Dienstag, 24. Mai 2011

Neues von der Mantilla-Front

Neulich hatten wirs davon, ob hier eine Mantilla wohl das Haarherumgewoge verdeckt hätte – meiner Ansicht nach hätte es, die Mantilla wäre meiner unfachlichen Meinung nach vor dem Haar herumgeflattert…).

Grade gelesen: Die Frage, Kommunionschleier ja oder nein? wurde jüngst von einer Frau direkt an Raymond Kardinal Burke von der apostolischen Signatur gerichtet – sie hat ihm einfach geschrieben. Kardinal Burke antwortete wie folgt (zitiert auf Defining beauty und hier bei In the light of the law, einem Kirchenrechtler. Dieser Artikel ist wegen der zusätzlichen Verweise besonders lesenswert):

Thank you for your letter … The wearing of a chapel veil for women is not required when women assist at the Holy Mass according to Ordinary Form of the Roman Rite. It is, however, the expectation that women who assist at the Mass according to the Extraordinary Form cover their heads, as was the practice at the time that the 1962 Missale Romanum was in force. It is not, however a sin to participate in the Holy Mass according to the Extraordinary Form without a veil.

(Vielen Dank für Ihr Schreiben … Das Tragen eines Kommunionschleiers ist für Frauen nicht erforderlich, wenn sie die Heilige Messe in der ordentlichen Form des römischen Ritus mitfeiern. Jedoch geht man davon aus, daß Frauen, die Messe in der außerordentlichen Form mitfeiern, ihr Haupt bedecken, wie es zu der Zeit der Gültigkeit des Meßbuches von 1962 üblich war. Es ist jedoch keine Sünde, an der hl. Messe in der außerordentlichen Form ohne Schleier teilzunehmen.)

In anderen Worten kurz zusammengefaßt: in der außerordentlichen Form ist es äußerst erstrebenswert, in der ordentlichen kann es jede machen wie sie möchte. Und das würden viele gern.

Wißt ihr, es geht mir nicht darum, anderen zuzureden, wie sie es selbst halten sollen. Daß der Mantilla-Button die 50er-Jahre-Ikonographie auf die Schippe nimmt, hatten wir ja schon festgehalten. Es wäre aber schon schön, wenn die Frauen, die eine Mantilla oder einen Schleier zum Gottesdienst tragen wollen, dies unbehelligt und ohne Gewese – das sie selbst davon ja auch nicht machen – tun könnten. Man muß etwa als Priester die Kommunikantin bei der Spendung der hl. Kommunion nicht merken lassen, daß einem ihr Schleier irgendwie persönlich mißliebig ist, um nur mal ein Beispiel zu nennen.

Ratschläge, wie man mit jenen GemeindegliederInnen umgehen kann, die einem ihr Mißfallen nun unbedingt explizit kundtun müssen, bietet The catholic knight – Lächeln ist sowieso immer die erste Wahl.
  • Smile
  • Then say: "You know, I would never try to force my own personal views on another parishioner."
  • Then tell her: "And it's really none of your business how I choose to reverence the Lord."
  • End with; "God bless you."
  • Then walk away.
Hier einige schöne Bilder von Kommunionschleiern. Oben in der Ecke mein Lieblingsschleierbild von Vermeer.







Irgendwie ist es schon eigenartig. Mancherorts kann man in den indezentesten Outfits zur Kirche kommen und keiner sagt was – wir schlagen einfach die Augen nieder. Entschließt sich aber eine Frau, einen Kommunionschleier zu tragen, wissen sich manche gar nicht zu fassen. Liebe Güte! Ich finde Mantillen und Kommunionschleier sehr weiblich (Surprise!) und in manchen Momenten werde ich das Gefühl nicht los, daß es einigen bei ihrer Mantillenaversion genau darum geht. Man findet übrigens kaum Darstellungen der Jungfrau Maria, auf denen sie keinen Schleier trägt.

