Sonntag, 15. Mai 2011

Meine Schafe hören auf meine Stimme – Guthirtensonntag

Verirrte Schafe, William Holman Hunt, 1852

Wenn Pfarrer in der Predigt die rhetorische Frage stellen, wer sich im Gleichnis vom guten Hirten wohl gern als Schaf sähe, möchte ich immer am liebsten aufzeigen: „Ich!“ Mir gefällt das Bild vom guten Hirten und auch die Rolle, die die Schafe darin einnehmen. So heißt es im heutigen Evangelium: … die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.

Wie das funktioniert, habe ich schon in meiner Kindheit erlebt, zwar nicht mit Schafen, aber mit Kühen: wenn ich zum Milchholen geschickt wurde und in den Kuhstall kam (ich kannte die Milchproduzentinnen persönlich) konnte ich erleben, daß die Kühe, ruft ein Vertrauter sie beim Namen, diesen erkennen und auf den Zuruf hin muhen.
Wer durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
Dieses persönlich vom Herrn beim Namen gerufen und geführt werden, das Hören auf seine Stimme und die Geborgenheit, die darin liegt, ist das, was mir an dem Bild vom guten Hirten so gefällt. Wieviele haben in schwerer Bedrängnis oder gar in der letzten Stunde ihres Lebens Trost gefunden im 23. Psalm, dem Antwortpsalm der heutigen Messe: Der Herr ist mein Hirte.
Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht,
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
Etwas später spricht der Evangelist Johannes noch einmal von der Stimme des Hirten und seiner Verheißung für sie:
Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir.
Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen.
Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen.
Ich und der Vater sind eins.
Das Tal, durch das man wandert, kann trocken oder finster sein, neblig, so daß man den Hirten nicht mehr zu sehen meint, vielleicht hat man ihn auch aus den Augen verloren oder sich verirrt. Es kann das Tal der Krankheit sein oder das des Todes. Und doch ist er da. In den Sakramenten befreit uns der Hirt aus dem Dornengestrüpp, in dem wir uns möglicherweise verfangen haben und wir finden die Weide. Im Tod sind wir die, denen er ewiges Leben gibt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Mäh. (= Danke.)

Anonym hat gesagt…

Sehr schöner Text. Da ich von einem Bauernhof stamme, kannn ich gut nachvollziehen, was Sie schreiben.
Meinen Kindern hat das Evangelium von gestern ebenfalls gut gefallen.
Liebe Grüßelobon

Dorothea hat gesagt…

Ich finde die Bilder von Jesus als gutem Hirten sehr berührend, da gibts eins dieser alten Schlafzimmerbilder, wo er ein Schäfchen auf dem Schoß hält, im Hintergrund ein Sonnenuntergang. Kitsch ist was fürs Herz, ich find das sehr tröstlich.

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke für die freundlichen Kommentare :)

Dorothea, ein solches Bild habe ich noch, hier hat er es auf dem Arm:
es kam hier vor http://brautdeslammes.blogspot.com/2010/04/das-lamm-wird-sie-weiden.html
Aus den Kommentaren ersieht man, daß es noch andere Fans der Schlafzimmerbilder vom guten Hirten gibt.

Imrahil hat gesagt…

Alternative statt "ich" zu schreien: Haindlings (übrigens ein Wallfahrtsort) "Schafslied" vorsingen.

Ob man sich danach noch traut zu behaupten, das Volk wolle kein Schaf sein?

Braut des Lammes hat gesagt…

Das kenne ich leider gar nicht. Während der Predigt ein Lied zu singen, würde aber vielleicht den Hirten ärgern… ;)

Imrahil hat gesagt…

Mia samma alle miteinander / a ganz a große Herd vo lauter Schaf; / mia woin an ganzen Tag nur fressen, / am liebsten bloß a saftig greanes Gras: / Des is guat. / So guat. / Ja des is guat... //
Mia hamma alle miteinander / an Schäfer der uns ständig weitertreibt / auf a scheene große gsunde Wiesn. / Mia fressen kerzengrad ins Grea hinei: / Des is guat. / So guat. / Ja des is guat... ...
As Hirn! / Is goanimmer. / Dabei - / - / - As Hirn! Is goanimmer! Dabei!

Bei Gelegenheit kann man dazwischen auch mal Mäh machen. Dann versteht's vielleicht auch der Hirte-:)

Die Geschichte mit dem Hirn, das nicht mehr dabei ist, ist dabei übrigens in meinem Verständnis nicht kritisch gemeint und bei Hans-Jürgen Buchner wohl auch nicht, dazu ist die Melodie zu sehnsuchtsvoll.

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