zur Betrachtung nehmen oder zur Aussetzung singen.

O lieber Jesu, denk ich dein,
strömt Glück in meine Seele ein;
doch meine höchste Freude ist,
wenn du, o Jesu, bei mir bist.

Kein Lied so sehr zu Herzen dringt,
kein Klang, kein Ton so lieblich klingt,
kein Name bringt so reichen Lohn
als Jesus Christus, Gottes Sohn.

Du tröstest den, der Buße tut,
gibst dem, der bittet neuen Mut;
dich suchen, nimmt von uns das Leid,
dich finden, welche Seligkeit!

Kein Wort, o Jesu, würdig preist
Die Güte, die du uns erweist.
Nur wer sich ganz in dich versenkt,
verspürt, was deine Liebe schenkt.

O Jesu, der uns Freude bringt,
du Quell, aus dem uns Kraft entspringt,
Licht, das uns Gottes Liebe zeigt,
die alles Sehnen übersteigt.

Du unser Glück in dieser Zeit,
du Sonne unserer Ewigkeit,
in dir erstrahlt der Gottheit Schein;
laß uns mit dir verherrlicht sein.


Papst Leo XIII., dem die Oberin des Klosters seinerzeit geschrieben hatte, er werde nicht sterben, bevor er nicht die ganze Welt dem Herzen Jesu geweiht habe, ist älter geworden als jeder Papst bisher. Die sel. Maria vom göttlichen Herzen starb im Alter von nur fünfunddreißig Jahren, am 8. Juni 1899, dem Hochfest des heiligsten Herzens Jesu, zwei Tage vor der Weihe der ganzen Welt an das göttliche Herz. Die Welt können wir nur verändern, wenn wir uns ändern:

Herr Jesus, sanft und demütig von Herzen – bilde unser Herz nach deinem Herzen.

Kommentare:

mphc hat gesagt…

Der Hymnus ist wunderschön! Danke für den Text!!
Ich habe auch etwas für Dich unter http://lassliebeaufunsregnen.blogspot.com/2011/06/uberraschung-am-morgen.html

Herzliche Grüße, Nicole

Braut des Lammes hat gesagt…

Vielen Dank für den Award, ich muß erst noch überlegen, wem ich den jetzt "verleihe".

Der Hymnus steht übrigens auch im Gotteslob (GL 555), in "Ostereiernoten".

mphc hat gesagt…

Danke für den Hinweis. Habe grade den Post "Hair" gelesen- die Fotos sind super (Text natürlich auch)! Einen schönen Tag noch.

Lauda Sion hat gesagt…

in meinem gotteslob ist's die nr 550.Leider keine osstereiernoten :)
vielen lieben dank, werd den hymnus heute mit in die anbetung nehmen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Lauda Sion, danke für den Hinweis; ich hatte kein GL dabei und mich schon mal vertan: 550 stimmt natürlich. Hast du viereckige Noten bei Nr. 550?

Braut des Lammes hat gesagt…

Durch irgendeinen dieser nicht nachvollziehbaren Probleme Bloggers beim Bearbeiten mit verschiedenen Browsern war fehlten übrigens jeweils zwischenzeitlich ein Teil des Hymnus oder aber das Zitat des hl. Augustinus. Jetzt sollte alles wieder vollständig sein. Mårkwørdig!

Lauda Sion hat gesagt…

leider auch nicht, stinknormale...

Braut des Lammes hat gesagt…

Mit "Ostereiernoten" waren hier Noten auf einem Fünfliniensystem gemeint. Da in der Gregorianik jede Note den gleichen Wert hat, sind es in der Übertragung aufs Fünfliniensystem alles ganze Noten, daher der Ausdruck "Ostereiernoten".

In den Berliner Anhängen sind Hymnen und Meßgesänge in greorianischer Notation gedruckt. Irgendwie ist mir das vertrauter.

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