Catholic Knight berichtet über seine Kindheit und führt sehr treffend aus:
My grandmother was Swedish, but she was raised in Cuba – go figure! She spoke fluent Spanish, and didn't know a word of Scandinavian. She was also a Roman Catholic. Growing up in Southern California, with my Spanish-speaking white grandma, got me in pretty close with the Hispanic-Catholic culture of the area. The older women of those parishes were staunchly conservative in their religious practices, and to be quite honest, I've never seen a more modest and classy group. These women knew how to be Catholic, Spanish, classy and at the same time absolutely beautiful. Their Spanish shawls served a double purpose. Inside the Church they frequently used them as a type of mantilla, while outside, they dropped them down over their shoulders to create a elegant wrap, useful for social gatherings in the cool outdoors. In all my years since childhood, I've never seen a more impressive and stunning display of feminine Catholic beauty.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich persönlich halte nichts von Bekleidungsvorschriften jedweder Art und es liegt mir fern, an den Kopfbedeckungen anderer Menschen Anstoß zu nehmen. (Außer, sie rauben mir die Sicht.) Also gehöre ich auch gewiß nicht zu den Leuten, die Frauen, die in einer katholischen Kirche einen Schleier tragen, schief angucken. Allerdings verstehe ich schon, wenn einige von den Mantillaträgerinnen genervt sind. Vielleicht haben sie einfach ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich. Ich habe schon öfter den Eindruck gewonnen, daß das Tragen einer Mantilla zuweilen mit einer zur Schau getragenen Rechtgläubigkeit und einer nicht sehr christlichen Holier-than-thou-Attitüde verknüpft ist. Man soll persönliche Erfahrungen nicht verallgemeinern, aber leider neigt man dazu. Womöglich gibt es durchaus einige Mantillaträgerinnen, die dafür sorgen, daß dieses Kleidungsstück ein schlechtes Image hat. Hältst Du es denn für so ausgeschlossen, daß die schiefen Blicke daher rühren? Mir ist auch aufgefallen, daß die Trägerinnen einer Mantilla in meinem Umfeld es sehr gerne thematisieren, daß sie Trägerinnen einer Mantilla sind und daher schiefen Blicken ausgesetzt sind - und da frage ich mich schon: Warum eigentlich? Wäre es nicht klüger, das Ganze nicht so hoch zu hängen?

Lauda Sion hat gesagt…

Erstmal danke für den Beitrag. Ich liebe Schleier tragen und hatte in der Freikirche eine zeitlang auf andere Kopfbedeckungen zurückgegriffen. Das wäre auch ein Pluspunkt fürs Ordensleben:), aber ich denke, wenn ich damit jetzt hier auch noch anfangen würde, nach der Sache mit der Mundkommunion (die ich eisern durchziehe,) würde das den Rahmen völlig sprengen.
Obwohl...:-P

Braut des Lammes hat gesagt…

Anonym: in gewisser Hinsicht stimmen wir überein – es darf keinen Zwang geben. Ich denke doch, daß aus dem Artikel und auch aus den angeführten Zitaten hervorgeht, daß es keine solche Bekleidungsvorschrift gibt. Diese Freiheit, es zu halten wie man möchte, sollten aber alle genießen dürfen.

Nicht klargeworden ist, was du mit "nicht so hoch hängen" sagen willst. Diese Holier-than thou-Geschichte kann kein Richtwert sein, wenn es um Fragen des Gewissens, der Frömmigkeit oder der Liturgie selbst geht.
Ich kenne die Herzen der Mitmenschen nicht und weiß nicht, wann etwas "zur Schau getragene Rechtgläubigkeit" oder einfach Gläubigkeit ist.

Überdies: wo legt man dann die Richtschnur an, ab wann oder etwas scheinbar Holier-than-thou wirkt? Die einen empfinden dann den Mann, der zur jeder Messe im Anzug und Krawatte erscheint als "Holier than thou", die nächsten finden es schon "holier than thou", wenn sich jemand beim Confiteor an die Brust schlägt und die dritten diejenigen, die die Kommunion im Knien empfangen. Will sagen: solange etwas durch die Rubriken der Liturgie, die Tradition oder das Brauchtum ermöglicht ist, soll man es in voller Freiheit tun können.

Im vorliegenden Beitrag geht es auch um mehr als schiefe Blicke – die muß man überall aushalten können, ohne sich davon aus der Bahn werfen zu lassen. Ob jemand sich genervt fühlt oder nicht, muß er letztlich mit sich selbst ausmachen. Es ging um diejenigen, die meinen, sie müßten dem anderen die eigene Weltanschauung aufdrängen. Das tun die Trägerinnen einer Mantilla nicht, sie tragen sie einfach. Dein persönliches Umfeld kann ich natürlich nicht beurteilen – hier sind diejenigen, die es thematisieren, immer solche, denen es ein Dorn im Auge ist und die etwaige Verweise der Trägerin auf den hl. Paulus mit "Paulus? – pah!" abqualifizieren. Und das ist zumindest übergriffiges Verhalten.

Anonym hat gesagt…

Ich wage zu behaupten, dass die Leute, die sich durch "holyer-than-thou-Gehabe" angegriffen fühlen, sich nur deshalb angegriffen fühlen, weil die Haltung mancher Gläubigen (welche sie als Heiligtuend interpretieren) an ihre eigene Lauheit erinnert.

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