Montag, 30. Mai 2011

Missionare und Lilien auf dem Felde

Die heutige Fürbitte aus dem 40tägigen Gebet um geistliche Berufe lautet: Schenke auch unserer Zeit Missionare, die dich bei uns und in aller Welt mit ihrem Wort und ihrem Leben verkündigen.

Unter Missionaren darf man sich dabei nicht nur solche vorstellen, die sich mit Tropenhelm in abgelegene Gebiete aufmachen (das auch). Von vielen dieser Missionare und ihrer Arbeit wüßte man kaum etwas, hätte die Kirche sie nicht ins Verzeichnis der Heiligen und Seligen aufgenommen.

Wie solche Missionare auch aussehen und auf welch unterschiedliche Weise sie ihre Gaben in den Dienst Christi stellen können, sehen wir an der heiligen Karmelitin Maria Maravillas de Jesús. Obwohl sie fast ihr ganzes Leben – über 50 Jahre – in der Verborgenheit des eremitischen Lebens der unbeschuhten Karmelitinnen verbrachte, waren ihr Herz und ihr Werk zutiefst missionarisch.
Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen.
haben wir gestern in der Lesung aus dem Petrusbrief gehört. Das stille Leben eines Beters ist die denkbar wörtliche Umsetzung dieses Wunsches des Apostels: der Beter läßt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen – er ist einfach nur da. Sein ganzes Sein spricht von der Hoffnung, die uns erfüllt.

Maria Maravillas Pidal y Chico de Guzman, die Tochter eines Botschafters, trat im Alter von dreiundzwanzig Jahren 1919 in den Karmel vom hl. Lorenz in El Escorial ein, wo sie zur Einkleidung den Namen Maria Maravillas de Jesús annahm. Schon sehr früh hatte sie sich Christus für immer geweiht – bereits im Alter von fünf Jahren legte sie das Gelübde ab, ein jungfräuliches Leben zu führen, 1896, ein Jahr darauf empfing sie das Sakrament der Firmung. Später weihte sie, von ihrem Beichtvater angeleitet, ihr Leben dem Dienst an den Menschen und den Werken der Nächstenliebe.

Der Anblick eines Bildnisses des Erlösers mit dem heiligsten Herzen, das der spanische König Alfonso bei dem halb verfallenen Karmel von Cerro de los Angeles in der Nähe von Madrid hatte errichten lassen, weckte in ihr den Wunsch, diesen altehrwürdigen Karmel aus dem 14. Jahrhundert wieder mit neuem Leben zu erfüllen. Dem Bischof von Madrid gefiel dieser Gedanke, und mit seiner Zustimmung wurde der Karmel unserer Lieben Frau von den Engeln in Cerro de los Angeles durch Sr. Maravillas de Jesús und drei weitere Schwestern wiedererrichtet – mit nichts als schieren Gottvertrauen, den Stundenbüchern der Schwestern und einigen Wolldecken. Diese völlige Hingabe an das, was man als den Willen Gottes erkannt hat und das Vertrauen auf auf ihn, der auch die Vögel unter dem Himmel ernährt und die Lilien auf dem Feld blühen läßt, sind wirklich außerordentlich.

Am 30. Mai 1924 legte Sr. M. Maravillas de Jesús im Karmel unserer Lieben Frau von den Engeln ihre feierlichen Gelübde ab; bereits zwei Jahre danach wählten die Schwestern sie zur Priorin. Unter ihrer Leitung gab es so viele Neueintritte, daß man sie mit der Hälfte der Schwestern zu einer Neugründung nach Kottayam in Indien entsandte. Von dieser Neugründung gingen wiederum zahlreiche Gründungen aus, fünf allein in Indien.

1936 kehrte Sr. Maravillas nach Spanien zurück, wo sie und ihre Mitschwestern infolge der Unruhen des spanischen Bürgerkriegs verhaftet und nach Getafe gebracht wurden. Dort stellte man sie unter Hausarrest – bei einer Karmelitin nun einigermaßen blödsinnig! –, allerdings waren die Schwestern ständigen Schikanen ausgesetzt. Im Herbst 1937 siedelte der Konvent nach Las Butaecas in der Provinz Salamanca über. 1939 ging Sr. Maravillas mit einigen Schwestern wiederum nach Cerro de los Angeles, das in den Wirren des spanischen Bürgerkriegs mittlerweile fast völlig in Schutt und Asche gelegt worden war. Dabei war auch die Herz-Jesu-Statue zerstört worden, die einst Anlaß zu dieser Neugründung gewesen war.

Vom Karmel unserer Lieben Frau von den Engeln gingen unter Sr. M. Maravillas de Jesús im Laufe der Jahre dreizehn Gründungen in Spanien aus, darunter die Wiedererrichtung des Karmels von der Menschwerdung in Avila – der Karmel, in den einst die große hl. Theresa eingetreten war.

Sr. Maravillas de Jesús zeichnete sich neben der völligen Hingabe durch eine kindliche Liebe zur Jungfrau Maria aus. Die allerseligste Jungfrau wird im Karmel besonders verehrt, sie ist nicht nur Mutter des Karmels und Vorbild in allen Tugenden, sondern auch Mutter der Karmelitinnen. So gibt es im Karmel keine Äbtissin, sondern eine Priorin, die erste der Schwestern – den obersten Platz hat die Gottesmutter. Deren Patronat sind auch alle Karmelitinnenklöster unterstellt, die Sr. Maravillas gründete. Sich selbst bezeichnete die Heilige zeitlebens als „sündiges Nichts“, sie war sich allerdings sehr bewußt, auf wen sie vertraut hatte: als sie 1971 im Alter von dreiundachtzig Jahren starb, sagte sie: „Ich fühle, wie sehr mich der Herr geliebt hat. Welche Glückseligkeit, als Karmelitin zu sterben!“

1 Kommentar:

jos.m.betle hat gesagt…

Dankeschön, liebe Braut, für den guten Hinweis auf Sr. Maravillas de Jesús, eine Heilige.

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