Freitag, 24. Juni 2011

Advent im Juni – Geburt des hl. Johannes des Täufers

Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht
und das Volk dem Herrn zu bereiten
(Ruf vor dem Evangelium)
Das Hochfest der Geburt Johannes' des Täufers ist eines der ältesten Feste im römischen Kalender. Es ist zugleich eines der wenigen, die eine eigene Vorabendmesse haben. Mit dem lichtvollen Fest der Geburt des Vorläufers ging im Brauchtum einher, Johannisfeuer anzuzünden, ein Brauch, der sicherlich auch mit der Sommersonnwende zusammenhängt. An dem Ort, aus dem ich stamme, zündet man nach uraltem Brauch solche sogenannten Fackelfeuer übrigens am Heiligabend an, zur Geburt Christi.

Zur Vigil des Festes des Vorläufers – die in diesem Jahr vom Hochfest Fronleichnam verdrängt wurde – gehört eine der schönsten Lesungen überhaupt, wie ich finde:
Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil. Nach diesem Heil haben die Propheten gesucht und geforscht, und sie haben über die Gnade geweissagt, die für euch bestimmt ist. Sie haben nachgeforscht, auf welche Zeit und welche Umstände der in ihnen wirkende Geist Christi hindeute, der die Leiden Christi und die darauf folgende Herrlichkeit im Voraus bezeugte. Den Propheten wurde offenbart, daß sie damit nicht sich selbst, sondern euch dienten; und jetzt ist euch dies alles von denen verkündet worden, die euch in der Kraft des vom Himmel gesandten Heiligen Geistes das Evangelium gebracht haben. Das alles zu sehen ist sogar das Verlangen der Engel.
Vier Verse aus dem Brief des Apostels Petrus, die Ende Juni ein verweisendes Licht auf den Advent werfen – sechs Monate vor der Geburt des Erlösers.

In einer Predigt über die Geburt des hl. Johannes geht der hl. Augustinus auf die, wie er sagt, „heiligen Umstände“ bei der Geburt des Täufers ein: Bedenke, was alles geschehen ist, weil es im Bild die wahre Wirklichkeit darstellte.

Die wahre Wirklichkeit ist: Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, als Rufer in der Wüste für Gottes ewiges Wort.
Johannes wird geboren von einer unfruchtbaren Greisin, Christus von einer Jungfrau im Jugendalter. Der Vater glaubt nicht an die Geburt des Johannes und wird stumm. Maria glaubt an Christus und empfängt ihn im Glauben. Was untersucht und erörtert werden soll, ist damit gesagt.

Johannes scheint so etwas wie eine Grenzlinie zwischen den beiden Testamenten, dem Alten und dem Neuen zu sein. Der Herr selbst bezeugt, daß Johannes gleichsam eine Grenze ist, denn er sagt: „Das Gesetz und alle Propheten bis hin zu Johannes dem Täufer.“ Johannes stellt in seiner Person das Alte dar und verkündet doch das Neue. Weil er das Alte darstellen sollte, wurde er von einer Greisin geboren, weil er das Neue vertritt, wird er noch im Schoß der Mutter zum Propheten erklärt. Als er noch nicht geboren war, jubelte er im Mutterschoß bei der Ankunft Mariens. Schon dort hatte er seine Bestimmung, eine Bestimmung vor der Geburt; wessen Vorläufer er sein sollte, wurde angezeigt, bevor er von ihm gesehen wurde. Diese Zusammenhänge sind heilig, sie sprengen das Maß menschlicher Gebrechlichkeit. Schließlich kommt Johannes zur Welt, erhält den Namen, und die Zunge des Vaters wird gelöst. Bedenke, was alles geschehen ist, weil es im Bild die wahre Wirklichkeit darstellte.

Zacharias schweigt und verliert die Stimme, bis Johannes, der Vorläufer des Herrn geboren ist und ihm die Stimme wiedergibt. Was ist das Schweigen des Zacharias anderes als eine verborgene Weissagung, die gleichsam geheim und verschlossen war , bevor der Herr verkündigt wurde? Sie wird aufgeschlossen bei der Ankunft des Johannes, sie wird deutlich, wenn der kommt, der durch Weissagung angekündigt ist. Daß bei der Geburt des Johannes die Stimme des Zacharias freigeben wird, bedeutet das gleiche wie das Zerreißen des Vorhangs, als Christus am Kreuz hing. Verkündete Johannes sich selbst, könnte er den Mund des Zacharias nicht öffnen. Die Zunge wird gelöst, weil die Stimme geboren ist. Denn als Johannes den Herrn vorausverkündigte, wurde er gefragt: „Wer bist du?“ Er antwortete, „Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste“. Johannes ist die Stimme, der Herr aber ist „im Anfang das Wort“. Johannes ist Stimme auf Zeit, Christus im Anfang das ewige Wort.

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