Dienstag, 3. Mai 2011

Reliquien – Überbleibsel der Heiligen

Der Reliquienschrein der kleinen hl. Therese
verläßt die Kathedrale von Santiago de Compostela
Ein Gutteil der Aufmerksamkeit der Berichterstattung über die Seligsprechung galt auch dem Reliquar mit dem Blut des sel. Johannes Paul II., das in der hl. Messe, in der die Seligsprechung erfolgte, vor Papst Benedikt XVI. getragen wurde.

In den Medien mehrfach falsch wiederholt, hat eine bestimmte Formulierung ihren Kreis in der Presse und bis hinein in sogar islamische Blogs gezogen: „Blut von Johannes Paul II. wird angebetet“. Während das ZDF am selben Tag noch die fälschliche Verwendung von „angebetet“ in „verehrt“ konvertierte, scheint es eine Sisyphosarbeit[1], einzeln die zuhauf fortdauernde Verwendung des Wortes „angebetet“ in der deutschen Presse zu kommentieren (aktuell nachzulesen etwa in der Thüringer Allgemeinen)

Daher noch einmal zum Mitmeißeln: Reliquien wie auch die, von denen sie stammen – die Heiligen und Seligen – werden in der katholischen Kirche nicht angebetet, sondern verehrt.[2] Wir beten Gott an, verehren aber die Heiligen als Menschen, die sich in herausragender Weise bemüht haben, Christus immer ähnlicher zu werden - etwas, zu dem wir übrigens alle berufen sind. Seid heilig, denn ich euer Gott, bin heilig. (Lev 19,1)

In der Tat ist die Verehrung von Reliquien vor allem heiliger Märtyrer eine der ältesten Formen der Heiligenverehrung in der katholischen Kirche. Der Einfachheit halber verweise ich, um mein Verhältnis – so als Konvertitin und Bekloppte[3] – zu Reliquien etwas zu beschreiben, auf mehrere Beiträge aus dem letzten Jahr, hier, hier und hier über die Bergung der Gebeine der Kapuzinermissionare von Fujin, bei der Beharrlichkeit und Courage eine wichtige Rolle spielten.

Besonders die Sache mit dem Stein, über den die hl. Teresia Benedicta (wie so viele andere) unmittelbar vor ihrem Tod vielleicht gegangen ist und eine Führung durch die vatikanische Nekropole zum vermuteten Grab des hl. Petrus haben mich viel über den Wunsch, eine wirkliche Reliquie zu haben und zu behalten, erkennen lassen. Reliquae heißt ganz einfach Überbleibsel. Ist es nicht auch so, daß wir von geliebten Menschen, die gestorben sind, etwas zurückbehalten wollen, daß etwas von ihnen zurückbleiben soll, eben weil wir sie geliebt haben? So ist es auch mit den Reliquien. Etwas von dem Verehrten, dem Vorbildlichen, soll durch die Zeiten hindurch für uns bewahrt werden, uns zur Freude, zum Trost und zum Ansporn.

Als vor nunmehr doch einigen Jahren Reliquien der kleinen hl. Therese auf eine Reise um die Welt gingen, damit auch die Menschen, die nicht nach Lisieux reisen können, Gelegenheit bekämen, sie zu verehren, wurde im Refektorium der Karmelitinnen bei der Tischlesung über die Reliquien berichtet, als seien die Gebeine lebendig: „Dann gingen sie zum Bahnhof, von dort aus…“ Damals habe ich das noch nicht so gut verstanden, als aber der Schrein mit den Gebeinen zu uns in die Kathedrale kam, habe ich dankbar die große Gnade empfunden, den Schrein bei uns zu haben und vor ihm beten zu können.
___
[1] Immerhin soll Sisyphos ja bei seiner nutzlosen Arbeit vollkommen glücklich gewesen sein…
[2] Im übrigen auch nur von denen, die es wollen.
[3] Für alle, die sich jetzt wundern: das ist ein Insider-Joke der katholischen Blogger.

Kommentare:

mcwolpers hat gesagt…

Habe darafhin einen kurzen Kommentar an die Thüringer Allgemeine geschrieben.

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke! :)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...