Mittwoch, 11. Mai 2011

Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien – Seligsprechung P. Georg Häfners

Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, läßt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. (Joh 10, 11-13)

Meister, bring deine Jünger zum Schweigen! Er aber erwiderte ihnen: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien! (Lk 19,3
9)


Am diesjährigen Sonntag des guten Hirten, dem 15. Mai, wird die Kirche in Würzburg den Priester und Bruder des dritten Ordens unserer lieben Frau vom Berge Karmel, Aloysius vom Heiligsten Sakrament seligsprechen.

Wer war P. Aloysius? Etwas besser bekannt ist er unter seinem bürgerlichen Namen Georg Häfner. Dieser stammte aus einfachen Verhältnissen und wuchs in der Nähe eines Karmelitenkonvents auf. Früh wußte er sich zum Priestertum berufen. Ein Jahr nach der Aufnahme des Studiums der Theologie trat er in den dritten Orden der Karmeliten ein und empfing 1924 die Priesterweihe. P. Aloysius wirkte in seinem priesterlichen Leben als Kaplan und schließlich als Pfarrer der Gemeinde Oberschwarzach. Zum Märtyrer wurde er, weil er sein priesterliches Amt treu versah und weil er die Worte Christi lebte: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch mißhandeln.

Obwohl ihm die Nationalsozialisten zuwider waren, weshalb ihm das Erteilen von Religionsunterricht an der Schule verboten wurde, spendete er einem schwer erkrankten Mitglied der NSDAP, der ihn deswegen rufen ließ, die hl. Kommunion. Daß er dem Offizier zuvor eine schriftliche Erklärung abverlangt hatte, wurde Pfr. Häfner zum Verhängnis. Er wurde von einem anderen Mitglied der Partei denunziert und Anfang Oktober 1941 verhaftet. Nach dreimonatiger Haft in Würzburg schaffte man ihn ins Konzentrationslager Dachau. Dort litt er unter Mißhandlung und großen Entbehrungen, klagte aber nie, wie wir aus den Berichten Überlebender wissen. Aus der Zeit seiner Gefangenschaft sind insgesamt 21 Briefe erhalten. Am 9. Dezember 1941 schrieb er:  
Es ist vom Herrgott bestimmt, daß ich den Kreuzweg weitergehe … Keinem Menschen wollen wir fluchen, keinem etwas nachtragen, mit allen wollen wir gut sein; am 12. Juni 1942: Mit Gottes Hilfe hoffe ich durchzuhalten, gestützt auf das Gebet meiner Lieben und meiner Gemeinde, die ich Tag für Tag in mein Gebet und Opfer einschließe. … Wir haben jeden Tag Gelegenheit, die hl. Messe zu hören und zu kommunizieren.
Am 20. August 1942 erlag Pfr. Häfner einer schweren Infektionskrankheit und der Auszehrung durch beständigen Hunger. Zur Beisetzung seiner Überreste im September kamen weit über 1000 Menschen. Obwohl die Behörden die große Beteiligung an der Beisetzung kleinreden wollten, hatte der Trauerzug auch den Anstrich einer stillen Demonstration.


Am Rand der Gedenkstätte Dachau, dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers, auf dem soviel Leid und Unrecht geschehen ist, wurde 1964 ein Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen errichtet, der Karmel Heilig Blut. Dies geht im wesentlichen auf die Initiative der ersten Priorin, Sr. Maria Theresia von der gekreuzigten Liebe zurück, die zu dieser Gründung eine Berufung fühlte. – Der Karmel Heilig Blut ist das erste Kloster, das ich im Leben gesehen habe, als Schülerin, bei der obligatorischen Fahrt zur Gedenkstätte. Vielleicht war ich die einzige meiner Gruppe, die hineingegangen ist und einige Zeit in der Kirche verbracht hat, die Atmosphäre und der Geist des Gebets dort sind mir jedenfalls unvergeßlich geblieben.

Man betritt den stillen Vorhof des Klosters durch einen der ehemaligen Wachttürme des Lagers. Der Konvent ist vollständig ebenerdig und hat die Form eines Kreuzes, mit der Klosterkirche als Herz. Die Zellen der Schwestern sind in Form kleiner Häuschen gebaut, die Einsiedeleien gleichen und wie die Zellenhäuschen der Kartäuser am großen Kreuzgang liegen. Eine der drei Glocken im Dachreiter, die zum Stundengebet und zum Gebet für die Sterbenden zur Todesstunde Christi läuten, stammt aus dem Gefängnis Stadelheim, wo sie zu den Hinrichtungen angeschlagen wurde. Der Karmel bewahrt bis heute Gewänder und Hinterlassenschaften der fast 3000 Priester, die im sogenannten Priesterblock in Gefangenschaft waren und von denen über 1000 ihr Leben gelassen haben, als treue Hirten, die ihr Leben hingaben für die Schafe.


Eingang zum Vorhof – das rote Schild bittet
in mehreren Sprachen um Ruhe und Sammlung
an diesem Ort des Gebets
Der Karmel von der Gedenkstätte aus gesehen
Innenansicht – im Hintergrund der Dachreiter der Klosterkirche.
Die Fenster gehören nicht zu den Zellen der Schwestern;
diese blicken sämtlich auf die Gedenkstätte hinaus.

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